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Nullrente: Warum immer mehr Witwen plötzlich keine Witwenrente mehr erhalten

Die sogenannten Nullrenten bei der Witwenrente entstehen, wenn das eigene Einkommen der Hinterbliebenen so hoch ist, dass die Witwenrente vollständig gestrichen wird. Dieser Trend verschärft sich ab 2025 durch neue Freibetragsregelungen und striktere Anrechnung weiterer Einkünfte, betroffen sind etwa 538.000 Witwen und Witwer. Viele Menschen stehen dadurch vor einer finanziellen Herausforderung, da die Witwenrente bislang als wichtige soziale Absicherung galt. Alle Hintergründe hier auf Bürger & Geld, dem Nachrichtenmagazin des Vereins Für soziales Leben e.V.!

Was ist die Witwenrente?

Die Witwenrente ist eine Leistung der gesetzlichen Rentenversicherung für Ehepartner oder eingetragene Lebenspartner, deren Partner verstorben ist. Nach bisheriger Regelung erhalten Berechtigte 55 Prozent (große Witwenrente) oder 25 Prozent (kleine Witwenrente) der Rente des Verstorbenen. Die Witwenrente dient als Ersatz für das entfallende Einkommen des Partners und soll vor Altersarmut schützen.

Was bedeutet Nullrente?

Eine Nullrente liegt vor, wenn das eigene Einkommen des Hinterbliebenen so hoch ist, dass die Witwenrente komplett entfällt. Das geschieht auf Basis komplexer Anrechnungsregeln: Überschreitet das Netto-Gesamteinkommen den Freibetrag, wird 40 Prozent des übersteigenden Betrags von der Witwenrente abgezogen. Ist die Summe der Einkommensanrechnung genauso hoch wie die eigentliche Witwenrente, bleibt unterm Strich null Euro übrig.

Gesetzliche Änderungen und aktuelle Freibeträge

Im Juli 2025 wird der monatliche Freibetrag für die Einkommensanrechnung bundesweit auf 1.076,86 Euro (Netto) erhöht. Für waisenberechtigte Kinder steigt der Freibetrag zusätzlich um 228,22 Euro je Kind. Dennoch führen eigene Renteneinkünfte, Betriebsrenten oder Gehälter oft dazu, dass der Freibetrag überschritten und die Witwenrente gekürzt oder gestrichen wird.

Beispiele für Nullrente

Bei einer Witwenrente von 1.000 Euro erfolgt eine Einkommensanrechnung, sobald das bereinigte Nettoeinkommen über dem Freibetrag liegt. Angenommen, das eigene Einkommen beträgt 3.538,05 Euro netto, wird der übersteigende Betrag (2.500 Euro) zu 40 Prozent angerechnet, also 1.000 Euro. Das führt zur kompletten Streichung der Witwenrente (Nullrente).

Tabelle zur Nullrente bei Witwenrente – Beispiele

Hier ist eine Tabelle mit typischen Beispielsberechnungen zur Nullrente bei der Witwenrente ab Juli 2025: Sie zeigt, wie das bereinigte Nettoeinkommen über dem Freibetrag zur Kürzung beziehungsweise Streichung der Witwenrente führt.

Eigene Altersrente (brutto)Bereinigte Altersrente (netto)FreibetragÜbersteigender BetragKürzung (40%)Witwenrente vor KürzungWitwenrente nach Kürzung
1.850 €1.591 €1.076,86 €514,14 €308,47 €700 €391,53 €
2.500 €ca. 2.150 €1.076,86 €1.073,14 €429,26 €700 €270,74 €
3.000 €ca. 2.580 €1.076,86 €1.503,14 €601,26 €700 €98,74 €
3.538 €ca. 3.000 €1.076,86 €1.923,14 €769,26 €700 €0 €
  • Ist die Kürzung höher als die Witwenrente, wird diese komplett gestrichen und es entsteht eine Nullrente.

Diese Tabelle macht deutlich, dass insbesondere mit steigender eigener Rente die Witwenrente immer stärker reduziert wird und ab einer bestimmten Höhe ganz entfällt.

Wer ist besonders betroffen?

Vor allem Personen mit eigener Altersrente, Einkommen aus Arbeit oder einer Betriebsrente sind betroffen. Statistisch betrifft es mehr Männer, da sie häufig höhere eigene Renten oder Einkommen haben, aber auch immer mehr Frauen geraten wegen gestiegener Einkommen in die Nullrente. Kritisch ist die Situation auch für Hinterbliebene, die nach aktuellen Rechtsprechungen keine steuerlichen Verlustvorträge mehr geltend machen dürfen.

Wichtige Urteile und geplante Reformen

Mit neuen Urteilen des Bundessozialgerichts werden nun steuerliche Verlustvorträge nicht mehr als minderndes Einkommen anerkannt, was für viele Witwen und Witwer mit Selbstständigkeit hohe Rückforderungen bedeutet. Zusätzlich fordern manche Fachleute eine Abschaffung der Witwenrente und stattdessen ein verpflichtendes Rentensplitting, was die soziale Funktion der Witwenrente stark einschränken würde.

Auswirkungen für Betroffene

Das Wegfallen der Witwenrente bedroht die finanzielle Absicherung vieler Verwitweter und kann zu Altersarmut führen. Besonders kritisch sind die Änderungen für diejenigen, die bislang mit Einkommensanrechnung und neuen Freibeträgen gerechnet haben, oder durch Einzelregelungen zum Rentenzuschlag begünstigt waren, da diese Vergünstigungen auslaufen. Wer betroffen ist, sollte dringend die eigene Einkommenssituation überprüfen und sich beraten lassen, um Rückforderungen und finanzielle Engpässe zu vermeiden.

Tipps für Betroffene

  • Rechtzeitig die eigene Rentensituation prüfen und berechnen.
  • Möglichst alle Einkommensarten bei der Planung berücksichtigen.
  • Professionelle Beratung in Anspruch nehmen, um Ansprüche zu sichern und eventuelle Rückforderungen zu verhindern.

Die Thematik „Nullrente – Witwenrente gestrichen“ verdient erhöhte Aufmerksamkeit, denn hinter den gesetzlichen Bestimmungen stehen für viele Menschen massive soziale und wirtschaftliche Probleme.

Fazit: Nullrente lässt sich nicht immer vermeiden

Das Fazit zur Nullrente autet: Viele Hinterbliebene, deren eigenes Einkommen den neuen Freibetrag übersteigt, haben keinen Anspruch mehr auf Witwenrente. Gerade durch die Einbeziehung des Rentenzuschlags und die striktere Anrechnung aller Einkommensarten ist die finanzielle Lage für zahlreiche Betroffene deutlich schwierig.

Redakteure

  • ik

    Sozialrechtsexperte und Redakteur

    Ingo Kosick ist ein renommierter Experte im Bereich des Sozialrechts in Deutschland. Er engagiert sich seit über 30 Jahren in diesem Feld und hat sich als führende Autorität etabliert. Als Vorsitzender des Vereins Für soziales Leben e.V., der 2005 in Lüdinghausen gegründet wurde, setzt er sich für die Unterstützung von Menschen ein, die von Armut und Arbeitslosigkeit betroffen sind. Der Verein bietet über das Internet Informationen, Beratung und Unterstützung für sozial benachteiligte Menschen an. Ingo Kosick ist zudem ein zentraler Autor und Redakteur auf der Plattform buerger-geld.org, die sich auf Themen wie Bürgergeld, Sozialleistungen, Rente und Kindergrundsicherung spezialisiert hat. Seine Artikel bieten fundierte Analysen und rechtlich aufgearbeitete Informationen, die Menschen in schwierigen Lebenssituationen unterstützen sollen. Durch seine langjährige Erfahrung und sein Engagement hat Ingo Kosick maßgeblich dazu beigetragen, dass sozial benachteiligte Menschen in Deutschland besser informiert und unterstützt werden können.

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  • Peter Kosick
    Experte:

    Jurist und Redakteur

    Peter Kosick hat an der Universität Münster Rechtswissenschaften studiert und beide juristische Staatsexamen in Nordrhein-Westfalen mit Erfolg abgelegt. Er arbeitet als freiberuflicher Jurist, ist Autor verschiedener Publikationen und hält Vorträge im Bereich Arbeits- und Sozialrecht. Seit mehr als 30 Jahren engagiert er sich im sozialen Bereich und ist seit der Gründung des Vereins "Für soziales Leben e.V." dort Mitglied. Peter Kosick arbeitet in der Online Redaktion des Vereins und ist der CvD. Seinen Artikeln sieht man an, dass sie sich auf ein fundiertes juristisches Fachwissen gründen. Peter hat ebenfalls ein Herz für die Natur, ist gern "draußen" und setzt sich für den Schutz der Umwelt ein. Seine Arbeit im Redaktionsteam von buerger-geld.org gibt ihm das Gefühl,  etwas Gutes für das Gemeinwohl zu tun.

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