So wirkt sich die Rentenerhöhung 2026 auf Arbeitnehmer von heute aus

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„Wer heute 3.500 Euro brutto verdient, wird im aktuellen System der gesetzlichen Rentenversicherung voraussichtlich auf eine Bruttorente von rund 1.600 bis 1.700 Euro kommen – sofern 45 Beitragsjahre erreicht werden.“ Das zeigt unter anderem die Deutsche Rentenversicherung in ihren aktuellen Daten und Modellrechnungen. Unsere Redaktion hat die neuesten fachlichen Informationen für 2026 ausgewertet und in konkrete Beispielrechnungen übersetzt.

Wie die Rente 2026 berechnet wird

Die gesetzliche Altersrente richtet sich im Kern nach der Rentenformel: Entgeltpunkte × Rentenartfaktor × Zugangsfaktor × aktueller Rentenwert. Rechtsgrundlage ist insbesondere § 64 SGB VI, ergänzt durch die Regelungen zum aktuellen Rentenwert in § 68 SGB VI.

Entgeltpunkte entstehen, indem das eigene Bruttojahreseinkommen durch das Durchschnittsentgelt aller Versicherten geteilt wird. Für 2026 liegt dieses vorläufige Durchschnittsentgelt bei rund 51.944 Euro, wie der aktuelle Rentenbericht und begleitende Veröffentlichungen erwarten lassen. Wer genau dieses durchschnittliche Einkommen erzielt, erhält damit rund 1,0 Rentenpunkt im Jahr, wer mehr oder weniger verdient, entsprechend mehr oder weniger.

Der aktuelle Rentenwert beträgt seit 1. Juli 2025 40,79 Euro je Rentenpunkt, der Wert gilt zunächst bis zum 30. Juni 2026. Für 1. Juli 2026 wird auf Basis des Rentenversicherungsberichts eine Erhöhung von etwa 3,7 Prozent erwartet, sodass ein Rentenpunkt dann voraussichtlich rund 42,30 Euro wert sein dürfte. Die endgültige Festlegung erfolgt wie üblich im Frühjahr per Rechtsverordnung der Bundesregierung.

Was das für typische Einkommen konkret bedeutet

Entscheidend für die individuelle Rente ist nicht nur die aktuelle Höhe des Einkommens, sondern die gesamte Erwerbsbiografie. Zur Einordnung helfen daher Modellfälle mit 45 Versicherungsjahren in Vollzeit:

  • Monatliches Brutto 2.000 Euro: Bei 2.000 Euro und einem Durchschnittsentgelt von 51.944 Euro entstehen pro Jahr rund 0,46 Rentenpunkte, auf 45 Jahre hochgerechnet etwa 20,7 Punkte. Bei einem prognostizierten Rentenwert von 42,30 Euro ergibt das eine Bruttorente von rund 875 Euro.
  • Monatliches Brutto 3.000 Euro: Hier ergeben sich rund 0,69 Rentenpunkte pro Jahr, also etwa 31,1 Punkte in 45 Jahren und damit knapp 1.315 Euro brutto Monatsrente.
  • Monatliches Brutto 3.500 Euro: In diesem Bereich liegen die Rentenpunkte bereits leicht über dem Durchschnitt; es kommen etwa 0,80 Entgeltpunkte pro Jahr zusammen, langfristig rund 36 Punkte und damit eine Bruttorente um 1.520 Euro.
  • Durchschnittsverdienst (rund 4.330 Euro brutto/Monat): Wer 45 Jahre lang immer ungefähr den Durchschnittsverdienst hatte, erreicht etwa 45 Entgeltpunkte und damit die sogenannte Standardrente. Diese liegt aktuell bei rund 1.835,55 Euro brutto (Stand 1.7.2025) und dürfte 2026 auf etwa 1.890 bis knapp 1.900 Euro ansteigen.

Diese Modellrechnungen ordnen sich in die offiziellen Zahlen zur Standardrente und zu den Durchschnittsrenten ein. Laut aktuellen Übersichten liegt die Standardrente 2025 bei gut 1.835 Euro brutto, während die reale Durchschnittsrente aller Altersrentnerinnen und Altersrentner bei etwa 1.100 Euro brutto im Monat liegt und 2026 leicht darüber erwartet wird.

Rentensteigerung 2026: Was bereits absehbar ist

Für den 1. Juli 2026 zeichnet sich eine Rentenerhöhung von rund 3,7 Prozent ab, sowohl in West- als auch in Ostdeutschland. Seit 2024 gibt es keine unterschiedlichen Rentenwerte mehr zwischen den Regionen, die Anpassung gilt daher bundesweit einheitlich.

Eine Bruttorente von 1.000 Euro würde damit auf etwa 1.037 bis 1.040 Euro steigen, eine Rente von 1.500 Euro auf etwa 1.555 bis 1.560 Euro. Der Sozialverband VdK und verschiedene Fachportale verweisen darauf, dass sich damit das Rentenniveau stabilisiert, zugleich aber die Kaufkraft durch Inflation und steigende Krankenkassenbeiträge unter Druck bleiben kann.

Für die sogenannte Eckrente – 45 Jahre Durchschnittsverdienst – wird mit einem Anstieg auf rund 1.890 Euro brutto gerechnet. Die Deutsche Rentenversicherung weist in ihren Datenblättern darauf hin, dass es sich hierbei um Modellwerte handelt, die von individuellen Faktoren wie Kindererziehungszeiten, Teilzeitphasen oder Zeiten ohne Beiträge abweichen können.

Experteneinschätzung: Lücke zwischen Anspruch und Realität

Auffällig ist die Lücke zwischen Standardrente und realer Durchschnittsrente von aktuell rund 700 bis 800 Euro im Monat. Hintergrund ist, dass viele Versicherte keine lückenlosen 45 Beitragsjahre mit durchgängig durchschnittlichem Einkommen erreichen, sondern Erwerbsunterbrechungen, Minijobs oder Niedriglohnzeiten in der Vita haben.

Fachleute aus der Rentenberatung verweisen deshalb darauf, bereits ab Mitte des Berufslebens regelmäßig die Renteninformation zu prüfen. Dort zeigt die Deutsche Rentenversicherung nicht nur die bislang erreichten Entgeltpunkte, sondern auch Prognosen zur künftigen Rente bei gleichbleibenden Beiträgen. Wer hier frühzeitig erkennt, dass die voraussichtliche Rente deutlich unter dem heutigen Nettolohn liegen wird, kann mit freiwilligen Beiträgen, zusätzlicher betrieblicher Altersversorgung oder privater Vorsorge gegensteuern.

Ein praxisnahes Beispiel zeigt, wie stark sich Beitragslücken auswirken können: Eine Person mit konstant 3.000 Euro Bruttogehalt und 45 Beitragsjahren erreicht – wie oben gerechnet – gut 31 Rentenpunkte und etwa 1.315 Euro Bruttorente. Fallen davon aber zehn Jahre wegen Teilzeit oder Erwerbslosigkeit nur mit halbem Verdienst an, sinkt die Rente schnell um 150 bis 200 Euro monatlich.

Insider-Detail: Die versteckte Bremse im System

Ein Detail, das in der Öffentlichkeit häufig untergeht, aber für die juristische Bewertung der künftigen Rentenhöhe entscheidend ist, findet sich in der Systematik des § 255a SGB VI und seiner Verweisung auf die sogenannte Haltelinie beim Rentenniveau. Über diese Haltelinie wird gewährleistet, dass das Sicherungsniveau vor Steuern nicht unter eine bestimmte Schwelle fällt, zugleich wirken aber Nachhaltigkeits- und Beitragssatzfaktoren dämpfend auf den Anstieg des Rentenwerts.

In der Praxis bedeutet das: Selbst wenn die Löhne über mehrere Jahre deutlich steigen, wird der Rentenwert nicht im gleichen Umfang mitwachsen, sobald die Belastung der Beitragszahler eine politisch definierte Grenze erreicht. Diese eingebaute „Bremse“ sorgt zwar für Beitragsstabilität, begrenzt aber langfristig das Wachstum der gesetzlichen Rente – ein Aspekt, den Fachanwälte für Sozialrecht bei Klagen rund um Rentenberechnungen und Renteninformationen regelmäßig mitdenken müssen.

Wer heute seine künftige Rente plant, sollte diese systembedingte Dämpfung einkalkulieren und nicht allein mit der Fortschreibung aktueller Steigerungsraten rechnen. Gerade mittlere Einkommen zwischen rund 2.500 und 3.500 Euro brutto im Monat sind davon betroffen, da sie einerseits spürbar Beiträge zahlen, andererseits häufig keine ausreichenden zusätzlichen Vorsorgebausteine aufbauen.

Quellen:

  • Deutsche Rentenversicherung, „Aktuelle Daten 2026“, Rentenwert und Standardrente.
  • Vorwärts, Rentenversicherungsbericht/Rentenerhöhungsprognosen 2026, u. a. Smartsteuer, Steuertipps,

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