Einleitung: Warum die Agenda 2030 über die Rente entscheidet
Rente, Agenda 2030 und der private Geldbeutel: Während Politik und Experten um die Zukunft der Altersvorsorge ringen, steht fest – ohne tiefgreifende Reformen wird die Rente für viele Menschen im Alter nicht mehr reichen. Im folgenden Artikel auf Bürger & Geld, dem News-Magazin des Vereins Für soziales Leben e.V., zeigen wir auf, welche Pläne jetzt auf dem Tisch liegen, was wirklich kommen muss und wie man sich heute schon absichern kann.
Was hinter der „Agenda 2030“ zur Rente steckt
Die „Agenda 2030“ ist kein einzelnes Gesetz, sondern eine strategische Leitlinie: Bis Anfang der 2030er Jahre sollen zentrale Weichen gestellt werden, damit die gesetzliche Rente finanzierbar bleibt und Altersarmut nicht explodiert. Parallel dazu wirkt die UN‑Agenda 2030 mit ihren Nachhaltigkeitszielen, die soziale Sicherung und Armutsbekämpfung im Alter ausdrücklich als Staatsaufgabe definiert.
Konkret bedeutet das für Deutschland:
- Die Bundesregierung stabilisiert das Rentenniveau bis 2031 bei 48 Prozent des Durchschnittslohns.
- Die Union legt mit ihrer „Agenda 2030 – Neuer Wohlstand für Deutschland“ eigene, wachstumsorientierte Vorschläge für Steuern, Arbeit und Rente vor.
Ausgangslage: Warum das Rentensystem bis 2030 unter Hochdruck steht
Mehr Rentner, weniger Beitragszahler – so lässt sich die demografische Lage zugespitzt zusammenfassen. Schon heute fließen enorme Bundeszuschüsse in die Rentenversicherung, während die Sozialbeiträge der Beschäftigten auf ein Rekordniveau klettern.
Studien zeigen:
- Ohne Reformen könnten die gesamten Sozialbeiträge (Rente, Kranken‑, Pflege‑, Arbeitslosenversicherung) in den nächsten zehn Jahren auf rund 46 bis über 51 Prozent steigen.
- Das würde Löhne belasten, Jobs gefährden und die Bereitschaft senken, Vollzeit zu arbeiten – mit negativen Folgen für die Finanzierung der Rente.
Was die Regierung bis 2031 bereits beschlossen hat
Mit dem Rentenpaket 2025 hat die Bundesregierung zentrale Punkte festgeschrieben, die bis weit in die 2030er Jahre wirken. Für Versicherte bedeutet das mehr Planbarkeit – aber auch die klare Botschaft, dass weitere Schritte folgen müssen.
Kernpunkte des Rentenpakets 2025 sind:
- Stabilisierung des Rentenniveaus: Die Haltelinie von 48 Prozent wird bis 2031 verlängert.
- Mütterrente III: Für vor 1992 geborene Kinder werden drei Jahre Kindererziehungszeit voll angerechnet.
- Stärkung der Rücklagen: Die Nachhaltigkeitsrücklage der Rentenversicherung wird ausgebaut, um kurzfristige Schwankungen besser abzufedern.
- Flankierende Reformen: Konzepte wie Frühstart‑Rente, Aktivrente, bessere Betriebsrente und eine Neuordnung der Riester‑Förderung sollen die Altersvorsorge ergänzen.
CDU‑Agenda 2030: Was sich bei der Rente ändern soll
Die CDU verknüpft ihre Agenda 2030 mit einem umfassenden Wirtschaftsprogramm und setzt stark auf mehr Arbeit, weniger Abgaben und gezielte Anreize im Alter. Das Ziel: Wachstum ankurbeln, Sozialstaat bezahlbar halten und gleichzeitig Rentenansprüche sichern.
Wichtige Punkte für Rentner und Beschäftigte:
- Keine Rentenkürzungen, dafür Entlastungen bei den Sozialabgaben, die langfristig auf rund 40 Prozent abgesenkt werden sollen.
- Steuerfreier Zuverdienst für Rentner bis zu 2.000 Euro im Monat, um längeres Arbeiten nach Renteneintritt attraktiv zu machen.
- Steuerfreie Überstunden für Vollzeitbeschäftigte sowie ein flexibleres Arbeitszeitgesetz mit Wochen‑ statt Tageshöchstgrenze.
- Steuerentlastungen (höherer Grundfreibetrag, höherer Einstieg in den Spitzensteuersatz, Abschaffung des Soli für Gutverdiener), um Netto‑Löhne zu stärken und damit mehr Beitragsbasis für die Rente zu schaffen.
Experten‑Forderungen: Diese Reformen „müssen kommen“
Ökonomen und Rentenexperten zeichnen ein klares Bild: Ohne strukturelle Änderungen wird die Rente spätestens in den 2030er Jahren zu teuer – oder zu niedrig. In Policy‑Papern zur „Agenda 2030 für die Rentenpolitik“ werden konkrete Schritte eingefordert, die über aktuelle Regierungspakete hinausgehen.
- Beseitigung von Fehlanreizen für einen frühen Renteneintritt.
- Abschaffung abschlagfreier Frühverrentung und höhere Abschläge bei vorzeitigem Ruhestand.
- Stärkere Zuschläge für spätere Renteneintritte, um längeres Arbeiten spürbar zu belohnen.
- Begrenzung des Beitragssatzanstiegs, um Arbeit nicht immer weiter zu verteuern.
Die 5 zentralen Baustellen der Rente bis 2030
Länger arbeiten – aber flexibler
Die Lebenserwartung steigt, die durchschnittliche Rentenbezugsdauer wächst – ohne Anpassung des Rentenalters explodieren die Kosten. Viele Konzepte für die Agenda 2030 sehen daher eine Kopplung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung oder zumindest stärkere Anreize für längeres Arbeiten vor.
Konkrete Hebel:
- Abschläge bei vorzeitigem Rentenbezug verschärfen, Zuschläge für späteren Rentenbeginn verstärken.
- Aktivrenten‑Modelle ausbauen, die neben der Rente einen lohnenden Hinzuverdienst ermöglichen.
- Arbeitsbedingungen für Ältere verbessern, etwa durch Weiterbildung und Gesundheitsprävention.
Mehr Kapitaldeckung neben der Umlage
Das reine Umlagesystem stößt bei schrumpfender Erwerbsbevölkerung an Grenzen. Ein zentrales Element der Agenda‑2030‑Debatte ist deshalb der Ausbau kapitalgedeckter Bausteine – staatlich, betrieblich und privat.
Dazu zählen:
- Stärkere Förderung der betrieblichen Altersversorgung mit einfacheren Zugangswegen und weniger Bürokratie.
- Reform und Vereinfachung staatlich geförderter Produkte (Riester‑Nachfolger, Rürup‑Optimierung, ETF‑basierte Lösungen).
- Langfristige Aktien‑ und Fondsmodelle auf nationaler Ebene, um Renditechancen der Kapitalmärkte zu nutzen.
Breitere Finanzierungsbasis für die Rente
Um die Lasten gerechter zu verteilen, diskutieren Experten seit Jahren, mehr Erwerbsgruppen in ein einheitlicheres Alterssicherungssystem einzubeziehen. Die Agenda 2030 greift diese Forderungen erneut auf.
Im Gespräch sind:
- Pflicht‑Absicherung von Selbstständigen in einem öffentlichen System, entweder in der gesetzlichen Rente oder über gleichwertige Vorsorge.
- Perspektivische Annäherung der Systeme, um Privilegien abzubauen und Solidarität zu stärken.
Soziale Flankierung und Kampf gegen Altersarmut
Die UN‑Agenda 2030 verpflichtet alle Staaten, Armut in allen Formen zu beenden – dazu gehört auch Altersarmut. Besonders gefährdet sind Menschen mit gebrochenen Erwerbsbiografien, niedrigen Löhnen und vielen Teilzeitjahren.
Wichtige Stellschrauben:
- Ausbau von Grundsicherung und ähnlichen Leistungen und Zuschlägen für langjährig Versicherte.
- Bessere Anerkennung von Pflege‑ und Kindererziehungszeiten, wie sie mit Mütterrente III ausgebaut wird.
- Qualifizierung und Weiterbildung, damit möglichst viele Menschen dauerhaft in gut bezahlter Beschäftigung bleiben.
Beitragsdeckel und Entlastung der Arbeit
Hohe Sozialbeiträge machen Arbeit teuer und schwächen die Wettbewerbsfähigkeit. Sowohl in wissenschaftlichen Konzepten als auch in der CDU‑Agenda 2030 taucht deshalb immer wieder die Idee eines Beitragsdeckels auf.
Kernideen sind:
- Gesamte Sozialabgaben mittelfristig auf etwa 40 Prozent begrenzen.
- Entlastung über Steuern und einen höheren Bundeszuschuss zur Rente, finanziert durch Wachstum und Umschichtungen im Haushalt.
Überblickstabelle: Zentrale Elemente rund um die Rente bis 2030
| Bereich | Aktueller Stand / Plan bis 2030 |
|---|---|
| Rentenniveau | Haltelinie 48% bis 2031 gesetzlich festgeschrieben |
| Mütterrente III | Volle Gleichstellung der Kindererziehungszeiten vor 1992 |
| Steuerfreier Zuverdienst | CDU‑Plan: bis 2.000 € monatlich steuerfrei für Rentner |
| Sozialabgaben‑Ziel | CDU: Schrittweise Senkung auf 40% |
| Beitragssatz‑Prognosen | Anstieg gesamt auf ca. 45,8–51,2% ohne Reformen |
| Frühverrentung | Experten fordern Abschaffung abschlagfreier Früh‑Renten |
| UN‑Agenda 2030‑Ziel | Soziale Sicherung, Ende von Armut im Alter |
Was man als künftiger Rentner jetzt konkret tun kann
Die Agenda 2030 wird vieles verändern – aber du kannst heute schon viel dafür tun, dass deine eigene Rente reicht.
Praktische Schritte:
- Renteninformation prüfen: Regelmäßig die jährliche Renteninformation der Deutschen Rentenversicherung ansehen und Rentenlücken identifizieren.
- Betriebliche Altersvorsorge nutzen: Angebote des Arbeitgebers prüfen, insbesondere Entgeltumwandlung und Zuschüsse.
- Private Vorsorge aufsetzen: Langfristige ETF‑Sparpläne, fondsgebundene Produkte oder Basisrente (Rürup) können die gesetzliche Rente gezielt ergänzen.
- Erwerbsbiografie stabilisieren: Möglichst wenige längere Lücken, rechtzeitige Weiterbildung und, wenn möglich, länger arbeiten, um Abschläge zu vermeiden und Zuschläge mitzunehmen.

