Rente und Kaufkraft: Wo Rentner besonders günstig leben

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Eine hohe Rente garantiert nicht automatisch einen entspannten Ruhestand. Entscheidend ist auch, wie viel davon nach Miete, Einkäufen, Energie und Dienstleistungen vor Ort tatsächlich übrig bleibt. Eine bundesweite Auswertung zur regionalen Rentenkaufkraft zeigt: Besonders in Teilen Ostdeutschlands ist die gesetzliche Rente – gemessen am örtlichen Preisniveau – mehr wert als in vielen teuren Regionen des Südens und Westens.

Nicht die Rentenhöhe allein entscheidet

Für viele Rentnerinnen und Rentner fühlt sich die eigene Rente auf dem Konto zunächst gleich an – unabhängig davon, ob sie in Thüringen, Bayern oder Nordrhein-Westfalen leben. Im Alltag entstehen jedoch große Unterschiede. Wer hohe Mieten zahlt, für Dienstleistungen mehr ausgeben muss oder in einer besonders teuren Region wohnt, kann sich von derselben Rente deutlich weniger leisten.

Die untersuchte regionale Rentenkaufkraft setzt deshalb die durchschnittlichen Zahlbeträge der gesetzlichen Rente ins Verhältnis zu regionalen Lebenshaltungskosten und Mieten. Grundlage waren Daten aus rund 400 Landkreisen und kreisfreien Städten für die Jahre 2013 bis 2021. Damit handelt es sich nicht um ein aktuelles Ranking aller heutigen Rentnerhaushalte, sondern um eine Vergleichsstudie zur Frage, wo gesetzliche Renten regional besonders viel oder wenig wert sind.

Für die Einordnung ist auch die allgemeine Preisentwicklung wichtig: Nach Angaben des Statistischen Bundesamts lag die Inflationsrate im Juli 2026 bei 2,8 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Steigende Preise können den finanziellen Spielraum im Ruhestand daher erneut schmälern – besonders, wenn ein großer Teil des Budgets für Wohnen und Energie benötigt wird.

Ostdeutschland schneidet bei der Rentenkaufkraft oft besser ab

Die Kernaussage der Prognos/GDV-Auswertung lautet: In Ostdeutschland trafen vergleichsweise hohe gesetzliche Renten häufig auf niedrigere Lebenshaltungskosten. Dadurch war die Kaufkraft der gesetzlichen Rente im Durchschnitt vielerorts höher als in westdeutschen Regionen.

Besonders deutlich wurde dies auf Ebene einzelner Städte und Landkreise. Gera in Thüringen erreichte mit einer preisbereinigten monatlichen Rentenkaufkraft von rund 1.437 Euro den Spitzenwert. Auch Chemnitz mit etwa 1.428 Euro und Cottbus mit rund 1.425 Euro lagen weit vorn.

Das bedeutet nicht, dass jede Person in diesen Städten tatsächlich genau diesen Betrag zur freien Verfügung hat. Die Werte beschreiben einen rechnerischen Vergleich: Sie zeigen, welchen Gegenwert der durchschnittliche regionale Rentenzahlbetrag unter Berücksichtigung des örtlichen Preisniveaus hatte. Wer dort zur Miete wohnt, hohe Pflegekosten trägt oder eine sehr niedrige individuelle Rente bezieht, kann trotzdem finanziell stark belastet sein.

Teure Wohnorte drücken den Wert der Rente

Am unteren Ende der Auswertung lag der Eifelkreis Bitburg-Prüm in Rheinland-Pfalz. Dort betrug die preisbereinigte monatliche Rentenkaufkraft nur 856 Euro. Ebenfalls schwach schnitten unter anderem Garmisch-Partenkirchen, Berchtesgadener Land, Regensburg und Freiburg ab.

Der Befund zeigt ein wichtiges Spannungsverhältnis: In wirtschaftsstarken Regionen können die gesetzlichen Renten im Durchschnitt zwar höher sein. Wenn Mieten und sonstige Kosten aber überdurchschnittlich hoch ausfallen, bleibt vom Rentenzahlbetrag real weniger übrig. Gerade für ältere Menschen, die nach einem Umzug erneut eine Wohnung anmieten müssten, kann dieser Unterschied besonders relevant werden.

Beispiel: Zwei Rentner erhalten jeweils 1.400 Euro gesetzliche Rente. Lebt eine Person in einer Region mit günstiger Miete und niedrigeren Preisen, reicht derselbe Betrag oft weiter. Muss die andere Person einen erheblich größeren Anteil für Wohnkosten aufbringen, sinkt ihr finanzieller Spielraum – obwohl der Rentenbescheid denselben Betrag ausweist.

Bundesländer sind nur ein grober Maßstab

Auf die Frage, in welchem Bundesland Rentner am preiswertesten leben, lautet die sachlich korrekte Antwort daher: Pauschal lässt sich das nicht für alle Rentnerinnen und Rentner bestimmen. Die stärksten Unterschiede zeigen sich nicht nur zwischen Bundesländern, sondern auch innerhalb eines Landes zwischen Großstadt, Speckgürtel und ländlichem Raum.

Als grobe Tendenz lagen viele Regionen in Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern bei der Kaufkraft der gesetzlichen Rente günstig. Besonders vorteilhaft waren in der älteren Auswertung einzelne Städte und Landkreise in Thüringen, Sachsen und Brandenburg.

Für einen konkreten Wohnortwechsel reicht ein solches Ranking jedoch nicht aus. Medizinische Versorgung, Nähe zu Familie, Pflegeangebote, Mobilität, Barrierefreiheit, individuelle Miete sowie sonstige Einkommen und Vermögen können wichtiger sein als ein durchschnittlicher regionaler Kaufkraftwert.

Was die Studie nicht berücksichtigt

Die Deutsche Rentenversicherung weist ausdrücklich auf Grenzen der Studie hin. Erfasst wurden ausschließlich Zahlbeträge aus der gesetzlichen Rentenversicherung. Betriebsrenten, private Altersvorsorge, Beamtenpensionen, Mieteinnahmen, Erbschaften und die finanzielle Entlastung durch selbst genutztes Wohneigentum blieben außen vor.

Das ist besonders relevant, weil sich die Zusammensetzung der Alterseinkünfte regional deutlich unterscheiden kann. Laut Deutscher Rentenversicherung machten gesetzliche Renten in den neuen Ländern 94 Prozent des Leistungsvolumens aller Alterssicherungssysteme aus; in den alten Ländern waren es 68 Prozent. Dort spielten Beamtenversorgung und betriebliche Altersversorgung eine deutlich größere Rolle.

Auch regionale Kosten werden nicht ausschließlich durch die Miete bestimmt. Preise für haushaltsnahe Dienste, Pflege, Mobilität oder Freizeitangebote können voneinander abweichen. Das Statistische Bundesamt betont zudem, dass regionale Preisniveauunterschiede in Deutschland amtlich nur in unregelmäßigen Abständen gemessen werden.

Was Rentner jetzt prüfen sollten

Wer wissen möchte, ob die eigene Rente am Wohnort ausreicht, sollte nicht nur auf den Zahlbetrag schauen. Hilfreich ist eine persönliche Rechnung mit den tatsächlichen Fixkosten: Nettokaltmiete, Nebenkosten, Energie, Kranken- und Pflegekosten, Mobilität, Versicherungen und regelmäßige Ausgaben für Lebensmittel oder Unterstützung im Alltag.

Reicht das Einkommen nicht aus, kann unter den gesetzlichen Voraussetzungen ein Anspruch auf Grundsicherung im Alter bestehen. Maßgeblich ist § 41 SGB XII. Die Leistung sichert den notwendigen Lebensunterhalt, sofern eigenes Einkommen und verwertbares Vermögen nicht ausreichen. Wohn- und Heizkosten können dabei in angemessener Höhe berücksichtigt werden.

Auch Wohngeld kann je nach Haushaltskonstellation in Betracht kommen. Ein Anspruch auf Grundsicherung und Wohngeld besteht allerdings grundsätzlich nicht nebeneinander. Vor einem Umzug oder einer Antragstellung lohnt sich deshalb eine individuelle Beratung bei der Deutschen Rentenversicherung, der Wohngeldbehörde oder dem zuständigen Sozialamt.

Häufige Fragen zur Rentenkaufkraft – FAQ

In welchem Bundesland ist die Rente am meisten wert?

Eine pauschale Antwort nur nach Bundesland ist nicht möglich. Die Studie zeigt aber, dass viele ostdeutsche Regionen – insbesondere in Thüringen, Sachsen und Brandenburg – bei der Kaufkraft der gesetzlichen Rente günstig abschnitten. Entscheidend bleibt der konkrete Wohnort.

Haben Rentner im Osten automatisch mehr Geld?

Nein. Die Studie besagt nicht, dass alle Rentnerinnen und Rentner im Osten höhere Einkünfte haben. Sie zeigt, dass die durchschnittliche gesetzliche Rente dort in vielen Regionen wegen niedrigerer Lebenshaltungskosten eine höhere Kaufkraft haben kann. Zusätzliche Einkommen wurden nicht einbezogen.

Warum ist eine höhere Rente nicht immer besser?

Eine höhere Rente kann durch hohe Mieten, teure Dienstleistungen und ein überdurchschnittliches Preisniveau teilweise aufgezehrt werden. Für den tatsächlichen Lebensstandard zählt daher das verfügbare Einkommen nach den unvermeidbaren Ausgaben.

Kann ein Umzug die finanzielle Lage im Ruhestand verbessern?

Das kann möglich sein, wenn die Wohnkosten dauerhaft deutlich sinken. Ein Umzug sollte aber nicht allein anhand eines Rankings erfolgen. Medizinische Versorgung, soziale Kontakte, Pflegeinfrastruktur, Verkehrsanbindung und die Kosten eines neuen Mietvertrags sind ebenfalls entscheidend.

Fazit zur Kaufkraft der Rente in Deutschlands Regionen

Bei der Kaufkraft der gesetzlichen Rente lagen viele ostdeutsche Regionen in der untersuchten Auswertung vorn – besonders Gera in Thüringen. Die entscheidende Frage lautet aber nicht allein, in welchem Bundesland jemand lebt, sondern welche tatsächlichen Kosten am konkreten Wohnort anfallen und welche gesamten Alterseinkünfte zur Verfügung stehen. Wer finanziell unter Druck gerät, sollte Ansprüche auf Grundsicherung im Alter oder Wohngeld frühzeitig prüfen.

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