CDU-Wirtschaftsrat gegen Rente mit 63 und Mütterrente: Drohen jetzt harte Einschnitte?

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Der Wirtschaftsrat der CDU fordert in einem neuen Reformpapier harte Einschnitte bei der Rente ab 63 und der Mütterrente – politisch ist aber nur ein Teil davon kurzfristig realistisch, auch wenn Wirtschaftsweise Veronika Grimm die Stoßrichtung grundsätzlich unterstützt.

Was der CDU-Wirtschaftsrat genau vorschlägt

  • Der Wirtschaftsrat will die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren („Rente mit 63“) komplett streichen, um mehr Fachkräfte länger im Job zu halten und die Rentenkasse zu entlasten.
  • Auch die Mütterrente soll wegfallen; je nach Variante könnten betroffene Mütter zwischen rund 20 und über 120 Euro Rente im Monat verlieren, der Staat würde Milliarden einsparen.
  • Parallel fordert der Verband, das Renteneintrittsalter künftig an die Lebenserwartung zu koppeln und damit perspektivisch über 67 Jahre hinaus anzuheben.

Der Wirtschaftsrat begründet die Vorschläge mit „explodierenden“ Sozialabgaben und der Gefahr, dass Deutschland wirtschaftlich an Wettbewerbsfähigkeit verliert, wenn Sozialleistungen nicht gebremst werden.

Rente ab 63: Was geplant ist – und was derzeit gilt

  • Ziel der Agenda ist, die abschlagsfreie Rente nach 45 Versicherungsjahren zu streichen und generell den Frühruhestand unattraktiver zu machen.
  • Die Rente mit 63 ist faktisch ohnehin schon stark abgeschmolzen: Für jüngere Jahrgänge liegt die Grenze für eine abschlagsfreie Rente deutlich über 63 Jahren, etwa bei 65 oder mehr Jahren.
  • Ab 2026 steigen für viele Jahrgänge die regulären Altersgrenzen weiter; wer dennoch mit 63 geht, muss heute bereits mit dauerhaften Abschlägen von bis zu rund 14 Prozent rechnen.

Damit trifft der Wirtschaftsrat ein Instrument, das politisch populär ist, aber in der Praxis schon zunehmend durch höhere Altersgrenzen und Abschläge ausgehöhlt wird.

Mütterrente: Warum sie im Fokus steht

  • Die Mütterrente erhöht vor allem die Renten von Frauen, die vor 1992 geborene Kinder erzogen haben und deshalb weniger Beiträge zahlen konnten.
  • Je nach Umfang einer möglichen Kürzung schwanken die Einschnitte: Nur die Streichung einer geplanten Erhöhung ab 2027 würde im Schnitt gut 20 Euro im Monat kosten, die komplette Rücknahme aller Verbesserungen könnte über 80 Euro ausmachen; ein Totalausstieg sogar rund 120 Euro monatlich.
  • Laut Berechnungen würden so zwischen etwa 4,5 und 22 Milliarden Euro pro Jahr eingespart – vor allem zu Lasten von Müttern mit ohnehin niedrigen Renten.

Genau hier setzt aber massive Kritik von Sozialverbänden und der Opposition an, die den Vorschlag als unsozial und familienpolitisch kontraproduktiv bewerten.

Wie realistisch sind die Pläne politisch?

  • Der Wirtschaftsrat ist ein einflussreicher Lobbyverband, aber kein Parteigremium – seine Vorschläge entfalten Druck, sind jedoch kein offizieller CDU-Beschluss.
  • Für eine komplette Streichung von Rente ab 63 und Mütterrente gilt eine breite Koalition im Bundestag als sehr unwahrscheinlich; selbst konservative Kritiker rechnen nicht mit Mehrheiten für radikale Eingriffe bei Bestandsrentnern.
  • Wahrscheinlicher wären Zwischenlösungen: etwa Verschärfungen bei Neurentnern (strengere Voraussetzungen, mehr Abschläge) oder das Stoppen weiterer Leistungsverbesserungen bei der Mütterrente statt einer vollständigen Abschaffung.

Kurz gesagt: Die Agenda des Wirtschaftsrats markiert die maximale Forderung von Wirtschaftsseite – umgesetzt werden könnte eher eine abgespeckte Variante mit langsamem Einstieg und vielen Übergangsregeln.

Was Wirtschaftsweise Veronika Grimm dazu sagt

  • Veronika Grimm bezeichnet die Rentenpolitik seit Jahren als „tickende Zeitbombe“ und fordert, teure Sonderleistungen wie Rente ab 63 und Mütterrente kritisch zu prüfen.
  • Sie erklärte jüngst, man müsse Rente ab 63 und Mütterrente „in Frage stellen“; die Vorschläge des CDU-Wirtschaftsrats zielten aus ihrer Sicht „in die richtige Richtung“.
  • Grimm plädiert zusätzlich dafür, das Renteneintrittsalter schrittweise an die steigende Lebenserwartung zu koppeln: Von jedem gewonnenen Lebensjahr sollten zwei Drittel in längere Erwerbsarbeit, ein Drittel in mehr Ruhestand fließen.

Damit stärkt sie zwar den wirtschaftspolitischen Rückenwind für Einschnitte, weist aber auch auf die Notwendigkeit eines umfassenden, sozial ausgewogenen Reformpakets hin – nicht nur auf das Streichen einzelner Leistungen. Einzelheiten waren zuletzt u.a. im “Focus” zu lesen.

Fazit: Was das für Versicherte und Rentner jetzt bedeutet

  • Rechtlich gilt: Die Rente mit 63 wird 2026 nicht automatisch abgeschafft; bestehende Ansprüche und laufende Renten bleiben nach aktueller Gesetzeslage bestehen, nur die Bedingungen für jüngere Jahrgänge werden ohnehin schrittweise strenger.
  • Bei der Mütterrente sind konkrete Gesetzesinitiativen zur Streichung derzeit nicht beschlossen – es geht bislang um Forderungen, die im Rahmen der kommenden großen Rentendebatte eine Rolle spielen werden.
  • Wer in den nächsten Jahren in Rente gehen will, sollte Entwicklungen aufmerksam verfolgen, frühzeitig Renteninformationen einholen und Szenarien durchrechnen, etwa wie sich ein späterer Rentenbeginn oder zusätzliche private Vorsorge auswirken.

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