Rente in Dänemark: Was Deutschland lernen kann – auch die Rente erst mit 70 Jahren?

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Dänemark sichert das Alter anders ab als Deutschland: Eine staatliche Volksrente wird durch Zusatzrenten und betriebliche Vorsorge ergänzt. Das kann besonders Menschen mit niedrigen Erwerbseinkommen helfen. Allerdings hängt die staatliche Leistung von Wohnzeiten, Familienstand und weiteren Einkünften ab. Außerdem gilt für die Jahrgänge ab 1971 bereits eine Altersgrenze von 70 Jahren – ein wesentlicher Unterschied zur deutschen Regelaltersrente.

Wie funktioniert die Rente in Dänemark?

Das dänische System verbindet die staatliche „Folkepension“, die gesetzliche Zusatzrente ATP und arbeitsplatzbezogene Renten. Hinzu kommt freiwillige private Vorsorge. Die Volksrente knüpft wesentlich an Wohnzeiten an. Die deutsche gesetzliche Rente richtet sich dagegen vor allem nach versichertem Einkommen und Versicherungszeiten.

Die Volksrente wird aus Steuern finanziert. Bei ATP zahlen Beschäftigte grundsätzlich ein Drittel und Arbeitgeber zwei Drittel der Beiträge. Arbeitsplatzbezogene Renten beruhen häufig auf Tarifverträgen; sie sind für die davon erfassten Beschäftigten verpflichtend.

Wie hoch ist die dänische Volksrente 2026?

Alleinstehende können 2026 monatlich bis zu 16.273 dänische Kronen aus Grundbetrag und regulärem Rentenzuschlag erhalten. Für Verheiratete oder zusammenlebende Personen sind es bis zu 12.011 Kronen je Person. Das sind Bruttobeträge bei vollständigem Anspruch und ungekürztem Zuschlag, keine garantierten Auszahlungen für sämtliche Rentner.

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Monatliche Leistung 2026, vor SteuernAlleinstehendVerheiratet/zusammenlebend, je Person
Grundbetrag7.544 DKK7.544 DKK
Maximaler Rentenzuschlag8.729 DKK4.467 DKK
Zusammen16.273 DKK12.011 DKK

Quelle: dänisches Behördenportal.

Betriebsrenten, private Renten und bestimmte Kapitalerträge können den Zuschlag mindern. Erwerbseinkommen kürzt dagegen weder Grundbetrag noch regulären Rentenzuschlag. Zusätzliche Hilfen, etwa für Heizkosten, unterliegen eigenen Voraussetzungen.

Ein Vergleich mit einer deutschen Bruttorente allein sagt deshalb wenig über den verfügbaren Lebensunterhalt aus. Dafür müssten auch Zusatzrenten, Steuern und die jeweiligen Haushaltsverhältnisse berücksichtigt werden.

Wer bekommt die volle Volksrente?

Die volle Volksrente setzt nach der für neue Rentenzugänge maßgeblichen Regel grundsätzlich dänische Wohnzeiten während mindestens neun Zehnteln des Zeitraums zwischen dem 15. Geburtstag und der Rentenaltersgrenze voraus. Bei kürzeren anrechenbaren Wohnzeiten fällt die Leistung anteilig niedriger aus.

Damit ist die Folkepension keine voraussetzungslose Zahlung an jeden Menschen im Rentenalter. Neben dem Alter gelten Anforderungen an Wohnsitz und Staatsangehörigkeit beziehungsweise gesetzliche Ausnahmen. Deutsche können über die europäischen Koordinierungsregeln anspruchsberechtigt sein; ein Umzug kurz vor dem Ruhestand begründet aber keine volle Volksrente.

Ab welchem Alter beginnt die Rente?

Die dänische Volksrente beginnt je nach Geburtsjahrgang mit 67 bis 70 Jahren. Für 1963 bis 1966 Geborene gilt die Altersgrenze 68, für die Jahrgänge 1967 bis 1970 die Grenze 69. Ab Jahrgang 1971 beträgt sie 70 Jahre. Diese Staffelung ist geltende Regelung, keine bloße politische Forderung.

In Deutschland liegt die Regelaltersgrenze für Versicherte ab Jahrgang 1964 bei 67 Jahren. Frühere Altersrenten sind unter besonderen Voraussetzungen möglich. Die dänische Folkepension selbst lässt sich nicht vorzeitig beziehen; dort bestehen gesonderte Früh- und Vorruhestandsleistungen mit eigenen Zugangsvoraussetzungen.

Ist Dänemark ein Vorbild für Deutschland?

Als Vorbild kommen vor allem einzelne Bausteine infrage: eine wohnzeitbezogene Basissicherung und verbindliche betriebliche Vorsorge für die jeweils erfassten Beschäftigten. Die Folkepension hängt weniger unmittelbar vom früheren Verdienst ab. Betriebsrenten sollen zusätzlich den Einkommensverlust beim Ausscheiden aus dem Arbeitsleben begrenzen.

Eine Übernahme wäre eine politische Systementscheidung. Deutschland müsste festlegen, wie eine steuerfinanzierte Basisleistung mit bestehenden Rentenansprüchen zusammenpasst. Auch Dänemarks Einschränkungen gehören zur Bewertung: Zuschläge werden auf anderes Einkommen abgestimmt, kurze Wohnzeiten führen zu Teilansprüchen, und jüngere Jahrgänge erreichen die Volksrente später.

FAQ zum Vergleich Rente in Dänemark und Deutschland

Können Deutsche eine dänische Volksrente erhalten?

Ja, unter den einschlägigen Voraussetzungen. EU-Regeln können den Zugang ermöglichen; über den konkreten Anspruch entscheidet der zuständige dänische Träger.

Wird die Volksrente automatisch ausgezahlt?

Grundsätzlich müssen Berechtigte sie beantragen. Der Antrag ist frühestens sechs Monate vor Erreichen der maßgeblichen Altersgrenze möglich.

Gehen ATP-Ansprüche bei einem Wegzug verloren?

Nein. Erworbene ATP-Ansprüche können auch bei einem Wohnsitz außerhalb Dänemarks ausgezahlt werden, sobald die maßgebliche Altersgrenze erreicht ist.

Haben Selbstständige automatisch eine Betriebsrente?

Nein. Selbstständige haben keine arbeitsplatzbezogene Rente wie Beschäftigte und müssen entsprechende zusätzliche Vorsorge selbst organisieren.

Fazit zum Rentenvergleich Dänemark – Deutschland

Ass. jurl Peter Kosick, Experte für Rentenrecht, erklärt zum Abschluss: „Dänemark bietet Anregungen für eine breitere Alterssicherung. Wer das Modell bewerten will, muss jedoch die gesamte Absicherung betrachten: Volksrente, Zusatzvorsorge, Einkommensanrechnung und Rentenalter. Einzelne Höchstbeträge reichen als Argument für eine Übernahme nicht aus.“

Quellen

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