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Rente: Altersvorsorge für Selbständige – Freiwillig, Pflicht und Alternativen im Überblick

Eine umfangreiche Altersvorsorge für Selbständige ist zentral, um finanzielle Sicherheit im Ruhestand zu garantieren. Es gibt mehrere Rechtsstatus und zahlreiche Produktalternativen. Im folgenden Artikel auf Bürger & Geld, dem Nachrichtenmagazin des Vereins Für soziales Leben e.V., werden die Modelle freiwillige gesetzliche Versicherung, Pflichtversicherung auf Antrag, Pflichtversicherung aufgrund der Tätigkeit, Versorgungswerk und weitere private Möglichkeiten praxisnah und detailliert erläutert.

Rente für Selbständige – Pflicht, Flexibilität und weitere Möglichkeiten

Der Weg in die Selbständigkeit kann finanziell und persönlich bereichernd sein, bringt aber auch die Verantwortung für die eigene Altersvorsorge mit sich. Anders als Angestellte müssen Selbständige ihre Absicherung aktiv auswählen und den Ruhestand und die spätere Rente eigenverantwortlich planen.

Freiwillig gesetzlich versichert

Selbständige können sich freiwillig bei der gesetzlichen Rentenversicherung versichern.

  • Dies ist ab dem 16. Lebensjahr möglich, unabhängig von der Staatsangehörigkeit oder dem Beruf.
  • Die Beitragshöhe ist frei wählbar zwischen dem Mindestbeitrag (ca. 103 Euro/Monat) und dem Höchstbeitrag (ca. 1.497 Euro/Monat, Stand 2025).
  • Freiwillige Beiträge können jährlich beliebig oft entrichtet werden, aber die Beitragswahl bestimmt später die Rentenhöhe.

Vorteile:

  • Flexibilität bei Höhe und Zeitraum der Beitragszahlung
  • Geeignet als Basisvorsorge für Selbständige ohne Pflichtversicherung

Nachteile:

  • Kein voller Leistungsumfang (z.B. Erwerbsminderungsrente fehlt meist)
  • Rückgabe der Beiträge und Abbruch nur eingeschränkt möglich

Pflichtversicherung auf Antrag

Wer nicht automatisch pflichtversichert ist, kann innerhalb von fünf Jahren nach Beginn der Selbstständigkeit einen Antrag auf Pflichtversicherung stellen.

  • Dies betrifft z. B. Gewerbetreibende, viele Freiberufler oder Land- und Forstwirte.
  • Die Pflichtversicherung ist unwiderruflich; Beiträge müssen laufend gezahlt werden.
  • Die Beiträge sind nicht mehr frei wählbar, sondern richten sich wie bei Angestellten nach Regel- und Einkommensbeiträgen.
  • Nur die Pflichtversicherung bietet das volle Leistungspaket der gesetzlichen Rentenversicherung inklusive Erwerbsminderung und Reha.

Aufgrund der Tätigkeit pflichtversichert

Bestimmte Selbständige sind von Gesetzes wegen pflichtversichert.

  • Dazu zählen beispielsweise Handwerker mit Eintrag in der Handwerksrolle, Künstler und Publizisten (über die Künstlersozialkasse), Hebammen, Pflegepersonen, Seelotsen sowie arbeitnehmerähnliche Selbstständige.
  • Die Anmeldung muss direkt nach Tätigkeitsbeginn erfolgen, sonst drohen hohe Beitragsnachzahlungen.
  • Berufsständische Besonderheiten, etwa bei freiberuflichen Lehrern, können hier relevant sein.

Für diese Gruppen ist die gesetzliche Absicherung verpflichtend und bietet Zugang zu voller Alters-, Erwerbsminderungs- und Hinterbliebenenrente.

Versorgungswerk

Freie Berufe wie Ärzte, Architekten, Anwälte, Notare oder Steuerberater sind typischerweise über berufsständische Versorgungswerke abgesichert.

  • Die Versorgungswerke sind gesetzlich vorgegebene Institutionen mit Pflichtmitgliedschaft und oft besseren Leistungen als die gesetzliche Rentenversicherung.
  • Neben der Altersrente zahlen Versorgungswerke oft auch Invaliditäts- und Hinterbliebenenrenten, bieten zusätzliche Leistungen und berufliche Unterstützung.
  • Die Beitragszahlung erfolgt meist einkommensabhängig, manchmal kombiniert mit festen Beiträgen.
  • Versorgungswerke leisten ohne Wartezeiten, Gesundheitsprüfung oder Risikoaufschläge.

Weitere Möglichkeiten

Selbständige haben zusätzlich vielfältige Alternativen für die Altersvorsorge:

  • Private Rentenversicherung, Lebensversicherungen und betriebliche Altersvorsorge
  • Rürup-Rente (Basisrente) und – für bestimmte Gruppen – Riester-Rente
  • Investitionen in ETFs, Immobilien oder Fonds zum Vermögensaufbau
  • Gemischte Lösungen aus mehreren Vorsorgearten sichern Flexibilität und Renditechancen

Fazit: Selbständige sollten ihre individuelle Lebenssituation, familiäre Absicherung und berufliche Perspektiven analysieren, bevor sie ein Vorsorge-Modell auswählen. Das deutsche System bietet flexible und verbindliche Lösungen, doch nur wer frühzeitig entscheidet, profitiert im Alter von Sicherheit und Lebensqualität.

Quelle

Deutsche Rentenversicherung

Redakteure

  • ik

    Sozialrechtsexperte und Redakteur

    Ingo Kosick ist ein renommierter Experte im Bereich des Sozialrechts in Deutschland. Er engagiert sich seit über 30 Jahren in diesem Feld und hat sich als führende Autorität etabliert. Als Vorsitzender des Vereins Für soziales Leben e.V., der 2005 in Lüdinghausen gegründet wurde, setzt er sich für die Unterstützung von Menschen ein, die von Armut und Arbeitslosigkeit betroffen sind. Der Verein bietet über das Internet Informationen, Beratung und Unterstützung für sozial benachteiligte Menschen an. Ingo Kosick ist zudem ein zentraler Autor und Redakteur auf der Plattform buerger-geld.org, die sich auf Themen wie Bürgergeld, Sozialleistungen, Rente und Kindergrundsicherung spezialisiert hat. Seine Artikel bieten fundierte Analysen und rechtlich aufgearbeitete Informationen, die Menschen in schwierigen Lebenssituationen unterstützen sollen. Durch seine langjährige Erfahrung und sein Engagement hat Ingo Kosick maßgeblich dazu beigetragen, dass sozial benachteiligte Menschen in Deutschland besser informiert und unterstützt werden können.

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  • Peter Kosick
    Experte:

    Jurist und Redakteur

    Peter Kosick hat an der Universität Münster Rechtswissenschaften studiert und beide juristische Staatsexamen in Nordrhein-Westfalen mit Erfolg abgelegt. Er arbeitet als freiberuflicher Jurist, ist Autor verschiedener Publikationen und hält Vorträge im Bereich Arbeits- und Sozialrecht. Seit mehr als 30 Jahren engagiert er sich im sozialen Bereich und ist seit der Gründung des Vereins "Für soziales Leben e.V." dort Mitglied. Peter Kosick arbeitet in der Online Redaktion des Vereins und ist der CvD. Seinen Artikeln sieht man an, dass sie sich auf ein fundiertes juristisches Fachwissen gründen. Peter hat ebenfalls ein Herz für die Natur, ist gern "draußen" und setzt sich für den Schutz der Umwelt ein. Seine Arbeit im Redaktionsteam von buerger-geld.org gibt ihm das Gefühl,  etwas Gutes für das Gemeinwohl zu tun.

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