Was ist die Aktivrente überhaupt?
Mit der Aktivrente können Rentnerinnen und Rentner oberhalb der Regelaltersgrenze bis zu 2.000 Euro im Monat steuerfrei hinzuverdienen.
Das zusätzliche Einkommen erhöht weder das zu versteuernde Einkommen noch die Steuerprogression und soll so Anreize setzen, länger zu arbeiten.
Die Regel gilt seit 1. Januar 2026 und richtet sich an Menschen, die bereits im Rentenalter sind und in einem sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnis stehen.
Wer profitiert – und unter welchen Bedingungen?
Von der Aktivrente profitieren nur relativ wenige, klar definierte Gruppen.
Voraussetzungen sind typischerweise:
- Erreichen der Regelaltersgrenze (je nach Jahrgang etwa 65 bis 67 Jahre).
- Sozialversicherungspflichtige Beschäftigung oberhalb der Minijob-Grenze, etwa in Teilzeit oder Vollzeit.
- Tätigkeit als abhängig Beschäftigte/r, also klassisches Angestelltenverhältnis.
Schätzungen zufolge können etwa 200.000 bis 230.000 ältere Beschäftigte die Aktivrente tatsächlich nutzen – angesichts von Millionen Rentenbeziehenden ist das nur ein kleiner Ausschnitt.
Warum Hunderttausende Rentner ausgeschlossen sind
Der Kern des Problems: Viele arbeitende Senioren mit Rente fallen durch das Raster der Aktivrente, obwohl sie ebenfalls Steuern zahlen oder finanziell auf einen Zuverdienst angewiesen sind.
Ausgeschlossen oder faktisch benachteiligt sind vor allem:
- Frührentner
Wer eine vorgezogene Altersrente vor der Regelaltersgrenze bezieht (z. B. Rente mit Abschlägen, Rente für besonders langjährig Versicherte oder schwerbehinderte Menschen), bekommt keinen Aktivrente-Steuervorteil, solange das reguläre Rentenalter nicht erreicht ist. - Selbstständige und Freiberufler
Für Selbstständige, Freiberufler und viele Solo-Unternehmer gilt die Aktivrente nicht, obwohl sie häufig lange arbeiten und ebenfalls Steuern zahlen. - Beamte und Personen mit Versorgungsbezügen
Beamte und Beamtinnen mit Pension bleiben vom Steuerbonus ausgeschlossen, ebenso viele Personen mit Versorgungsbezügen. - Minijobber im Alter
Rund die Hälfte aller arbeitenden Rentner ist nur geringfügig beschäftigt; sie verdienen unterhalb der Minijob-Grenze und zahlen oft kaum Steuern – für sie bringt die Aktivrente praktisch keinen oder nur minimalen Vorteil. - Gesundheitlich eingeschränkte Rentner
Wer aus gesundheitlichen Gründen früher in Rente musste und keinen vollen Arbeitstag mehr schafft, erreicht häufig weder die Regelaltersgrenze noch die nötige sozialversicherungspflichtige Beschäftigung – damit bleiben diese Menschen ebenfalls außen vor.
Unterm Strich profitieren vor allem vergleichsweise gesunde, gut aufgestellte Rentner in klassischen Angestelltenjobs; sozial schwächere oder gesundheitlich eingeschränkte Gruppen gehen leer aus.
Sozialpolitische Kritik: „Steuerbonus für eine Minderheit“
Viele Experten und Verbände sprechen von einer sozialpolitischen Schieflage.
Zentrale Kritikpunkte sind:
- Die Aktivrente entlaste vor allem diejenigen, die ohnehin in der Lage sind, lange und häufig gut bezahlt weiterzuarbeiten.
- Frührentner mit Abschlägen, die oft aus finanzieller Not weiterarbeiten, erhalten keinen Steuerbonus.
- Selbstständige, Minijobber und Beamte werden systematisch ausgeschlossen, obwohl sie einen relevanten Teil der arbeitenden Senioren ausmachen.
- Der Staat verzichtet auf hohe Steuereinnahmen (Schätzungen nennen bis zu knapp 900 Millionen Euro), während viele Bedürftigere nicht profitieren.
So entsteht der Eindruck eines zweigeteilten Rentensystems: Eine kleinere Gruppe aktiver, gesunder Angestellter wird über die Aktivrente steuerlich belohnt, während Hunderttausende andere arbeitende Rentner trotz eigener Leistungen leer ausgehen.
Was betroffene Rentner jetzt beachten sollten
- Prüfen, ob die eigene Situation die Voraussetzungen der Aktivrente erfüllt (Regelaltersgrenze, sozialversicherungspflichtige Beschäftigung, keine Einstufung als Selbstständige/r oder Beamte/r).
- Bei Unklarheiten eine individuelle Steuer- und Rentenberatung nutzen, um zu klären, ob und wie sich der steuerfreie Hinzuverdienst lohnt.
- Wer ausgeschlossen ist, sollte seine finanzielle Planung ohne Aktivrente-Bonus ausrichten und ggf. andere Entlastungen (z. B. Freibeträge, Werbungskosten, Krankenversicherungsbeiträge) prüfen.
Fazit: Dese Rentner sind von der Aktivrente ausgeschlossen
Die Aktivrente verkauft sich als große Chance für arbeitende Senioren – in der Praxis profitieren aber viel weniger Rentner, als angenommen – während Hunderttausende Frührentner, Selbstständige, Minijobber und gesundheitlich eingeschränkte Menschen vom Steuerbonus ausgeschlossen sind und die Reform deshalb als ungerecht empfinden


