Wer jeden Tag mit Excel im Büro sitzt, ahnt oft nicht, dass andere für Knochenjobs im Dreck, unter Wasser oder im Kriegsschutt sechsstellige Gehälter kassieren – weil sie keiner machen will. Auf Social-Media werden immer wieder Grafiken gepostet „Gut bezahlte Jobs, die keiner machen will“ und treffen damit einen Nerv: Sie zeigen Berufe, die extrem belastend, aber eben auch extrem lukrativ sind.
Was hinter der viralen Job-Liste steckt
Es werden gleich mehrere Jobs aufgeführt, die zwischen 50.000 und 120.000 Euro Jahresgehalt versprechen – von der Entrümpelungsfachkraft bis zum Sprengstoff-Entschärfer. Auf den ersten Blick klingt das wie die perfekte Abkürzung zum Reichtum, doch die Kehrseite steht selten im Bild: harte Schichten, permanente Gefahr und ein Arbeitsalltag, den sich viele schlicht nicht zumuten wollen.
Die Liste stammt aus dem Finanz- und Karriere-Content, der derzeit massenhaft auf Instagram, TikTok und YouTube kursiert und vor allem junge Menschen mit dem Versprechen „Geld statt Studium“ abholt. Häufig werden dabei mögliche Spitzengehälter genannt, ohne zu erklären, dass sie meist nur mit jahrelanger Erfahrung, Spezialausbildungen oder Leitungsfunktionen erreichbar sind.
Dreckig, gefährlich, ekelhaft – aber gut bezahlt
Ganz oben steht der Flugzeugenteiser mit angeblich 70.000 Euro im Jahr. In der Realität verdienen Angestellte in der Flugzeugenteisung je nach Verantwortung und Standort meist deutlich weniger, erst Leitungspositionen können in Gehaltsbereiche von gut 60.000 Euro und mehr kommen.
Ähnlich sieht es bei Kanalarbeitern oder Entrümpelungsprofis aus, die in der Grafik mit 55.000 bis 60.000 Euro auftauchen. Tatsächlich locken im Tiefbau und in der Kanalreinigung überdurchschnittliche Löhne, weil der Job körperlich extrem fordernd, gesundheitlich belastend und für viele schlicht unvorstellbar ist – Abwasser, Gestank, enge Schächte.
Noch eine Stufe härter wird es bei Tatortreinigern, Kammerjägern oder Spezial-Entrümplern nach Wohnungsauflösungen. Hier gehört es zum Alltag, mit Leichengeruch, Ungeziefer, Fäkalien und massiv vermüllten Wohnungen professionell umzugehen, weshalb einige Unternehmen bereit sind, geübten Fachkräften deutlich höhere Honorare zu zahlen.
Hochspezialisierte Extrem-Jobs mit Risiko
Richtig abenteuerlich lesen sich die genannten 90.000 bis 120.000 Euro für forensische Entomologen, Taucher für Unterwasserarbeiten oder Weltkriegsmunition-Entschärfer. Forensische Insektenkundler arbeiten meist an Universitäten, Polizeiinstituten oder als Gutachter und brauchen ein Hochschulstudium plus Spezialausbildung, bevor Honorare in dieser Größenordnung überhaupt realistisch werden.
Noch unmittelbarer ist die Gefahr bei Tauchern, die an Offshore-Anlagen oder an Brückenfundamenten arbeiten, sowie bei Kampfmittelräumern, die Blindgänger aus zwei Weltkriegen entschärfen. Hier stehen den hohen Tagessätzen und Jahresgehältern extreme Unfallrisiken und eine enorme psychische Belastung gegenüber, die viele schon nach wenigen Berufsjahren aussteigen lässt.
Warum solche Jobs trotzdem Mangelware bleiben
Trotz hoher Löhne klagen viele dieser Branchen über Nachwuchsmangel. Das liegt zum einen daran, dass die Jobs oft Schichtdienst, unregelmäßige Einsätze, Wochenendarbeit und eine hohe körperliche oder seelische Abnutzung mit sich bringen.
Zum anderen konkurrieren sie mit attraktiven Alternativen im Büro oder im Homeoffice, wo sich ähnliche oder nur leicht niedrigere Einkommen mit deutlich weniger Risiko erzielen lassen – etwa in der IT, im Consulting oder in gut bezahlten technischen Fachberufen. Hinzu kommt: Viele der Social-Media-Gehälter beziehen sich auf Top-Verdiener, nicht auf Einsteiger, und verschweigen, dass Qualifikation und Verantwortung oft jahrelangen Einsatz erfordern.
Wie man seriös prüft, ob sich ein „Hass-Job“ lohnt
Wer sich von solchen Listen angesprochen fühlt, sollte die versprochenen Summen nicht einfach glauben, sondern systematisch checken.
- Offizielle Gehaltsportale und Tarifverträge prüfen: Wie hoch sind Einstiegsgehälter, Medianwerte und Spannen wirklich.
- Ausbildungs- und Studienwege klären: Reicht ein kurzer Lehrgang oder braucht es Ausbildung, Meister, Studium oder spezielle Tauch- beziehungsweise Sprengschein-Lizenzen.
- Gesundheit und Psyche bedenken: Ekel, Gefahr und permanente Alarmbereitschaft lassen sich nicht wegbezahlen; wer dafür nicht gemacht ist, brennt schnell aus.
Gerade weil solche Berufe selten sind, lohnt sich zudem der Blick in regionale Stellenbörsen – dort zeigt sich schnell, ob ein angebliches 100.000-Euro-Profil überhaupt gesucht wird oder bloß als Clickbait taugt. Wer dann immer noch Lust auf Enteisung, Kanaldeckel oder Kampfmittel hat, kann im Gespräch mit Betrieben realistische Konditionen aushandeln – weit weg von den Instagram-Versprechungen, aber oft deutlich besser als der Durchschnittslohn.


