Mit der Reform zum 1. Juli 2026 wurde aus dem Bürgergeld das sogenannte Grundsicherungsgeld. Mit dieser Umgestaltung hat sich für Menschen im Rentenalter ein verbreitetes Missverständnis verstärkt: Das neue System ist grundsätzlich keine Aufstockung für klassische Altersrentner. Es richtet sich weiterhin an erwerbsfähige Menschen, während Rentnerinnen und Rentner mit zu geringem Einkommen in der Regel auf die Grundsicherung im Alter nach dem SGB XII angewiesen sind. Diese Leistung kann die Differenz zwischen eigener Rente und dem individuellen Bedarf aus Regelbedarf, angemessener Miete, Heizkosten und möglichen Mehrbedarfen ausgleichen. Die Deutsche Rentenversicherung empfiehlt eine Anspruchsprüfung als Faustregel insbesondere dann, wenn das gesamte monatliche Einkommen unter 1.148 Euro liegt. Über den Antrag entscheidet das örtlich zuständige Sozialamt
Der folgende Beitrag ordnet die beiden Systeme ein und zeigt, in welchen Fällen trotz Rente ein Anspruch auf zusätzliche Grundsicherung realistisch ist.
Wer das Grundsicherungsgeld erhält – und warum es meist nicht für Altersrentner gedacht ist
Mit dem Gesetz zur „neuen Grundsicherung“ wird das Bürgergeld zum 1. Juli 2026 in „Grundsicherungsgeld“ umbenannt und in Teilen neu ausgerichtet. Betroffen ist damit der Bereich der Grundsicherung für erwerbsfähige Menschen nach dem bisherigen SGB II.
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👉 Jetzt als bevorzugte Quelle bei Google News speichern (⭐️ klicken)Die Bundesregierung macht deutlich: Das Grundsicherungsgeld bleibt im Kern eine Leistung für erwerbsfähige Personen, die ihren Lebensunterhalt nicht aus eigenem Einkommen, Vermögen oder vorrangigen Leistungen (z. B. Rente, Arbeitslosengeld) decken können.
Zentral bleibt das Prinzip des „Forderns und Förderns“: Wer arbeiten kann, soll intensiver und schneller in Arbeit vermittelt werden. Gleichzeitig sichert das Grundsicherungsgeld weiterhin das Existenzminimum – mit Regelsätzen, Kosten der Unterkunft und Krankenversicherung, ähnlich wie bisher beim Bürgergeld.
Kleine Rente aufstocken: Wann die Grundsicherung im Alter hilft
Neben dem neuen Grundsicherungsgeld existiert weiterhin die „Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung“ nach dem Vierten Kapitel des Zwölften Buches Sozialgesetzbuch (SGB XII). Diese Leistung ist ausdrücklich für Menschen gedacht, die bereits im Rentenalter sind oder dauerhaft voll erwerbsgemindert und auf ergänzende Sozialleistungen angewiesen sind.
Die wichtigsten Zugangsvoraussetzungen:
- Erreichen der Regelaltersgrenze (Bezug einer Altersrente) oder
- dauerhafte volle Erwerbsminderung ab 18 Jahren und unterhalb der Regelaltersgrenze,
- gewöhnlicher Aufenthalt in Deutschland,
- Hilfebedürftigkeit: Das vorhandene Einkommen (z. B. Alters- oder Erwerbsminderungsrente) und einzusetzendes Vermögen reichen nicht aus, um den Bedarf zu decken.
Die Deutsche Rentenversicherung gibt eine praxisnahe Faustregel: Liegt das gesamte monatliche Einkommen unter etwa 1.100 Euro, sollte geprüft werden, ob ein Anspruch auf Grundsicherung im Alter bestehen könnte.
Die Leistung umfasst Regelsätze für den Lebensunterhalt, angemessene Kosten der Unterkunft und Heizung sowie Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung und bestimmte Mehrbedarfe.
Grundsicherungsgeld oder Grundsicherung im Alter: Welche Leistung für Rentner gilt
Wichtig ist die Unterscheidung zwischen zwei unterschiedlichen Systemen:
- Grundsicherungsgeld (ab 1.7.2026, ehemals Bürgergeld / SGB II-Bereich)
- Zielgruppe: Erwerbsfähige Personen im Alter von etwa 15 Jahren bis zur Regelaltersgrenze, die mindestens drei Stunden täglich arbeiten können.
- Zweck: Sicherung des Lebensunterhalts und aktive Vermittlung in Arbeit.
- Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung (SGB XII)
- Zielgruppe: Menschen im Rentenalter oder dauerhaft voll erwerbsgeminderte Personen mit zu niedrigem Einkommen (z. B. kleine Rente).
Typische Altersrentenbezieher, die die Regelaltersgrenze erreicht haben, können grundsätzlich kein Grundsicherungsgeld (SGB II-Bereich) mehr beziehen, weil sie nicht mehr zur Gruppe der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten gehören. Für sie kommt – bei Hilfebedürftigkeit – die Grundsicherung im Alter nach SGB XII in Betracht, die faktisch die Rente aufstockt.
Das bedeutet: „Grundsicherungsgeld zusätzlich zur Altersrente“ ist im Regelfall nicht das passende Instrument. Stattdessen wird geprüft, ob ein Anspruch auf Grundsicherung im Alter besteht, die ergänzend zur Rente gezahlt wird.
Rente aufstocken: Voraussetzungen, Berechnung und Antrag beim Sozialamt
Wer eine niedrige Altersrente erhält, kann unter bestimmten Voraussetzungen Grundsicherung im Alter beantragen und damit seine Rente auf ein gesetzlich gesichertes Niveau anheben lassen.
Typischer Ablauf:
- Sie beziehen eine Altersrente oder eine dauerhafte volle Erwerbsminderungsrente.
- Sie prüfen (ggf. mit Hilfe der Rentenversicherung oder des Sozialamtes), ob das Gesamteinkommen unterhalb des individuellen Bedarfs liegt.
- Sie stellen einen Antrag auf Grundsicherung im Alter bei Ihrem örtlichen Sozialamt oder der zuständigen Stelle der Kommune.
Die Höhe der Grundsicherung hängt vom individuellen Bedarf und dem anrechenbaren Einkommen ab. Berücksichtigt werden nicht nur Renten, sondern auch andere Einkünfte sowie das Einkommen eines Ehe- oder Lebenspartners. Vermögen ist bis zu bestimmten Freibeträgen (Schonvermögen) geschützt, darüber hinaus muss es grundsätzlich eingesetzt werden.
Praxisbeispiel:
Eine alleinlebende Rentnerin erhält monatlich 850 Euro Altersrente. Nach Berechnung des Sozialamts ergeben sich ein Regelsatz, Miete und Heizkosten von zusammen 1.150 Euro. Liegt kein erhebliches Vermögen vor, kann die Grundsicherung im Alter die Differenz (hier vereinfacht 300 Euro) zur Deckung des Bedarfs übernehmen.
Was die Reform seit Juli 2026 für Rentner tatsächlich verändert
Zum 1. Juli 2026 wird das Bürgergeld formell in Grundsicherungsgeld umbenannt, die Höhe der Geldleistung bleibt zunächst weitgehend auf dem bisherigen Stand.
Die wichtigsten Änderungen betreffen vor allem:
- stärkeren Vermittlungsvorrang (früherer Fokus auf Arbeitsaufnahme),
- geänderte Karenzzeiten und neue Regeln bei Mietkosten (Deckelung, z. B. 1,5-fache Angemessenheitsgrenze),
- teils strengere Sanktionen bei Pflichtverletzungen.
Für Rentnerinnen und Rentner mit kleiner Altersrente ist entscheidend: Ihre mögliche Aufstockung läuft weiterhin über die Grundsicherung im Alter (SGB XII) – nicht über das neue Grundsicherungsgeld der Jobcenter. Das eigentliche „Aufstockungs-System“ für Renten bleibt damit im Bereich der Sozialämter angesiedelt.
Diese Voraussetzungen müssen Rentner für die Aufstockung erfüllen
Ein Anspruch auf Grundsicherung im Alter neben einer Rente ist nur möglich, wenn mehrere Bedingungen erfüllt sind.
Typische Voraussetzungen:
- Erreichen der Regelaltersgrenze (Altersrente) oder dauerhafte volle Erwerbsminderung mit Rente.
- Gesamt-Einkommen (Rente plus weitere Einkünfte) reicht nicht aus, um den notwendigen Lebensunterhalt (Regelsatz plus Unterkunft und Heizung) zu decken.
- Vermögen liegt innerhalb der Freibeträge (Schonvermögen).
- Gewöhnlicher Aufenthalt in Deutschland, keine vorrangigen Ansprüche, die vorher auszuschöpfen wären.
Die Deutsche Rentenversicherung und verschiedene Ratgeber verweisen darauf, dass sich eine Prüfung besonders lohnt, wenn das monatliche Einkommen deutlich unter 1.100 Euro liegt. Antrag und Prüfung erfolgen allerdings nicht automatisch – Sie müssen die Grundsicherung im Alter aktiv beantragen.
Rente und Grundsicherung im Überblick: Zuständigkeit, Anspruch und Antrag
| Fakt | Inhalt |
|---|---|
| Start des Grundsicherungsgeldes | Bürgergeld wird zum 1. Juli 2026 in „Grundsicherungsgeld“ umbenannt, Gesetz bereits beschlossen |
| Zielgruppe Grundsicherungsgeld | Erwerbsfähige Personen bis zur Regelaltersgrenze, die ihren Lebensunterhalt nicht selbst sichern können (Jobcenter-Bereich) |
| Grundsicherung im Alter (SGB XII) | Leistung für Menschen im Rentenalter oder dauerhaft voll erwerbsgeminderte Personen mit zu niedrigem Einkommen |
| Kombination mit Rente | Eine „Aufstockung“ kleiner Renten erfolgt über Grundsicherung im Alter, nicht über Grundsicherungsgeld |
| Einkommensgrenze als Faustregel | Prüfung auf Grundsicherung im Alter empfohlen, wenn das Gesamteinkommen deutlich unter ca. 1.100 Euro liegt |
| Zuständige Stellen | Für Grundsicherungsgeld: Jobcenter; für Grundsicherung im Alter: örtliches Sozialamt/Stadt- oder Kreisverwaltung |
| Antragserfordernis | Grundsicherung im Alter wird nur auf Antrag gewährt – mit Offenlegung von Einkommen, Vermögen und Wohnsituation |
| Stand der Rechtslage | Stand: Jahr 2026; Gesetz zur neuen Grundsicherung beschlossen, SGB XII-Grundsicherung im Alter unverändert Grundlage für Rentenaufstockung |
Fazit: Bei kleiner Rente ist das Sozialamt zuständig, nicht das Jobcenter
Das neue Grundsicherungsgeld ab 1. Juli 2026 ersetzt das Bürgergeld und richtet sich weiterhin an erwerbsfähige Menschen – nicht an typische Altersrentner. Wer bereits im Rentenalter ist und mit seiner Rente nicht auskommt, bleibt auf die Grundsicherung im Alter nach dem SGB XII verwiesen, die weiterhin die zentrale Aufstockungsleistung zur Rente darstellt.
Für Betroffene bedeutet das: Sie sollten ihre Renteninformation und ihr gesamtes Einkommen prüfen und gegebenenfalls beim Sozialamt einen Antrag auf Grundsicherung im Alter stellen, wenn der Bedarf nicht gedeckt ist. Die Reform der Grundsicherung ab Juli 2026 ändert an diesem Grundprinzip nichts, sorgt aber im erwerbsfähigen Bereich für neue Regeln, die vor allem Menschen vor Erreichen der Regelaltersgrenze betreffen.