Ab 2027 verschwindet die Riester-Rente endgültig vom Markt – ein von Bundestag und Bundesrat beschlossenes Gesetz ersetzt sie durch das neue Altersvorsorgedepot. Weil Millionen Sparer künftig zwischen Fonds, Garantien und befristeten Auszahlplänen wählen müssen, drängen nun auch die Deutsche Vermögensberatung und Generali mit einer bundesweiten Werbekampagne auf den Markt.
Neue Schwergewichte im Wettbewerb um Vorsorgesparer
Die Deutsche Vermögensberatung (DVAG) und Generali Deutschland positionieren sich vor dem Start der neuen staatlich geförderten Altersvorsorge. Mit der Kampagne „Deutschland macht Rente“ wollen beide Unternehmen auf die bevorstehende Reform aufmerksam machen und Interessierte für eine persönliche Beratung gewinnen. Konkrete Produktkonditionen nennen sie bislang nicht.
Auf der Kampagnenseite lassen sich Informationen zur privaten Altersvorsorge abrufen und Beratungstermine bei einem DVAG-Vermögensberater anfragen. Die Plattform ist damit zugleich Informationsangebot und Vertriebskanal. Im Mittelpunkt stehen dabei vor allem Vorsorgeprodukte von Generali, mit der die DVAG eng zusammenarbeitet.
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Die Beratung wird auf der Kampagnenseite als kostenlos beworben. Gleichzeitig räumen die Anbieter ein, dass beim Abschluss eines Finanz- oder Versicherungsprodukts eine Provision fällig wird, die in den laufenden Produktkosten steckt. Für Sparer bedeutet das: Eine direkte Rechnung für die Beratung gibt es nicht, finanziert wird sie aber über Abschluss- und Verwaltungskosten des Produkts.
Als Begründung für die Kampagne verweisen DVAG und Generali auf den wachsenden Vorsorgebedarf in Deutschland. Die gesetzliche Rente allein reiche für viele Menschen künftig nicht mehr aus, um den gewohnten Lebensstandard im Ruhestand zu halten. Nach eigenen Angaben betreuen beide Unternehmen gemeinsam rund 1,4 Millionen Kundinnen und Kunden im Bereich der geförderten Altersvorsorge.
Verbraucherschützer mahnen zum Vergleich
Mehr Wahlmöglichkeiten bedeuten aus Sicht der Anbieter auch mehr Beratungsbedarf. Sparer können künftig zwischen renditeorientierten Depotlösungen, Garantieprodukten, befristeten Auszahlplänen und Rentenzahlungen wählen. Provisionsvergütete Beratung ist dabei aber nicht automatisch unabhängig: Verbraucherschützer weisen darauf hin, dass Produkte mit höheren Vergütungen tendenziell stärker empfohlen werden können. Sie raten deshalb, vor einem Vertragsabschluss Kosten, Anlagestrategie und Auszahlbedingungen mehrerer Anbieter gegenüberzustellen, da hohe Kosten die Rendite über Jahrzehnte spürbar schmälern können.
Riester wird zum Auslaufmodell
Hintergrund der Werbeoffensive ist die tiefgreifende Reform der geförderten privaten Altersvorsorge. Der Bundestag hatte das Altersvorsorge-Reformgesetz am 27. März 2026 beschlossen, der Bundesrat stimmte am 8. Mai 2026 zu. Das Gesetz ist damit bereits seit Ende Mai 2026 in Kraft, angewendet wird es ab dem 1. Januar 2027. Ab diesem Stichtag können keine neuen Riester-Verträge mehr abgeschlossen werden, bestehende Verträge laufen unverändert weiter.
Kern der Reform ist das neue Altersvorsorgedepot, in dem Sparer staatlich gefördert in Fonds und ETFs investieren können. Anders als beim klassischen Riester-Vertrag ist keine Beitragsgarantie mehr vorgeschrieben. Dadurch kann mehr Kapital in Aktienfonds fließen, was die Renditechancen erhöht, zugleich aber bedeutet, dass Wertschwankungen im Depot ausgehalten werden müssen.
Für alle, die sich nicht selbst um die Geldanlage kümmern wollen, ist ein Standarddepot vorgeschrieben, bei dem die Effektivkosten gesetzlich gedeckelt sind. Wer Sicherheit bevorzugt, kann weiterhin Garantieprodukte wählen, bei denen zum Rentenbeginn wahlweise 80 oder 100 Prozent der eingezahlten Beiträge zugesichert werden.
Förderung bleibt bei allen Varianten identisch
Die staatliche Förderung richtet sich künftig stärker nach den eigenen Einzahlungen. Für alle Depot-Varianten gilt dieselbe Zulagenstruktur.
| Einzahlung pro Jahr | Staatliche Zulage |
|---|---|
| Bis 360 Euro | 50 Cent je eingezahltem Euro |
| 360,01 bis 1.800 Euro | 25 Cent je eingezahltem Euro |
| Maximale Grundzulage | Bis zu 540 Euro pro Jahr |
| Je kindergeldberechtigtem Kind | Bis zu 300 Euro Kinderzulage |
| Start vor dem 25. Geburtstag | Einmaliger Bonus von 200 Euro |
Lebenslange Rente kostet Flexibilität
Bei der späteren Auszahlung betonen Generali und DVAG die Vorteile einer lebenslangen Rentenzahlung, die das Risiko absichert, das angesparte Kapital bei hohem Lebensalter aufzubrauchen. Dafür fällt die monatliche Auszahlung in der Regel niedriger aus als bei einem zeitlich befristeten Auszahlplan. Entscheidend ist für Sparer deshalb nicht nur das Sicherheitsversprechen, sondern die Frage, wie viel monatliche Rente ein Anbieter je 25.000 Euro angespartem Kapital tatsächlich auszahlt und welche Kosten dabei anfallen.
Konkurrenz ist bei den Kosten schon weiter
Während DVAG und Generali noch keine Produktdetails nennen, sind andere Anbieter bereits konkreter geworden. Generali kündigt für die Zukunft fondsbasierte Altersvorsorgedepots mit flexiblen Garantien, ein Standarddepot sowie Angebote zur Frühstartrente an, bei der der Staat Kindern ab sechs Jahren monatlich zehn Euro für die Geldanlage am Kapitalmarkt zuschießt. Die Deka hat für ihr Standard-Altersvorsorgedepot bereits ETF-Kosten von 0,1 Prozent pro Jahr angekündigt, während Scalable Capital und Smartbroker+ für ihre Standarddepots Kosten von unter beziehungsweise bis zu 0,15 Prozent genannt haben. Ein belastbarer Vergleich zwischen allen Anbietern ist erst möglich, sobald weitere Details vorliegen.
Kein akuter Zeitdruck für Sparer
Trotz der Werbeoffensive besteht für Verbraucher kein unmittelbarer Handlungsdruck. Die neuen Produkte sind erst ab Januar 2027 verfügbar. Um die volle staatliche Förderung für das kommende Jahr zu erhalten, genügt es zudem, erst gegen Ende 2027 in die neue Altersvorsorge einzusteigen.
Häufige Fragen zur neuen Altersvorsorge ab 2027
Was passiert mit bestehenden Riester-Verträgen nach 2027?
Laufende Riester-Verträge bleiben von der Reform unberührt und können unverändert fortgeführt werden. Ab dem 1. Januar 2027 können lediglich keine neuen Riester-Verträge mehr abgeschlossen werden, für Bestandskunden ändert sich an den bisherigen Konditionen nichts.
Ist die Beratung von DVAG und Generali wirklich kostenlos?
Eine direkte Rechnung für die Beratung stellen die Anbieter nicht aus. Bei Vertragsabschluss fällt jedoch eine Provision an, die in den laufenden Produktkosten enthalten ist und damit indirekt von den Kunden über die gesamte Vertragslaufzeit mitfinanziert wird.
Wie hoch ist die staatliche Förderung beim neuen Altersvorsorgedepot?
Die Grundzulage beträgt bis zu 540 Euro pro Jahr, zusammengesetzt aus 50 Cent je eingezahltem Euro bis 360 Euro und 25 Cent je Euro bis 1.800 Euro. Hinzu kommen bis zu 300 Euro Kinderzulage je kindergeldberechtigtem Kind sowie ein einmaliger Bonus von 200 Euro für einen Start vor dem 25. Geburtstag.
Bis wann muss man einsteigen, um die volle Förderung zu erhalten?
Da die neuen Produkte erst ab Januar 2027 angeboten werden, entsteht kein Zeitdruck vor diesem Datum. Für die volle Förderung des Jahres 2027 reicht ein Einstieg auch dann noch aus, wenn dieser erst gegen Jahresende erfolgt.