Eingliederungshilfe unterstützt Menschen mit Behinderungen dabei, ihren Alltag selbstbestimmt zu gestalten und am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Sie kann beispielsweise Assistenz beim Wohnen, Schulbegleitung oder Unterstützung bei der Beschäftigung finanzieren. Entscheidend sind die persönlichen Einschränkungen und der konkrete Unterstützungsbedarf – nicht allein eine Diagnose. Welche Leistungen infrage kommen und ob ein Eigenbeitrag anfällt, wird individuell geprüft.
Was ist Eingliederungshilfe?
Eingliederungshilfe ist eine steuerfinanzierte Unterstützung für Menschen mit Behinderungen. Ihr Ziel ist Teilhabe: Menschen sollen möglichst selbstbestimmt wohnen, lernen, arbeiten und soziale Beziehungen pflegen können. Seit dem 1. Januar 2020 ist das Eingliederungshilferecht im zweiten Teil des Neunten Sozialgesetzbuchs, kurz SGB IX, geregelt.
Es geht damit nicht nur um Hilfe in Einrichtungen. Auch Unterstützung in der eigenen Wohnung oder bei Freizeitaktivitäten gehört dazu. Welche Hilfe bewilligt wird, richtet sich nach dem individuellen Bedarf.
Wer kann Eingliederungshilfe erhalten?
Anspruch haben grundsätzlich Menschen, deren Behinderung sie wesentlich an der gleichberechtigten gesellschaftlichen Teilhabe hindert, sowie Menschen, denen eine solche wesentliche Behinderung droht. Voraussetzung ist, dass die Unterstützung im konkreten Fall die Aufgabe der Eingliederungshilfe erfüllen kann. Das bestimmt § 99 SGB IX.
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Körperliche, geistige, seelische und Sinnesbeeinträchtigungen kommen gleichermaßen infrage. Ein Schwerbehindertenausweis allein begründet keinen Anspruch; umgekehrt verlangt die Vorschrift keinen bestimmten Grad der Behinderung. Bei anderen, nicht wesentlichen Teilhabeeinschränkungen können Leistungen im Ermessen des Trägers gewährt werden.
Für Kinder und Jugendliche mit seelischer oder drohender seelischer Behinderung gilt grundsätzlich § 35a SGB VIII. Hier ist die Kinder- und Jugendhilfe zuständig; die Anspruchsvoraussetzungen unterscheiden sich vom SGB IX.
Welche Leistungen bietet die Eingliederungshilfe?
Die Eingliederungshilfe umfasst vier Leistungsbereiche. Sie reichen von medizinischer Rehabilitation über Beschäftigung und Bildung bis zur sozialen Teilhabe. Nicht jede Leistung steht jeder Person zu: Der Träger prüft jeweils die Voraussetzungen und welche Unterstützung erforderlich ist.
| Bereich | Mögliche Unterstützung |
|---|---|
| Medizinische Rehabilitation | Rehabilitationsleistungen, soweit kein vorrangiger Träger dafür einsteht |
| Arbeitsleben | Arbeitsbereich einer Werkstatt, andere Leistungsanbieter, Budget für Arbeit oder Ausbildung |
| Bildung | Schulbegleitung und behinderungsbedingte Unterstützung im Studium |
| Soziale Teilhabe | Assistenz beim Wohnen, Mobilität, Verständigung und Freizeitgestaltung |
Die Beispiele verdeutlichen den möglichen Leistungsumfang, sind aber keine pauschalen Leistungszusagen.
Besonders alltagsnah sind die Leistungen nach § 113 SGB IX. Dazu gehören unter anderem Assistenz, Hilfsmittel und Unterstützung beim Erwerb praktischer Fähigkeiten. Sie sollen ein möglichst eigenverantwortliches Leben im eigenen Wohnraum und im sozialen Umfeld ermöglichen.
Müssen Sie Einkommen oder Vermögen einsetzen?
Bei bestimmten Leistungen kann ein Eigenbeitrag erforderlich sein. Dafür gelten eigene Regeln zu Einkommen und Vermögen; eine einheitliche Einkommensgrenze für alle Antragstellenden gibt es nicht. Maßgeblich sind unter anderem die Einkommensart und die familiäre Situation. Einkommen und Vermögen einer Partnerin oder eines Partners werden nicht unmittelbar herangezogen.
Einige Leistungen sind ausdrücklich beitragsfrei. Dazu zählen medizinische Rehabilitation, bestimmte Beschäftigungsleistungen, Hilfen zur Schulbildung und heilpädagogische Leistungen. Die Ausnahmen stehen in § 138 SGB IX. Eine Studienassistenz ist dagegen nicht allein deshalb beitragsfrei, weil sie der Bildung dient.
Wie beantragen Sie die Unterstützung?
Sie beantragen Eingliederungshilfe grundsätzlich beim zuständigen Eingliederungshilfeträger. Welche Behörde zuständig ist, legen die Bundesländer fest. Nach § 108 SGB IX beginnen Leistungen frühestens am ersten Tag des Antragsmonats, wenn die Voraussetzungen bereits vorlagen. Für zusätzlich im Gesamtplanverfahren ermittelte Bedarfe ist kein gesonderter Antrag erforderlich.
Beschreiben Sie konkret, wobei Sie Unterstützung benötigen. Typische Unterlagen sind:
- ärztliche oder psychotherapeutische Berichte,
- Angaben zu Ihrer Lebenssituation und Ihren Teilhabezielen,
- gegebenenfalls Einkommens- und Vermögensnachweise.
Im Gesamtplanverfahren ermittelt der Träger gemeinsam mit Ihnen den Bedarf. Ihre Wünsche werden einbezogen; eine Vertrauensperson kann Sie begleiten. Anschließend erhalten Sie einen Bescheid über Umfang, Beginn und gegebenenfalls Eigenbeitrag.
FAQ zur Eingliederungshilfe
Können Sie Unterstützung als Geldleistung erhalten?
Ja. Mit einem Persönlichen Budget können Sie bewilligte Unterstützung selbst organisieren und bezahlen. Es ersetzt die entsprechende Sach- oder Dienstleistung, ist aber kein frei verfügbares Zusatzeinkommen.
Müssen Sie in eine besondere Wohnform ziehen?
Nein. Eingliederungshilfe kann auch Unterstützung in Ihrer eigenen Wohnung ermöglichen. Entscheidend ist, wie Ihr individueller Bedarf gedeckt werden kann.
Wer hilft unabhängig bei Fragen?
Die Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung, kurz EUTB, berät zu Teilhabeleistungen und deren Beantragung ergänzend zu Behörden und Leistungsanbietern.
Was können Sie bei einer Ablehnung tun?
Sie können gegen den Bescheid Widerspruch einlegen. Beachten Sie die darin enthaltene Rechtsbehelfsbelehrung und die angegebene Frist.
Fazit zur Eingliederungshilfe
Sozialrechtsexperte Ass. jur. Peter Kosick fasst zusammen: „Eingliederungshilfe richtet sich nach Ihren Teilhabeeinschränkungen und Ihrem Unterstützungsbedarf. Beantragen Sie benötigte Hilfe rechtzeitig und beschreiben Sie Ihre Schwierigkeiten und Ziele möglichst konkret. Lassen Sie zugleich prüfen, welche Leistungen beitragsfrei sind und welcher Träger zuständig ist.“
Quellen
- Bundesarbeitsgemeinschaft der Integrationsämter und Hauptfürsorgestellen: Eingliederungshilfe
- § 99 SGB IX – Leistungsberechtigung
- § 138 SGB IX – beitragsfreie Leistungen
- Landschaftsverband Westfalen-Lippe: Vom Antrag zur Leistung – Gesamtplanverfahren und erforderliche Unterlagen