Mehr Rente, weniger Angst vor Altersarmut: Ein Vorschlag aus der CDU sorgt derzeit für Aufsehen – die sogenannte „Plus‑Rente“ verspricht bis zu 25 Prozent mehr gesetzliche Rente für Menschen, die trotz jahrzehntelanger Arbeit im Alter auf Grundsicherung angewiesen sind. Was hinter dem Modell steckt, wer profitieren könnte und welche Haken es gibt – alle Infos findet man hier auf Bürger & Geld, dem Nachrichtenmagazin des Vereins Für soziales Leben e. V..
Was hinter der Plus-Rente steckt
Kern der Idee: Bedürftige Rentnerinnen und Rentner sollen zusätzlich zu ihrer regulären Rente einen Zuschlag von 25 Prozent auf ihre individuell erarbeiteten Rentenansprüche bekommen. Die Plus‑Rente wäre damit kein Geschenk, sondern direkt an die eigene Lebensleistung gekoppelt – jeder eingezahlte Beitrag erhöht den späteren Zuschlag.
Im Unterschied zur bisherigen Grundsicherung würde das Modell sicherstellen, dass Menschen, die lange gearbeitet und Beiträge gezahlt haben, spürbar besser dastehen als diejenigen ohne oder mit sehr geringer Erwerbsbiografie. Damit reagiert der Vorschlag auf eine zentrale Kritik am derzeitigen System: Viele langjährige Beitragszahler landen heute faktisch bei einer „Einheitsrente“ auf Grundsicherungsniveau.
Wer profitieren könnte
Die Plus‑Rente richtet sich an Rentnerinnen und Rentner, deren gesetzliche Rente unterhalb des Grundsicherungsbedarfs liegt und die deshalb aufstockende Leistungen vom Sozialamt benötigen. In dieser Gruppe ist der Frust besonders groß, weil Jahrzehnte harter Arbeit im Alter häufig kaum mehr bringen als gar keine Beitragszahlung.
Betroffen sind vor allem Menschen mit niedrigen Löhnen, unsteten Erwerbsbiografien oder längerer Teilzeit – etwa viele Beschäftigte im Dienstleistungssektor, Alleinerziehende sowie besonders häufig Frauen. Auch in Ostdeutschland, wo lange Jahre niedrigere Löhne gezahlt wurden, könnte die Plus‑Rente einen spürbaren Unterschied machen.
Altersarmut: Das Problem dahinter
Die Zahlen sind alarmierend: Bundesweit bezogen im Herbst 2025 über 1,27 Millionen Menschen Grundsicherung, davon mehr als 755.000 im Rentenalter. Innerhalb von fünf Jahren ist die Zahl der Rentnerinnen und Rentner mit Grundsicherung um rund ein Drittel gestiegen – deutlich schneller als die Gesamtzahl der Bedürftigen.
Besonders stark wachsen die Fallzahlen in Ostdeutschland, gleichzeitig liegt der Anteil der Rentner an allen Grundsicherungsempfängern in Westdeutschland mit über 60 Prozent noch höher. Steigende Mieten, hohe Energie‑ und Lebensmittelpreise sowie das sinkende Rentenniveau verschärfen die Lage zusätzlich und treiben selbst nach langen Erwerbsjahren viele Menschen in die Sozialhilfe.
So soll die Plus‑Rente funktionieren
Die Plus‑Rente setzt auf einen prozentualen Zuschlag: 25 Prozent auf die individuell erworbenen gesetzlichen Rentenansprüche, solange trotz Zuschlag weiterhin Anspruch auf Grundsicherung besteht. Entscheidend ist dabei nicht ein pauschaler Bonus, sondern der direkte Bezug zur eigenen Beitragsbiografie – mehr eingezahlte Beiträge bedeuten automatisch mehr Plus‑Rente.
Finanziert werden soll das Modell über Steuermittel, die Bedürftigkeit würde wie bisher über eine Prüfung durch die Sozialbehörden festgestellt. Anders als bei Freibetragslösungen, bei denen bestimmte Rententeile anrechnungsfrei bleiben, garantiert die Plus‑Rente laut Berechnungen, dass mit jedem zusätzlichen Renten-Euro auch das verfügbare Einkommen steigt – bis der Bedarf vollständig aus eigener Rente gedeckt ist.
Vorteile für Lebensleistung und Gerechtigkeit
Befürworter sehen in der Plus‑Rente ein klares Signal für Leistungsgerechtigkeit: Wer gearbeitet und Beiträge gezahlt hat, soll im Alter mehr haben als jemand, der dies nicht getan hat. Der Zuschlag würdigt also nicht nur abstrakt die „Lebensleistung“, sondern macht sich konkret im Geldbeutel bemerkbar.
Dazu kommt ein wichtiger psychologischer Effekt: Wenn jeder zusätzliche Beitrags-Euro im Ergebnis zu mehr verfügbarem Einkommen führt, lohnt sich Arbeit auch für gering Verdienende sichtbar stärker. Das könnte das Vertrauen in die gesetzliche Rentenversicherung stärken, das in den vergangenen Jahren durch sinkendes Rentenniveau und gescheiterte Reformen schwer gelitten hat.
Kritik, offene Fragen und Risiken
Trotz vieler Sympathien wirft die Plus‑Rente heikle Fragen auf: Die Kosten für einen flächendeckenden Zuschlag in dieser Höhe wären erheblich und müssten dauerhaft aus Steuermitteln getragen werden. Gerade in Zeiten knapper Kassen und wachsender sozialer Ausgaben ist unklar, ob sich für ein solches Projekt eine stabile politische Mehrheit findet.
Kritiker warnen zudem vor neuen Ungerechtigkeiten, etwa zwischen Rentnerinnen und Rentnern knapp über der Grundsicherung und jenen, die noch im Leistungsbezug bleiben. Wer nur knapp nicht mehr als bedürftig gilt, hätte keinen Anspruch auf die Plus‑Rente – könnte aber am Ende kaum besser dastehen als jemand mit Zuschlag.
Plus-Rente und andere Reformideen
Der Vorstoß fügt sich in eine breitere Debatte um die Zukunft der Altersvorsorge: Neben der Plus‑Rente steht etwa die Forderung im Raum, das Rentenniveau wieder deutlich anzuheben, um Altersarmut strukturell zu bekämpfen. Parallel diskutieren Politik und Experten über eine staatlich organisierte Zusatzvorsorge, eine Art „Deutschland‑Rente“, die Millionen Menschen automatisch mit einem einfachen, kostengünstigen Standardprodukt in die private Vorsorge bringt.
Schon jetzt zeigt sich, dass punktuelle Rentenerhöhungen die strukturellen Probleme nur abmildern, aber nicht lösen: Trotz Anpassungen und Sonderzuschlägen wächst die Zahl der Menschen, die im Ruhestand auf Grundsicherung angewiesen sind, weiter an. Die Plus‑Rente wäre deshalb eher ein sozialpolitisches Korrektiv als die große Systemreform – mit signalstarker Wirkung, aber begrenztem Reichweiteversprechen.
Was das für heutige und künftige Rentner bedeutet
Für aktuelle Grundsicherungsempfänger im Alter würde eine Plus‑Rente im Erfolgsfall spürbare finanzielle Entlastung bedeuten und zugleich das Gefühl stärken, mit der eigenen Lebensleistung nicht völlig ins Leere gelaufen zu sein. Besonders Rentnerinnen mit Teilzeit‑ oder Minijob‑Biografien sowie Menschen mit langen Niedriglohnphasen könnten deutlich profitieren.
Für jüngere Jahrgänge sendet die Diskussion ein doppeltes Signal: Einerseits bleibt Altersarmut ein reales Risiko, wenn Löhne niedrig und Erwerbsbiografien brüchig sind. Andererseits zeigt der Vorschlag, dass die Politik versucht, Lebensleistung wieder stärker zu honorieren – auch wenn noch offen ist, ob und in welcher Form die Plus‑Rente tatsächlich umgesetzt wird.


