In diesen drei Ländern gibt es die höchste Rente der Welt – und wo steht Deutschland?

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Wer sein gesamtes Berufsleben gearbeitet hat, erwartet im Ruhestand finanzielle Sicherheit. Im internationalen Vergleich zeigt sich jedoch: Wie viel vom früheren Einkommen durch die Rente ersetzt wird, unterscheidet sich erheblich. Nach den aktuellen OECD-Modellrechnungen liegen die Niederlande, die Türkei und Portugal an der Spitze – Deutschland erreicht dagegen nur rund 53 Prozent. Entscheidend ist dabei, was genau verglichen wird: nicht die Rentenzahlung in Euro, sondern der Anteil des früheren Nettoeinkommens, der im Ruhestand weiter zur Verfügung steht.

Was die OECD hier überhaupt vergleicht

Die OECD misst die sogenannte Netto-Ersatzquote. Sie zeigt, wie hoch die gesamte verpflichtende Altersversorgung nach Steuern und Sozialabgaben im Verhältnis zum früheren Nettoeinkommen ausfällt. Grundlage ist ein Modellfall: eine Person mit durchschnittlichem Einkommen, die ab dem Alter von 22 Jahren ohne längere Unterbrechung bis zum regulären Rentenalter arbeitet.

Das ist wichtig, denn die Rangliste beantwortet nicht die Frage: „In welchem Land gibt es die höchste Rente in Euro?“ Sie zeigt vielmehr, in welchem Staat das Rentensystem für einen typischen Durchschnittsverdiener den größten Anteil des bisherigen Einkommens absichert. Lebenshaltungskosten, Wohnkosten, individuelle Erwerbsbiografien und die Kaufkraft werden dabei nicht unmittelbar abgebildet.

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Für Deutschland berücksichtigt die OECD neben der gesetzlichen Rente auch verpflichtende Bestandteile der Altersversorgung, soweit sie im jeweiligen System vorgesehen sind. Freiwillige private Vorsorge, etwa ein ETF-Sparplan, eine private Rentenversicherung oder freiwillige Betriebsrente, ist in der Grundvergleichszahl nicht automatisch enthalten.

Die drei Länder mit der höchsten Ersatzquote

Nach der OECD-Auswertung „Pensions at a Glance 2025“ stehen diese drei Länder bei der Netto-Ersatzquote für Durchschnittsverdiener besonders weit oben:

RangLandNetto-ErsatzquoteWas das bedeutet
1Niederlande96,0 ProzentFast das gesamte frühere Nettoeinkommen wird im OECD-Modell durch die verpflichtende Altersversorgung ersetzt
2Türkei94,4 ProzentDie modellierte Nettorente liegt nur knapp unter dem früheren Nettoeinkommen
3Portugal92,7 ProzentDie Altersversorgung erreicht im Modell mehr als neun Zehntel des früheren Nettoeinkommens

Auch Griechenland, Luxemburg, Österreich und Spanien liegen mit Netto-Ersatzquoten von mehr als 85 Prozent deutlich über dem OECD-Durchschnitt. Über alle OECD-Staaten hinweg beträgt die durchschnittliche Netto-Ersatzquote für einen Arbeitnehmer mit Durchschnittsverdienst und vollständiger Erwerbslaufbahn 63,2 Prozent.

Die Niederlande nehmen dabei eine Sonderrolle ein. Neben einer staatlichen Grundrente trägt dort die betriebliche Altersversorgung wesentlich zum Ergebnis bei. Sie ist für große Teile der Beschäftigten tariflich oder branchenbezogen verbindlich organisiert. Das macht einen direkten Vergleich mit Deutschland zwar sinnvoll, aber nicht eins zu eins übertragbar: In Deutschland ist die Betriebsrente viel weniger flächendeckend verpflichtend.

Deutschland erreicht laut OECD 53,3 Prozent

Deutschland kommt im aktuellen OECD-Modell auf eine Netto-Ersatzquote von 53,3 Prozent. Wer über das gesamte Erwerbsleben durchschnittlich verdient, erhält danach aus den verpflichtenden Altersversorgungssystemen im Ruhestand etwas mehr als die Hälfte seines früheren Nettoeinkommens. Das sind knapp zehn Prozentpunkte weniger als der OECD-Durchschnitt und mehr als 42 Prozentpunkte weniger als in den Niederlanden.

Die Zahl ist kein individueller Rentenbescheid. Sie ist vielmehr eine Vorausberechnung für heute jüngere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die ab 2024 eine vollständige Laufbahn beginnen. Ob die tatsächliche spätere Rente höher oder niedriger liegt, hängt vor allem von Entgeltpunkten, Beitragsjahren, Teilzeit, Arbeitslosigkeit, Kindererziehung, Pflegezeiten, Erwerbsminderung und möglichen Abschlägen ab.

Für viele Menschen wird die Differenz im Alltag greifbar. Wer vor dem Ruhestand etwa 2.500 Euro netto zur Verfügung hatte, müsste bei einer Ersatzquote von 53,3 Prozent grob mit 1.330 Euro netto aus verpflichtenden Alterssicherungssystemen rechnen. Das ist nur ein Rechenbeispiel, keine Prognose für einzelne Versicherte. Gerade Miete, Kranken- und Pflegekosten, Energiepreise oder der Wegfall zusätzlicher Einnahmen können dazu führen, dass die Versorgungslücke deutlich spürbarer ausfällt.

Warum die deutsche Zahl nicht dem Rentenniveau entspricht

Immer wieder werden zwei Kennziffern verwechselt: das deutsche Rentenniveau von 48 Prozent und die OECD-Netto-Ersatzquote von 53,3 Prozent. Beide Werte beschreiben unterschiedliche Dinge und dürfen deshalb nicht direkt gegeneinander aufgerechnet werden.

Das Sicherungsniveau vor Steuern, häufig verkürzt Rentenniveau genannt, ist eine deutsche Kennziffer. Es setzt die Standardrente – 45 Jahre Beiträge bei Durchschnittsverdienst – ins Verhältnis zum durchschnittlichen Arbeitsentgelt. Die Bundesregierung hat diese Haltelinie mit dem Rentenpaket 2025 bis 2031 bei 48 Prozent abgesichert.

Die OECD dagegen rechnet mit dem individuellen Nettoeinkommen vor und nach Rentenbeginn. Dabei berücksichtigt sie Steuern und Sozialabgaben sowie die gesetzlichen und verpflichtenden Alterssicherungsbestandteile. Deshalb kann die OECD für Deutschland auf 53,3 Prozent kommen, obwohl das gesetzliche Rentenniveau bei 48 Prozent liegt. Es handelt sich nicht um einen Widerspruch, sondern um zwei verschiedene Berechnungsmethoden.

Aktueller Stand: Renten stiegen 2026 deutlich

Für heutige Rentnerinnen und Rentner gilt unabhängig von der OECD-Prognose: Die gesetzlichen Renten in Deutschland sind zum 1. Juli 2026 um 4,24 Prozent gestiegen (Rentenerhöhung 2026). Der aktuelle Rentenwert erhöhte sich von 40,79 Euro auf 42,52 Euro. Für eine Standardrente mit 45 Entgeltpunkten bedeutet das nach Angaben der Bundesregierung ein Plus von 77,85 Euro monatlich.

Diese Anpassung ist für Bestandsrentner wichtig, verändert aber nicht automatisch Deutschlands Position in der internationalen OECD-Rangfolge. Denn die Rangliste bewertet die langfristige Struktur der Alterssicherung für vollständige Erwerbsbiografien. Dabei wirken insbesondere der Nachhaltigkeitsfaktor, die demografische Entwicklung und die unterschiedliche Bedeutung von Betriebs- und Privatvorsorge in den einzelnen Ländern.

Die bis 2031 verlängerte Haltelinie soll verhindern, dass das Sicherungsniveau vor Steuern unter 48 Prozent fällt. Sie ist eine politische Schutzregel für die gesetzliche Rente. Sie garantiert aber nicht, dass jede einzelne Person im Alter 48 Prozent ihres früheren Einkommens oder eine bestimmte monatliche Mindestrente erhält.

Was Beschäftigte daraus ableiten können

Die OECD-Zahl ist vor allem ein Signal: Wer später weniger als das bisherige Einkommen zur Verfügung hat, muss seine Ausgaben und mögliche Vorsorge frühzeitig planen. Das gilt besonders bei längeren Phasen mit Teilzeit, Minijobs, Selbstständigkeit ohne Pflichtbeiträge, Erwerbsminderung oder Zeiten mit niedrigen Verdiensten.

Ein Blick in die jährliche Renteninformation der Deutschen Rentenversicherung kann helfen, die voraussichtliche gesetzliche Rente realistisch einzuordnen. Dort stehen die bisher erworbenen Ansprüche und – unter bestimmten Annahmen – eine Hochrechnung. Diese Werte sollten Sie nicht mit dem heutigen Nettoeinkommen vergleichen, ohne Steuern, Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge sowie die Inflation mitzudenken.

Wer eine betriebliche Altersversorgung hat, sollte zudem prüfen, welche Leistungen tatsächlich zugesagt sind und ob sie dauerhaft fortgeführt werden. Anders als etwa in den Niederlanden ist die Betriebsrente in Deutschland nicht für alle Beschäftigten zwingend Teil der Altersvorsorge. Deshalb kann sie die persönliche Rentenlücke verringern, ist aber kein flächendeckender Ersatz für eine hohe gesetzliche Rente.

Häufige Fragen zur Renten-Rangliste

Bedeutet Platz eins, dass Rentner in den Niederlanden am meisten Geld haben?

Nein. Die Rangliste misst den Anteil des früheren Nettoeinkommens, den die Rente ersetzt. Sie vergleicht nicht die absolute Auszahlung in Euro und berücksichtigt die unterschiedlichen Lebenshaltungskosten nur mittelbar. Eine hohe Ersatzquote sagt daher nicht allein, wie komfortabel jemand im jeweiligen Land leben kann.

Warum schneidet Deutschland mit 53,3 Prozent unter dem OECD-Durchschnitt ab?

Die OECD verweist für Deutschland unter anderem auf die langfristige Wirkung des Nachhaltigkeitsfaktors. Dieser soll die Finanzierung der gesetzlichen Rente angesichts der demografischen Entwicklung stabilisieren, dämpft aber im Modell die künftige Ersatzquote. Gleichzeitig ist die betriebliche Vorsorge in Deutschland weniger verpflichtend und weniger flächendeckend als in manchen Spitzenländern.

Sind private Rentenversicherungen und ETF-Sparpläne in den 53,3 Prozent enthalten?

In der zentralen OECD-Zahl geht es um verpflichtende öffentliche und private Alterssicherungssysteme. Freiwillige private Vorsorge wird gesondert betrachtet und ist nicht automatisch Teil der Netto-Ersatzquote von 53,3 Prozent. Wer zusätzlich vorsorgt, kann seine persönliche Altersversorgung deshalb deutlich über diesen Modellwert hinaus erhöhen.

Bekommen heutige Rentner in Deutschland nur 53,3 Prozent ihres früheren Einkommens?

Nein. Die 53,3 Prozent sind eine OECD-Modellrechnung für einen Durchschnittsverdiener mit voller Erwerbslaufbahn. Die tatsächliche individuelle Rente kann höher oder niedriger ausfallen. Für Bestandsrenten gelten die jeweils beschlossenen Rentenanpassungen; zum 1. Juli 2026 stiegen die gesetzlichen Renten um 4,24 Prozent.

Rechtliche Einordnung vom Experten: Hohe Quote ist keine einfache Blaupause

Peter Kosick, Assessor juris, Experte für Rentenrecht, erklärt: “ Die Niederlande, die Türkei und Portugal erreichen im OECD-Vergleich die höchsten Netto-Ersatzquoten. Deutschland liegt mit 53,3 Prozent unter dem OECD-Mittel von 63,2 Prozent und deutlich hinter den Spitzenländern. Daraus folgt jedoch nicht, dass die deutsche gesetzliche Rente wertlos ist oder dass sich ein ausländisches System problemlos übertragen ließe.

Entscheidend sind die jeweiligen Regeln: Beitragsniveau, Steuer- und Abgabenrecht, Regelalter, Betriebsrenten, staatliche Zuschüsse und die Absicherung von Erwerbsunterbrechungen. Für Beschäftigte in Deutschland bleibt die praktische Botschaft dennoch klar: Die gesetzliche Rente ist eine tragende Säule – für die Sicherung des bisherigen Lebensstandards wird in Zukunft zusätzliche Vorsorge zunehmend mitentscheidend sein.“

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