Armutsfalle Alleinerziehend: Was der neue Familienbericht nahelegt – finanzielle Hilfen

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Alleinerziehende gehören seit Jahren zu den Gruppen mit dem höchsten Armutsrisiko in Deutschland. Der Zehnte Familienbericht der Bundesregierung zeigt nun erneut, wie stark allein und getrennt erziehende Eltern finanziell unter Druck stehen – obwohl die meisten von ihnen erwerbstätig sind. Laut Bericht liegt das Einkommen vieler Alleinerziehender deutlich unter dem von Paarfamilien, und insbesondere allein erziehende Mütter ohne Berufsabschluss sind überdurchschnittlich oft von Armut betroffen. Die unabhängige Sachverständigenkommission fordert daher spürbare Verbesserungen bei staatlichen Leistungen, etwa beim Unterhaltsvorschuss und in Steuer- und Sozialrecht. Offizielle Informationen zum Bericht stellt das Bundesfamilienministerium bereit, das die Handlungsempfehlungen politisch aufgreifen will. (BT-DS 20/14510). Die Bundesregierung hat diesen nun dem Deutschen Bundestag vorgelegt und ihn diesbezüglich unterrichtet.

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Warum Alleinerziehende trotz Arbeit oft weniger Geld haben

Alleinerziehende sollen mehr staatliche Hilfen in finanzieller Hinsicht erhalten. Das empfiehlt der Familienbericht der Bundesregierung, der dem Bundestag Anfang 2025 vorgelegt wurde.

Die überwiegende Anzahl aller Alleinerziehenden ist erwerbstätig. Das geht aus dem Familienbericht hervor. Aber auch, dass ihr Äquivalenzeinkommen klar unter dem von Paarfamilien mit Kindern liegt.

So wurde festgestellt, dass im Jahr 2021  72 Prozent der alleinerziehenden Mütter und 79 Prozent der alleinerziehenden Väter mit minderjährigen Kindern erwerbstätig. In Paarfamilien waren es hingegen lediglich 66 Prozent beziehungsweise 90 Prozent.

Alleinerziehende haben laut der Statistik aber durchschnittlich betrachtet sehr weniger Geld in der Haushaltskasse als Eltern in Paarfamilien. Beispiel: im Jahr 2021 hatten gut 33 Prozent der Alleinerziehenden ein jährliches Nettoäquivalenzeinkommen von unter 16.300 Euro. Bei Paarfamilien sah es anderes aus. Hier lagen nur  19,4 Prozent bei dieser Einkommenshöhe.

Alleinerziehende Mütter tragen das höchste Armutsrisiko

Eine Expertenkommission hat den Familienbericht erstellt. Sie schreibt: „Besonders gefährdet in Armut zu leben, sind alleinerziehende Frauen, die weder über einen Hochschul- noch über einen Berufsabschluss verfügen. Das Armutsrisiko ist zudem signifikant erhöht, wenn das jüngste Kind im Haushalt unter drei Jahre alt ist. Allein- und getrennt erziehende Eltern sind nicht nur beim Einkommen, sondern auch beim Vermögen benachteiligt. Dies betrifft insbesondere Frauen nach einer Trennung aus nichtehelichen Lebensgemeinschaften.“

Welche zusätzlichen Hilfen die Expertinnen und Experten fordern

Die Experten empfehlen, dass staatliche Hilfssystem weiter auszubauen, damit Alleinerziehende und ihre Kinder besser unterstützen werden können.  So sollten umgangs- und betreuungsbedingter Mehrbelastungen im Sozial- und Steuerrecht stärker berücksichtigt werden und es sollte und eine stärkere steuerliche Entlastung von Alleinerziehenden geben.

Im Bereich des Bürgergeldes gibt es bereits Hilfen für Alleinerziehende. Hervorzuheben ist der Mehrbedarf für Alleinerziehende.

Vorschlag zum Unterhaltsvorschuss: Kindergeld nur zur Hälfte anrechnen

Die Expertenkommission empfiehlt, künftig nur noch die Hälfte des Kindergeldes auf den Unterhaltsvorschuss anzurechnen.

Anmerkung der Redaktion: Gegenwärtig wird das komplette Kindergeld auf den Unterhaltsvorschuss angerechnet. Kindergelderhöhungen gehen also an den alleinerziehenden Elternteilen vorbei, wenn nicht der Unterhaltsvorschuss an sich erhöht wird.

Außerdem sollte dann, so die Expertenkommission, wenn sich das Kind regelmäßig in zwei Haushalten aufhält, geprüft werden,  wie die Unterhaltsvorschussleistung gegebenenfalls aufgeteilt oder gemindert werden könne, wenn sich das  Kind regelmäßig länger im Haushalt des anderen Elternteils aufhalte.

Quelle

Deutscher Bundestag DS-14510 – pdf

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