Das Jahr 2026 bringt für Millionen Beschäftigte in Deutschland eine stille, aber folgenreiche Veränderung mit sich – die neue Sozialversicherungs-Rechengrößenverordnung. Hinter diesem bürokratisch klingenden Begriff verbirgt sich eine fatale Realität: Wer weniger verdient, wird künftig spürbar weniger Rentenansprüche aufbauen. Alle wichtigen Details zu den neuen Rentenwerten, Einkommensgrenzen und möglichen Folgen – hier bei Bürger & Geld, dem Nachrichtenmagazin des Vereins Für soziales Leben e. V.
Steigendes Durchschnittsentgelt: Was sich 2026 ändert
Das Arbeitsministerium hat die sogenannte „Rechengrößenverordnung 2026“ beschlossen. Grundlage sind aktuelle Werte zum durchschnittlichen Bruttoarbeitsentgelt aller Versicherten. Dieses Durchschnittsentgelt steigt im Jahr 2026 auf 51.944 Euro jährlich – ein Plus von über 1.300 Euro gegenüber dem Vorjahr (50.541 Euro).
Was auf den ersten Blick nach einem guten Zeichen für die Löhne aussieht, hat eine Schattenseite: Die Rentenberechnung orientiert sich an genau diesem Durchschnittseinkommen. Wer weniger verdient, erhält entsprechend weniger Entgeltpunkte – und damit später eine spürbar geringere monatliche Rente.
Wie die Rentenformel funktioniert
Die gesetzliche Rente basiert auf einem Punktesystem. Für jedes Jahr, in dem ein Arbeitnehmer exakt das Durchschnittseinkommen aller Versicherten erzielt, wird ein Rentenpunkt (1,0) gutgeschrieben. Verdient jemand nur die Hälfte, gibt es entsprechend 0,5 Punkte.
2026 bedeutet das konkret: Nur wer monatlich rund 4.329 Euro brutto verdient, kann einen vollen Rentenpunkt erzielen. Beschäftigte mit einem geringeren Einkommen kommen entsprechend langsamer voran. Wer etwa 2.500 Euro brutto im Monat verdient, erarbeitet im gleichen Zeitraum nur etwa 0,58 Punkte. Diese scheinbar kleinen Unterschiede summieren sich über Jahrzehnte zu erheblichen Einbußen im Rentenalter.
Rentenpunkte – kleine Zahlen, große Folgen
Ein Rentenpunkt ist derzeit (nach dem Stand 2025) etwa 38,65 Euro wert. Bleibt der Rentenwert stabil oder steigt nur moderat, kann eine jährliche Differenz von wenigen Zehntelpunkten später mehrere hundert Euro im Monat ausmachen. Für Beschäftigte mit mittlerem oder niedrigem Einkommen wird es damit immer schwieriger, ein auskömmliches Alterseinkommen allein aus der gesetzlichen Rente zu sichern.
Diese Tendenz betrifft besonders Branchen mit traditionell niedrigen Tariflöhnen, aber auch Teilzeitkräfte und Solo-Selbstständige, die freiwillig in der Rentenversicherung sind. Sie müssen künftig mehr einzahlen oder länger arbeiten, um auf das gleiche Rentenniveau zu kommen.
Regionale Unterschiede verschärfen die Entwicklung
Vor allem Ostdeutschland könnte erneut stärker betroffen sein. Zwar hat sich das Lohnniveau in vielen Regionen angenähert, doch das Durchschnittsentgelt von über 51.000 Euro pro Jahr bleibt für viele Beschäftigte unerreichbar. Dadurch entsteht ein struktureller Nachteil, der sich künftig noch deutlicher in der Rentenabrechnung zeigt.
Auch Frauen, die häufiger in Teilzeit arbeiten oder familienbedingt geringere Einkünfte erzielen, werden die Folgen spüren. Die Erhöhung der Rechengrößen wirkt somit wie eine zusätzliche Belastung für alle Beschäftigtengruppen, die nicht auf das neue Durchschnittsgehalt kommen.
Auswirkungen auf Beitragsbemessungsgrenzen
Neben dem Durchschnittsentgelt ändern sich durch die Rechengrößenverordnung auch weitere Werte, etwa die Beitragsbemessungsgrenze in der Rentenversicherung. Sie legt fest, bis zu welchem Einkommen Beiträge erhoben werden. 2026 steigt diese auf 7.750 Euro monatlich im Westen und 7.550 Euro im Osten. Einkommen oberhalb dieser Grenzen werden für die Rentenberechnung nicht mehr berücksichtigt – wer mehr verdient, zahlt also auch künftig nur bis zu dieser Grenze Rentenbeiträge.
Das bedeutet: Besserverdienende spüren die Anpassung kaum, während mittlere und niedrige Einkommen den größten Nachteil tragen.
Politik und Verbände warnen vor Rentenlücke
Sozialverbände warnen schon jetzt vor einer wachsenden Kluft zwischen Einkommen und späteren Rentenleistungen. Der Sozialverband VdK betont, dass das Durchschnittseinkommen zwar steige, die Reallöhne vieler Menschen aber wegen Inflation, hoher Lebenshaltungskosten und stagnierender Tarifentwicklungen kaum mithalten.
Auch Experten der Deutschen Rentenversicherung weisen darauf hin, dass der Anstieg des Durchschnittsentgelts keineswegs automatisch zu höheren Renten führt. Die Rentenanpassung richtet sich zwar teils nach der Lohnentwicklung, doch durch die Rentenformel werden steigende Durchschnittslöhne für Geringverdiener eher zur Belastung als zum Vorteil.
Was Beschäftigte jetzt beachten sollten
Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sollten ihre Renteninformation prüfen und mögliche Versorgungslücken frühzeitig erkennen. Wer zusätzliche Vorsorge betreibt – etwa über betriebliche Altersvorsorge, Riester-Verträge oder private Rentenversicherungen –, kann die entstehende Lücke teilweise ausgleichen.
Auch freiwillige Zusatzbeiträge bei der Deutschen Rentenversicherung können sinnvoll sein, um einzelne Rentenpunkte aufzuwerten. Besonders für Arbeitnehmer mit längeren Auszeiten oder niedrigen Einkommen kann das langfristig einen deutlichen Unterschied machen.
Fazit: Höheres Durchschnittseinkommen, sinkende Rentenpunkte
Was nach einem wirtschaftlichen Fortschritt klingt, entpuppt sich für viele Beschäftigte als Rückschritt. Das gestiegene Durchschnittsentgelt erhöht die Latte für alle, die auf ihre gesetzlichen Rentenansprüche angewiesen sind. 2026 markiert damit ein weiteres Jahr, in dem die Schere zwischen Einkommen und Rentenleistung weiter auseinandergeht.
Alle Details zu den neuen Werten der Sozialversicherungs-Rechengrößenverordnung 2026, den Auswirkungen auf Rentenanwartschaften und Berechnungsbeispiele für verschiedene Einkommensgruppen finden sich hier – auf Bürger & Geld, dem Nachrichtenmagazin des Vereins Für soziales Leben e. V.


