Viele Hinterbliebene sind überrascht, wenn ihre Witwenrente oder Witwerrente plötzlich gekürzt wird, weil die eigene Altersrente oder ein Hinzuverdienst zu hoch ist. Entscheidend ist ein gesetzlich festgelegter Freibetrag, über den hinaus 40 Prozent des Einkommens auf die Hinterbliebenenrente angerechnet werden. Zum 1. Juli 2025 und erneut zum 1. Juli 2026 werden diese Freibeträge angepasst – mit spürbaren Folgen für Ihren Kontostand. Der folgende Beitrag erklärt verständlich, wie die Einkommensanrechnung auf die Witwenrente im Jahr 2026 funktioniert, welche Grenzen gelten und wie Sie Kürzungen möglichst vermeiden.
Worum es bei der Anrechnung auf die Witwenrente geht
Die Witwen- oder Witwerrente soll den Lebensunterhalt nach dem Tod der Partnerin oder des Partners absichern. Gleichzeitig prüft die Deutsche Rentenversicherung, ob Sie eigenes Einkommen erzielen – etwa eine eigene Altersrente, Erwerbseinkommen oder andere Rentenleistungen.
Nur bis zu einem bestimmten Freibetrag bleibt dieses Einkommen anrechnungsfrei. Übersteigt Ihr Netto-Einkommen den Freibetrag, werden von dem darüberliegenden Teil 40 Prozent auf Ihre Hinterbliebenenrente angerechnet. Das kann dazu führen, dass die Witwenrente deutlich sinkt oder in Einzelfällen sogar ganz entfällt.
Gesetzliche Grundlagen: Hinterbliebenenrente und Einkommensanrechnung
Rechtsgrundlage für die Witwen- und Witwerrente ist § 46 SGB VI, der die Anspruchsvoraussetzungen und die Höhe der Hinterbliebenenrenten regelt. Die Einkommensanrechnung selbst ist in § 97 SGB VI verankert.
Dort ist festgelegt, dass beim Bezug von Hinterbliebenenrenten das eigene Einkommen nur bis zu einem Freibetrag anrechnungsfrei bleibt. Dieser Freibetrag entspricht dem 26,4‑Fachen des jeweils geltenden aktuellen Rentenwerts, für waisenrentenberechtigte Kinder kommt ein Zuschlag in Höhe des 5,6‑Fachen des Rentenwerts dazu.
Höhe der Freibeträge 2025/2026: Das sind die entscheidenden Werte
Für die Zeit vom 1. Juli 2025 bis 30. Juni 2026 liegt der Freibetrag für die Einkommensanrechnung bei 1.076,86 Euro netto im Monat. Dieser Wert gilt bundeseinheitlich. Für jedes Kind, das grundsätzlich Anspruch auf eine Waisenrente haben könnte, erhöht sich der Freibetrag um 228,42 Euro.
Ab 1. Juli 2026 steigt der aktuelle Rentenwert weiter an, wodurch sich auch der Freibetrag erhöht. Berechnungen auf Basis der Rentenwert-Prognose ergeben einen Freibetrag von rund 1.122,53 Euro pro Monat. Pro waisenrentenberechtigtem Kind kommen dann 238,11 Euro zusätzlich hinzu.
Wichtig: Maßgeblich ist Ihr monatliches Netto-Einkommen im Sinne der Einkommensanrechnung – also nach Abzug bestimmter Pauschalen und Sozialabgaben.
Wie die 40‑Prozent-Anrechnung in der Praxis funktioniert
Übersteigt Ihr Einkommen den Freibetrag, wird der darüberliegende Teil zu 40 Prozent auf Ihre Witwen- oder Witwerrente angerechnet. Das bedeutet:
- Bis zum Freibetrag bleibt die Hinterbliebenenrente ungekürzt.
- Vom Mehrbetrag (Netto-Einkommen minus Freibetrag) werden 40 Prozent von der Witwenrente abgezogen.
Im sogenannten Sterbevierteljahr – den ersten drei Kalendermonaten nach dem Tod der versicherten Person – wird kein Einkommen angerechnet. In dieser Zeit erhalten Sie die Hinterbliebenenrente in voller Höhe, unabhängig von eigener Rente oder Hinzuverdienst.
Beispiel: Eigene Rente und Witwenrente im Jahr 2026
Angenommen, Sie beziehen eine eigene Altersrente von 1.200 Euro netto im Monat und eine große Witwenrente von 900 Euro brutto. Ab Juli 2026 liegt der Freibetrag voraussichtlich bei rund 1.122,53 Euro.
- Ihr anzurechnendes Netto-Einkommen aus der eigenen Rente: 1.200 Euro.
- Freibetrag: 1.122,53 Euro.
- Übersteigender Betrag: 77,47 Euro.
Von diesen 77,47 Euro werden 40 Prozent, also rund 30,99 Euro, auf die Witwenrente angerechnet. Ihre Witwenrente sinkt damit von 900 Euro auf etwa 869 Euro. Liegt Ihre eigene Rente dagegen unterhalb des Freibetrags, bliebe die Witwenrente ungekürzt.
Bei zusätzlichem Einkommen aus einer Teilzeitbeschäftigung oder Minijobs erhöht sich das angerechnete Einkommen entsprechend, was zu weiteren Kürzungen der Hinterbliebenenrente führen kann.
Unterschiedliche Einkommensarten: Was alles angerechnet wird
Die Deutsche Rentenversicherung unterscheidet verschiedene Einkommensarten, die auf die Witwen- oder Witwerrente angerechnet werden können. Dazu gehören insbesondere:
- Eigene gesetzliche Alters- oder Erwerbsminderungsrente,
- Arbeitsentgelt und Arbeitseinkommen aus selbstständiger Tätigkeit,
- bestimmte betriebliche oder private Rentenleistungen,
- vergleichbare ausländische Renten.
Nicht angerechnet werden unter anderem bestimmte steuerfreie Leistungen, etwa Pflegegeld oder Entschädigungszahlungen, sowie die Hinterbliebenenrente selbst. Die genaue Bewertung des Einkommens ergibt sich aus den Verwaltungsvorschriften und Merkblättern der Deutschen Rentenversicherung.
Kinder erhöhen den Freibetrag spürbar
Haben Sie Kinder, die Anspruch auf eine Waisenrente haben oder haben könnten, steigt Ihr Freibetrag deutlich. Pro Kind erhöht sich der Freibetrag ab Juli 2025 um 228,42 Euro und ab Juli 2026 voraussichtlich um rund 238,11 Euro.
Damit können insbesondere jüngere Hinterbliebene mit Kindern erheblich mehr eigenes Einkommen erzielen, ohne dass ihre Witwen- oder Witwerrente gekürzt wird. Wichtig ist, dass die Anspruchsberechtigung des Kindes belegt werden kann – unabhängig davon, ob tatsächlich eine Waisenrente ausgezahlt wird.
Typische Fehler: Warum Witwenrenten oft unnötig gekürzt werden
In der Praxis zeigt sich, dass viele Hinterbliebene die Einkommensanrechnung nicht im Blick haben und deshalb negative Überraschungen erleben. Häufige Fehler sind:
- Eigene Einkommen werden der Rentenversicherung nicht vollständig oder nicht rechtzeitig gemeldet.
- Änderungen (höhere Rente, mehr Hinzuverdienst) werden übersehen, sodass es später zu Nachberechnungen und Rückforderungen kommt.
- Der Freibetrag wird mit dem steuerlichen Grundfreibetrag verwechselt, obwohl es sich um unterschiedliche Regelungen handelt.
Die Deutsche Rentenversicherung weist in ihren Informationsmaterialien ausdrücklich darauf hin, dass Sie jede wesentliche Einkommensänderung unverzüglich mitteilen müssen. Andernfalls drohen Rückforderungen, die Ihre finanzielle Planung durcheinanderbringen können.
Fakten zur Einkommensanrechnung auf die Witwenrente (Tabelle)
Zusammenfassung
Für Witwen und Witwer ist die Einkommensanrechnung auf die Hinterbliebenenrente eine der zentralen Stellschrauben für die finanzielle Planung im Alter. Ab 2025 bzw. 2026 gelten höhere Freibeträge, die es ermöglichen, mehr eigene Rente oder Hinzuverdienst zu beziehen, ohne dass die Witwenrente gekürzt wird – Einkommen über dem Freibetrag wird jedoch weiterhin zu 40 Prozent angerechnet.
Prüfen Sie daher regelmäßig, wie hoch Ihr anzurechnendes Netto-Einkommen ist, ob Kinder den Freibetrag erhöhen und ob sich durch Rentenanpassungen oder Gehaltserhöhungen Änderungen ergeben. Melden Sie jede relevante Einkommensänderung zeitnah der Deutschen Rentenversicherung und lassen Sie sich im Zweifel beraten – so vermeiden Sie unerwartete Kürzungen oder Rückforderungen und wissen genau, wie hoch Ihre eigene Rente sein darf, damit Ihre Witwenrente nicht gekürzt wird.

