Der Internationale Fonds für landwirtschaftliche Entwicklung (IFAD), eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen, hat im Projektzyklus 2022 bis 2024 weltweit mehr als 3,3 Milliarden Dollar für ländliche Regionen zugesagt – rund 65 Prozent der Mittel fließen nach Afrika, ein Drittel in fragile Staaten. Unsere Redaktion hat die neuen fachlichen Informationen zu den Investitionen deutscher Pensionskassen in diesen IFAD-Strukturen und vergleichbaren Impact-Fonds ausgewertet und die rechtlichen Rahmenbedingungen für 2026 analysiert.
Wie deutsche Pensionskassen ländliches Afrika finanzieren
Deutsche Pensionskassen und andere Altersvorsorgeeinrichtungen entdecken Entwicklungs- und Impact-Fonds in Afrika zunehmend als Baustein für langfristige, diversifizierte Kapitalanlagen. Über Vehikel wie IFAD-Anleihen, Spezial-AIF und Entwicklungsinvestitionsfonds fließen Mittel in Kleinbauernprojekte, ländliche Infrastruktur, Bewässerung und lokale Wertschöpfungsketten. Für die Institute verbinden sich damit drei Ziele: stabile Zins- und Kuponerträge, ein messbarer Entwicklungsbeitrag („Impact“) sowie ein Beitrag zur geopolitischen Stabilisierung von Partnerländern.
IFAD gilt wegen der Rückendeckung durch UN-Mitgliedstaaten und der bevorzugten Gläubigerstellung gegenüber vielen Empfängerländern als Schuldner mit sehr hoher Bonität; das reduziert das Emittentenrisiko für institutionelle Investoren. Parallel setzen Bundesministerien wie das BMZ mit Programmen wie dem Entwicklungsinvestitionsfonds und Komponenten wie „AfricaGrow“ auf die gezielte Mobilisierung privaten Kapitals, das in afrikanische KMU, Agrarbetriebe und Start-ups fließt. Gerade Pensionskassen, die langfristige Zahlungsströme benötigen, profitieren von diesen strukturierten Produkten mit öffentlicher Risikoabsicherung und klar definierten Impact-Kennzahlen.
Aktueller Rechtsrahmen: Spielräume und Grenzen 2026
Für deutsche Pensionskassen sind die Anlagegrenzen im Kern durch das Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG) und die Anlageverordnung (AnlV) vorgegeben, die unter anderem Vorgaben zu Streuung, Risikomanagement und zulässigen Asset-Klassen enthalten. Investitionen in Entwicklungs- und Impact-Fonds für Afrika erfolgen typischerweise über regulierte Spezial-AIF nach Kapitalanlagegesetzbuch (KAGB) oder über Anleihen mit hoher Bonität, die in den klassischen Renten- oder Alternativen-Quote abgebildet werden. Die BaFin stellt in ihren Rundschreiben klar, dass auch bei Impact-Investments der Grundsatz der Sicherheit und Rentabilität gewahrt bleiben muss und Nachhaltigkeitsziele nur ergänzendes, nicht überwiegendes Motiv sein dürfen.
Auf politischer Ebene stärkt die Bundesregierung seit 2024/2025 die Rolle privaten Kapitals mit neuen Impact-Strukturen, etwa der „Impact Facility“ im Rahmen des Zukunftsfonds, der bis 2030 bis zu 200 Millionen Euro für Fonds mit klarer sozial-ökologischer Zielsetzung mobilisiert. Zwar adressiert dieses Programm vorrangig Venture-Capital-Fonds in Europa, doch es setzt regulatorische Standards für Impact-Fonds, von denen auch Entwicklungsfonds mit Afrikaschwerpunkt profitieren. In der Entwicklungszusammenarbeit verweist das BMZ in seinen Papieren ausdrücklich darauf, dass jeder eingesetzte Steuer-Euro ein Vielfaches an privatem Kapital hebeln soll – eine Logik, die Pensionskassen als Ankerinvestoren gerade in Afrika-Fonds attraktiv macht.
Ein auf institutionelle Anleger spezialisierter Jurist formuliert es im Gespräch so: „Rechtlich sind Afrika-Impact-Fonds heute kein exotischer Sonderfall mehr, sondern bewegen sich im gleichen Korsett aus VAG, AnlV und KAGB wie andere alternative Anlagen – entscheidend ist die saubere Strukturierung und die nachweisbare Begrenzung der Risiken.“
Beispielrechnung: Wie viel Impact mit einem Prozent Depotanteil?
Wie stark ein Engagement wirken kann, zeigt eine vereinfachte Beispielrechnung, basierend auf Größenordnungen aus IFAD-Programmen und BMZ-Fonds.
Angenommen, eine mittelgroße deutsche Pensionskasse verwaltet 10 Milliarden Euro Kapitalanlage und beschließt, 1 Prozent, also 100 Millionen Euro, in einen regulierten Afrika-Impact-Fonds mit BMZ-Beteiligung und UN-Ankerinvestoren zu investieren.
- Durch den Einsatz öffentlicher Mittel als Erstverlust- oder Garantie-Tranche können je nach Struktur Hebel von 1:3 bis 1:5 erreicht werden, sodass 100 Millionen Euro privates Kapital insgesamt 300 bis 500 Millionen Euro Investitionsvolumen auslösen.
- IFAD und vergleichbare Fonds berichten, dass mit einem Betrag im niedrigen dreistelligen Millionenbereich mehrere Hunderttausend Kleinbauern erreicht, Bewässerungssysteme gebaut und ländliche Straßen modernisiert werden können.
Konservativ gerechnet könnte der genannte Fonds mit 400 Millionen Euro Gesamtvolumen über die Laufzeit Projekte für rund 300.000 bis 500.000 Menschen in ländlichen Regionen kofinanzieren, etwa durch Zugang zu Saatgut, Mikrokrediten und Marktinfrastruktur. Für die Pensionskasse entsteht parallel ein jährlicher Kuponertrag, der – abhängig von Konditionen und Währungsrisikoabsicherung – über klassischen Staatsanleihen aus dem Euroraum liegen kann, allerdings bei höherem Risiko.
Ein interner Anlageexperte einer großen Versorgungseinrichtung sagt dazu: „Für uns ist ein solches Investment nur vertretbar, wenn es in unsere ALM-Modelle passt und wir das zusätzliche Risiko über Diversifikation, Garantien und Währungshedging begrenzen können.“
Chancen für Afrika – und für deutsche Altersvorsorge
Die strategische Idee hinter diesen Konstruktionen: Afrikas ländliche Räume verfügen über enormes Produktivitätspotenzial, es fehlt aber häufig an Kapital für Bewässerung, Lagerhäuser, Straßen und digitale Plattformen für Landwirte. Indem Pensionskassen über Fonds in solche Projekte investieren, können sie langfristige Wachstumschancen nutzen, die nur schwach mit europäischen Konjunkturzyklen korrelieren.
Der AfricaGrow-Fonds des BMZ zielt beispielsweise auf junge, wachstumsstarke Unternehmen ab, die Dienstleistungen entlang der landwirtschaftlichen Wertschöpfungskette anbieten – von Logistik über Fintech-Lösungen für Kleinstkredite bis hin zu digitalen Marktplätzen. Solche Geschäftsmodelle sollen Arbeitsplätze schaffen, Einkommen stabilisieren und Landflucht verringern, was langfristig auch migrationspolitische Effekte für Europa haben kann.
Ein Investor spricht von einem „doppelten Dividendenmodell“: „Die finanzielle Dividende stabilisiert die Rentenkassen, die gesellschaftliche Dividende stabilisiert Partnerländer – wenn Governance und Projektcontrolling stimmen.”
Insider-Detail: Wie Klauseln das Risiko steuern
Ein juristisches Detail, das in öffentlichen Debatten selten erwähnt wird, aber für institutionelle Investoren entscheidend ist, sind die sogenannten „Preferred Creditor“- und „Negative Pledge“-Klauseln in vielen multilateralen Fondsstrukturen. Preferred-Creditor-Status bedeutet, dass Rückzahlungsverpflichtungen gegenüber Einrichtungen wie IFAD oder anderen multilateralen Entwicklungsbanken im Krisenfall bevorzugt bedient werden; Negative-Pledge-Klauseln verhindern, dass einzelne Gläubiger durch spätere Sicherheitenstellung besser gestellt werden.
Für Pensionskassen erhöht das die Rechtssicherheit, weil sich das Ausfallrisiko auf Länderebene besser kalkulieren lässt und Umschuldungsverfahren standardisierter ablaufen. Ergänzt wird dies durch detaillierte Covenants zu Berichts- und Impact-Pflichten, die im Zusammenspiel mit den EU-Offenlegungspflichten (etwa SFDR für Fonds) Transparenz über die tatsächlichen Entwicklungswirkungen schaffen sollen.
Ein erfahrener Fondsjurist fasst es intern so zusammen: „Ohne robuste Preferred-Creditor- und Covenant-Strukturen wären viele Pensionskassen heute regulatorisch gar nicht in der Lage, Afrika-Risiken im erforderlichen Umfang einzugehen.“
Was der Trend für 2026 bedeutet
Mehrere Signale sprechen dafür, dass der Trend 2026 eher zu einem weiteren Ausbau solcher Impact-Strukturen geht. Zum einen steigen die politischen Erwartungen, privates Kapital in größerem Umfang für die globale Entwicklungsagenda zu mobilisieren; zum anderen wächst der Druck der Versicherten, dass Altersvorsorgeeinrichtungen Nachhaltigkeitskriterien und reale gesellschaftliche Wirkung stärker berücksichtigen.
Für Pensionskassen bleibt die Herausforderung, die Gratwanderung zwischen Rendite, Sicherheit und Impact rechtssicher zu gestalten – und sich nicht in zu komplexen Konstruktionen zu verlieren. Entscheidend sind saubere Produkt-Due-Diligence, klare interne Richtlinien zur Risikobereitschaft und eine transparente Kommunikation gegenüber Aufsicht und Versicherten.
Quellen:
- Handelsblatt-Bericht zu Investitionen in ländliches Afrika
- Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), Entwicklungsinvestitionsfonds und AfricaGrow
- BMZ-Materialie „Afrika und Europa – Neue Partnerschaft für Entwicklung, Frieden“
- Bundesfinanzministerium, Zukunftsfonds und „Impact Facility“

