Wer schwerbehindert ist und vorzeitig in Rente geht, muss sich nicht zwangsläufig mit lebenslangen Abschlägen abfinden – mit einer clever eingesetzten Teilrente lässt sich ein großer Teil der Altersrente retten. Wer früh stufenweise in den Ruhestand gleitet, kann den vorgezogenen Teil mit Abschlag beziehen und den restlichen Rentenanspruch bis zur abschlagsfreien Altersgrenze „abschlagsfrei parken“. Wie das im Jahr 2026 funktioniert, welche Fallstricke lauern und welche Paragrafen Betroffene kennen sollten, erklärt dieser Artikel – alle Infos finden sich hier auf Bürger & Geld, dem Nachrichtenmagazin des Vereins Für soziales Leben e. V..
Warum Teilrente bei Schwerbehinderung jetzt so wichtig ist
Schwerbehinderte Menschen können ihre Altersrente früher beziehen als nicht behinderte Versicherte, zahlen dafür aber bei einem vorgezogenen Start in der Regel Abschläge von 0,3 Prozent pro Monat. Mit steigender Lebenserwartung summieren sich diese Kürzungen über Jahrzehnte zu spürbaren Einbußen.
Genau hier setzt die Teilrente an: Sie erlaubt es, nur einen Teil der Rente vorzeitig mit Abschlägen zu nutzen, während der übrige Rentenanspruch unberührt bleibt und später ohne Abschlag in eine Vollrente übergeht. Das ist vor allem 2026 relevant, weil Jahrgänge an die Schwelle zur Altersrente für schwerbehinderte Menschen kommen, deren Abschlagsrisiko hoch ist – insbesondere, wenn gesundheitlich ein Vollzeitjob nicht mehr zu schaffen ist.
Gesetzliche Grundlage: Wer hat Anspruch?
Die Altersrente für schwerbehinderte Menschen ist in § 236a SGB VI geregelt. Anspruch haben Versicherte, die:
- vor dem 1. Januar 1964 geboren sind,
- bei Rentenbeginn als schwerbehinderter Mensch (Grad der Behinderung mindestens 50) anerkannt sind,
- und die Wartezeit von mindestens 35 Versicherungsjahren erfüllen.
Voll abschlagsfrei kann diese Altersrente – je nach Jahrgang – rund zwei Jahre vor der Regelaltersgrenze bezogen werden, bei vorgezogenem Rentenbeginn fallen Abschläge bis maximal 10,8 Prozent an. Die Teilrente selbst ist in § 42 SGB VI verankert und wird durch die Flexirentengesetze flankiert, die eine flexible Kombination aus Arbeit und Rente ermöglichen. Maßgeblich sind daneben die Regelungen zur Schwerbehinderung im SGB IX sowie die Praxis der Deutschen Rentenversicherung (DRV).
So funktioniert der Trick mit der Teilrente
Der Kern des Modells: Abschläge treffen nur den Teil der Rente, der tatsächlich vorzeitig in Anspruch genommen wird – der nicht abgerufene Rest bleibt abschlagsfrei.
Typischer Ablauf in zwei oder drei Stufen:
- Schritt 1: Antrag auf Altersrente für schwerbehinderte Menschen als Teilrente, etwa 25 oder 50 Prozent, vor der abschlagsfreien Altersgrenze. Auf diesen Teil fallen Abschläge an, bezogen auf die Monate vor der regulären Altersgrenze.
- Schritt 2: Später Erhöhung auf eine höhere Teilrente, etwa 50 oder 75 Prozent, erneut mit einem – meist niedrigeren – Abschlag, weil der Zeitraum bis zur Altersgrenze kürzer geworden ist.
- Schritt 3: Umwandlung in die Vollrente, sobald die abschlagsfreie Altersgrenze erreicht ist – auf den bis dahin nicht bezogenen Teil gibt es keinen Abschlag.
Beispiel: Bei einer Teilrente von 25 Prozent ab Februar 2026 entstehen auf diesen Teil Abschläge von 13,8 Prozent (46 Monate x 0,3 Prozent). Steigt die Teilrente ab Februar 2027 auf 50 Prozent, beträgt der Abschlag auf den nächsten 25-Prozent-Block nur noch 10,2 Prozent; der spätere Vollrentenanteil ab 2029 bleibt komplett abschlagsfrei. So schrumpft die Kürzung für die gesamte Rente deutlich gegenüber einer durchgehend vorgezogenen Vollrente.
Vorteile – und der große Haken
Die Teilrente bietet mehrere finanzielle Pluspunkte:
- Ein Teil der Rente fließt früher, was den Übergang aus gesundheitlich belastenden Jobs erleichtert.
- Der Restanspruch bleibt ohne Abschläge, sodass die Gesamtlebensrente höher ausfällt als bei einer durchgehend vorgezogenen Vollrente.
- Parallel können Betroffene weiterarbeiten und so Erwerbseinkommen, Teilrente und zusätzliche Rentenpunkte kombinieren.
Doch es gibt einen entscheidenden Haken: Wer eine vorgezogene Teilrente bezieht, kann später nicht mehr zur regulären „normalen“ Altersrente wechseln, sondern bleibt dauerhaft im Rentenweg „Altersrente für schwerbehinderte Menschen“ – mit den dort generell vorgesehenen Abschlägen auf die vorgezogenen Anteile. Das macht eine kompetente Beratung durch DRV, Sozialverbände oder spezialisierte Rentenberater zwingend, bevor der erste Antrag gestellt wird.
Schutzfrist bei Aberkennung der Schwerbehinderung
Besonders brisant ist der Fall, dass der Schwerbehindertenstatus kurz vor dem geplanten Rentenstart verloren geht. Hier greift eine wichtige Schutzregelung: Wird die Schwerbehinderung aberkannt, bleiben die rentenrechtlichen Vergünstigungen noch drei Monate lang bestehen (§ 199 SGB IX).
Wird in dieser Schutzfrist eine Altersrente für schwerbehinderte Menschen – auch als Teilrente – beantragt, kann der Anspruch trotz Aberkennung noch gesichert werden, sofern die übrigen Voraussetzungen (Alter, 35 Jahre Wartezeit) erfüllt sind. Für Betroffene kann eine Teilrente damit „in letzter Sekunde“ die Tür zur günstigeren Schwerbehinderten-Altersrente offenhalten.
Was 2026 besonders zu beachten ist
Im Jahr 2026 sind vor allem die Jahrgänge gefragt, die knapp vor ihren jeweiligen Altersgrenzen für die Schwerbehindertenrente stehen und gesundheitlich unter Druck geraten. Gleichzeitig verschärft die Rentenentwicklung mit steigenden Abschlägen bei langfristigem Vorziehen das Risiko, im hohen Alter mit einer zu niedrigen Rente dazustehen.
Die Teilrente kann hier als steuerbares Instrument dienen, um:
- schrittweise aus belastenden Tätigkeiten auszusteigen,
- Abschläge auf die Gesamtlebensrente zu begrenzen,
- und dennoch dringend benötigte Liquidität in einer Übergangsphase zu sichern.
Wichtig bleibt dabei der Blick auf Hinzuverdienstgrenzen und mögliche Auswirkungen auf andere Sozialleistungen, etwa Arbeitslosengeld oder Grundsicherung im Alter. Wer von Arbeitslosigkeit bedroht ist, muss außerdem beachten, dass die Umwandlung einer Teilrente in eine Vollrente den Anspruch auf Arbeitslosengeld sofort entfallen lassen kann.
So gehen Betroffene strategisch vor
Betroffene sollten frühzeitig ihre individuelle Rentenauskunft bei der DRV anfordern und verschiedene Szenarien durchspielen lassen – Vollrente, Teilrente in einer oder mehreren Stufen sowie ein späterer Vollzugang ohne Abschlag.
In der Praxis haben sich mehrere Schritte bewährt:
- Rechtzeitig den Schwerbehindertenstatus klären und Bescheide auf Fristen prüfen.
- Beratung bei der DRV, Sozialverbänden (z. B. SoVD, VdK) oder spezialisierten Rentenberatern nutzen.
- Berechnen lassen, wie hoch die Abschläge bei verschiedenen Teilrentenstufen wären und ab wann die Vollrente ohne Abschlag möglich ist.
- Hinzuverdienst und Steuerfolgen berücksichtigen, gerade bei weiterem Teilzeitjob.
- Alle Anträge frühzeitig stellen, um die dreimonatige Schutzfrist nach Aberkennung der Schwerbehinderung nicht zu verpassen.
Ein durchdachter Stufenplan aus Teilrente und späterer Vollrente kann so die Balance schaffen zwischen gesundheitlicher Entlastung im Hier und Jetzt und finanzieller Stabilität im Alter.
Quellen:
- Deutsche Rentenversicherung – Altersrente für schwerbehinderte Menschen (DRV, § 236a SGB VI).
- Sozialgesetzbuch VI – insbesondere § 236a (Altersrente für schwerbehinderte Menschen) und § 42 (Teilrente).
- SGB IX – Regelungen zur Schwerbehinderung und Schutzfrist (§ 199 SGB IX).

