Was bedeutet analoges Leben?
Der Begriff bezeichnet die Möglichkeit, zentrale Lebensbereiche auch ohne Internet, Smartphone oder digitale Geräte zu nutzen. Dazu gehören Behördengänge, Bankgeschäfte, Fahrkartenkauf, Einkäufe und persönliche Beratung im Alltag. Das analoge Leben basiert auf Papierformularen, öffentlichem Nahverkehr mit Fahrkartenschalter, Schalterdiensten bei Banken oder direkter Auskunft beim Bürgeramt.
Viele Rentner und Senioren sind in einer Welt ohne digitale Services aufgewachsen. Für sie ist der analoge Zugang Teil von Selbstbestimmung und Würde im Alter der Rente. Doch auch für Menschen aller Altersgruppen bleibt ein analoges Angebot wichtig – etwa bei technischen Barrieren, sozialer Ausgrenzung oder persönlicher Präferenz.
Die Forderungen der Senioren-Union
Im August 2025 hat die Senioren-Union der CDU den offiziellen Antrag für ein gesetzlich garantiertes Recht auf analoges Leben gestellt und fordert die Bundesregierung zum Handeln auf. Im Zentrum stehen:
- Alle Bürger sollen Behörden, Banken und alltägliche Dienstleistungen weiterhin analog nutzen dürfen
- Entbürokratisierung darf nicht zur Exklusion führen
- Persönlicher Kontakt muss als Option erhalten bleiben
- Schutz vor „Digitalzwang“ im Alltag: Wer nicht digital agieren kann oder will, darf nicht benachteiligt werden
Der Vorsitzende der Senioren-Union, Helge Benda, betont: „Digitale Technik nutzen wir, doch sie steht nicht im Zentrum unseres Lebens. Das Recht auf analoge Teilhabe ist Teil der Selbstbestimmung und Würde – gerade für ältere Menschen“.
Was ändert sich durch die Digitalisierung?
Studien zeigen: Der Anteil älterer Internetnutzer steigt stetig, dennoch sind laut Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (BAGSO) rund vier Millionen Seniorinnen und Senioren nicht online aktiv und drohen gesellschaftlich abgehängt zu werden. Viele Online-Portale sind schwer verständlich, technische Geräte kompliziert, nicht jeder kann sich digitale Hilfsmittel leisten. Gleichzeitig sind Behördengänge oder Bankgeschäfte für viele auf papierlosen Service umgestellt, persönliche Beratung ist mancherorts nur noch mit Termin und Registrierung möglich.
Die Seniorenkonferenzen machen deutlich: Zugänglichkeit und Wahlfreiheit sind nötig – Digitalisierung muss inklusiv gedacht werden und darf niemanden ausschließen. Das betrifft Menschen jeden Alters, etwa bei Behinderung, Sprachbarrieren oder geringer digitaler Kompetenz
Gesellschaftliche Auswirkungen
Die Forderung nach einem Recht auf analoges Leben ist weit mehr als ein Einzelinteresse der älteren Generation. Viele Bürger – auch jüngere – wünschen sich zusätzliche analoge Optionen bei Bürgerdiensten, zur Sicherheit und Qualitätssicherung. Expertengremien und Sozialverbände wie der DGB und BAGSO setzen sich dafür ein, analoge Alternativen zu bewahren.
Das Argument der Senioren-Union: Redundanz erhöht die Zuverlässigkeit. Analoges Leben bietet eine Fallback-Option bei Systemausfällen, Datenschutzproblemen oder Cyberkriminalität. Auch die Vereinsamung durch digitale Isolation soll verhindert werden.
Politische und gesellschaftliche Forderungen
Die CDU hat die Forderung aufgenommen, die FDP fordert die Digitalisierung barrierefrei zu gestalten. Es gibt breite Unterstützung dafür, die Wahlrechte aller Bürger zu sichern und Regelungen zu erlassen, die keine Gruppe benachteiligen.
Fazit zum “Recht auf analoges Leben”
Das „Recht auf analoges Leben“ ist ein wichtiges Schlagwort der Senioren-Union – nicht nur aus Nostalgie, sondern als echter gesellschaftlicher Bedarf. Auch in einer fortschrittlich digitalen Gesellschaft muss gewährleistet sein, dass Rentner und alle Bürger weiterhin zentrale Lebensbereiche analog nutzen können. Das Ziel ist ein inklusiver Sozialstaat, in dem Teilhabe, Selbstbestimmung und Schutz vor Ausgrenzung für alle gelten. Eine lebenswerte Zukunft braucht den Dialog zwischen digitalem Fortschritt und analogen Alternativen.