Eine Nettorente von 1.800 Euro gilt als komfortable Zielmarke – ist aber schwer zu erreichen. Entscheidend sind die gesammelten Rentenpunkte: Wer dauerhaft unter dem Durchschnittslohn verdient, schafft das kaum, während langjährige Vollzeit mit gutem Gehalt deutlich bessere Chancen bietet. Der nachfolgende News Artikel auf Bürger & Geld zeigt anhand konkreter Beispiele, wie viele Jahre Arbeit bei verschiedenen Einkommen nötig sind, um auf etwa 50 Rentenpunkte und damit rund 1.800 Euro Nettorente zu kommen.
Ausgangspunkt: Wie viel Rente bringen Rentenpunkte?
- Seit 1. Juli 2025 beträgt der aktuelle Rentenwert 40,79 Euro pro Rentenpunkt, einheitlich in Ost und West.
- 50 Rentenpunkte ergeben damit aktuell rund 2.039 Euro Bruttorente (50 × 40,79 Euro).
- Nach Abzug von Kranken- und Pflegeversicherung (ca. 11–12 Prozent) verbleiben daraus etwa 1.800 Euro Nettorente, sofern keine oder nur geringe Steuern anfallen.
Für die Zielgröße „1.800 Euro netto“ kann man daher praxisnah mit ungefähr 50 Rentenpunkten rechnen.
Wie entstehen Rentenpunkte?
- Pro Jahr mit exakt Durchschnittsverdienst gibt es 1,0 Rentenpunkt.
- Das vorläufige Durchschnittsentgelt liegt aktuell bei rund 50.000 Euro brutto pro Jahr.
- Wer mehr verdient, sammelt bis zur Beitragsbemessungsgrenze bis zu etwa 2 Rentenpunkte pro Jahr; wer weniger verdient, erhält entsprechend weniger.
Damit lässt sich die nötige Arbeitszeit für unterschiedliche Verdienste abschätzen.
Übersicht: Jahre bis ca. 50 Rentenpunkte (vereinfacht)
Die Tabelle zeigt: Mit typischen Erwerbsbiografien im Bereich um den Durchschnittslohn sind 50 Rentenpunkte nur mit sehr langen, weitgehend unterbrechungsfreien Erwerbszeiten erreichbar.
Beispielrechnungen für unterschiedliche Verdienste
1. Durchschnittsverdienst
- Annahme: 50.000 Euro Jahresbrutto über das gesamte Erwerbsleben.
- Punkte: 1,0 pro Jahr → 50 Punkte nach 50 Arbeitsjahren.
- Ergebnis: Bruttorente ca. 2.039 Euro, netto etwa 1.800 Euro (ohne Steuer).
Das entspricht einer Erwerbsbiografie z.B. von 20 bis 70 Jahren oder von 22 bis 72 Jahren ohne längere Auszeiten.
2. 35.000 Euro Jahresbrutto (unterdurchschnittlich)
- Punkte: ca. 0,7 pro Jahr (35.000 / 50.000).
- Für 50 Punkte wären über 70 Versicherungsjahre nötig – das ist faktisch unerreichbar.
- Realistisch sind in 40 Jahren rund 28 Punkte → Bruttorente etwa 1.142 Euro, netto deutlich unter 1.000 Euro.
Eine Nettorente von 1.800 Euro ist bei dauerhaft niedrigem Einkommen allein aus der gesetzlichen Rente kaum realisierbar.
3. 60.000 Euro Jahresbrutto (leicht überdurchschnittlich)
- Punkte: etwa 1,2 pro Jahr.
- 50 Punkte werden nach rund 42 Jahren erreicht (50 / 1,2).
- Beispiel: Start mit 25, durchgehend bis 67 → knapp über 50 Punkte möglich.
Hier ist eine Nettorente von etwa 1.800 Euro erreichbar, wenn das höhere Einkommen stabil bleibt.
4. Sehr hohes Einkommen nahe Beitragsbemessungsgrenze
- Beitragsbemessungsgrenze 2026: 101.400 Euro.
- Oberhalb dieser Grenze werden keine zusätzlichen Beiträge erhoben; damit sind ungefähr 2 Rentenpunkte pro Jahr das Maximum.
- 50 Punkte wären bereits nach etwa 25 Jahren Vollzeitverdienst auf diesem Niveau erreicht.
Diese Konstellation betrifft aber nur eine kleine Gruppe mit sehr hohen Einkommen.
Warum 1.800 Euro netto so schwer zu erreichen sind
- Laut Auswertung offizieller Modellrechnungen benötigen Versicherte für eine Rente von rund 1.500 Euro nach heutigem Stand bereits mehr als 45 Jahre mit durchgehendem Durchschnittsverdienst.
- Für 1.800 Euro netto (etwa 2.000 Euro brutto) sind zusätzliche Punkte und damit längere oder besser bezahlte Erwerbsphasen nötig.
- Viele Erwerbsbiografien enthalten Brüche: Ausbildung, Studium, Teilzeit, Kindererziehung, Arbeitslosigkeit oder Minijobs drücken die Jahresverdienste und damit die Rentenpunkte.
In der Praxis erreichen 1.800 Euro Nettorente aus der gesetzlichen Rente vor allem Personen mit:
- sehr langer Vollzeitbeschäftigung,
- stabil überdurchschnittlichem Einkommen,
- wenigen oder kompensierten Erwerbsunterbrechungen.
Bedeutung von Steuern und Zusatzrenten
- Die hier verwendete Zielgröße „1.800 Euro netto“ unterstellt, dass keine Einkommensteuer anfällt; ob eine Steuerpflicht greift, hängt vom gesamten Alterseinkommen (gesetzliche Rente, Betriebsrente, private Rente, Mieten etc.) ab.
- Viele Berechnungen gehen davon aus, dass zu einer gesetzlichen Rente in dieser Höhe häufig weitere Einkünfte hinzukommen – entsprechend steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Steuern fällig werden.
- In unserem Artikel hier betonen wir daher, dass eine Wunsch‑Nettorente von 1.800 Euro meist nur mit einer Kombination aus gesetzlicher Rente und zusätzlicher privater oder betrieblicher Vorsorge nachhaltig abgesichert werden kann.
Wer eine bestimmte Nettorente anstrebt, sollte deshalb nicht nur die benötigten Rentenpunkte aus der gesetzlichen Versicherung betrachten, sondern auch ergänzende Säulen
Quellen
https://www.deutsche-rentenversicherung.de/DRV/DE/Online-Services/Online-Rechner/online_rechner.html
Eigene Offline-Recherche

