Fast 7,8 Millionen Menschen in Deutschland gelten offiziell als schwerbehindert. Das entspricht 9,4 Prozent der Bevölkerung, wie das Statistische Bundesamt in seiner aktuellen Erhebung zum Jahresende 2025 mitteilt. Überraschend ist vor allem die Ursache: Nur in den wenigsten Fällen ist eine Behinderung angeboren.
Krankheit statt Unfall: Das ist der Hauptgrund
Wer an Schwerbehinderung denkt, denkt oft an einen Unfall oder eine Behinderung von Geburt an. Die Realität sieht anders aus. Laut Destatis wurden gut 91 Prozent aller schweren Behinderungen durch eine Krankheit verursacht. Nur 3 Prozent waren angeboren oder traten im ersten Lebensjahr auf. Ein Unfall oder eine Berufskrankheit steckte lediglich bei gut 1 Prozent der Fälle dahinter. Die übrigen rund 4 Prozent verteilen sich auf sonstige Ursachen.
Damit bestätigt sich ein Muster, das sich schon in früheren Erhebungen zeigte: Schwerbehinderung ist in den allermeisten Fällen keine Frage des Schicksals bei der Geburt, sondern eine Folge von Erkrankungen, die häufig erst im Laufe des Lebens auftreten.
Vor allem ältere Menschen betroffen
Die Zahlen zeigen deutlich, dass das Risiko einer Schwerbehinderung mit dem Alter steigt. Rund ein Drittel der Betroffenen, etwa 2,7 Millionen Menschen, war zum Jahresende 2025 bereits 75 Jahre oder älter. Fast die Hälfte, knapp 3,5 Millionen Menschen, gehörte der Altersgruppe zwischen 55 und 74 Jahren an. Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren machten mit rund 231.000 Personen dagegen nur 3 Prozent aller Schwerbehinderten aus.
Bei der Verteilung nach Geschlecht zeigt sich ein nahezu ausgeglichenes Bild: 49,9 Prozent der Betroffenen waren Männer, 50,1 Prozent Frauen.
Art der Behinderung: Organe am häufigsten betroffen
Mehr als die Hälfte der Schwerbehinderten, konkret 57 Prozent, hat eine körperliche Behinderung. Am häufigsten sind dabei innere Organe oder Organsysteme betroffen, was auf 27 Prozent aller Fälle zutrifft. Geistige oder seelische Behinderungen kommen bei 16 Prozent der Betroffenen vor, zerebrale Störungen bei 9 Prozent. Bei rund einem Fünftel wurde die Art der schwersten Behinderung statistisch nicht näher ausgewiesen.
Auch der Schweregrad variiert stark. Bei gut einem Fünftel der Betroffenen, also 21 Prozent, stellten die Versorgungsämter den höchstmöglichen Grad der Behinderung von 100 fest. Mehr als ein Drittel, 36 Prozent, wies dagegen den Mindestwert von 50 auf, ab dem die Schwerbehinderung überhaupt erst beginnt.
| Merkmal | Anteil |
|---|---|
| Behinderung durch Krankheit verursacht | gut 91 % |
| Angeboren oder im 1. Lebensjahr | 3 % |
| Unfall oder Berufskrankheit | gut 1 % |
| Alter ab 75 Jahren | 34 % |
| Alter 55 bis 74 Jahre | 45 % |
| Kinder und Jugendliche unter 18 | 3 % |
| Körperliche Behinderung | 57 % |
| Höchster Grad der Behinderung (100) | 21 % |
Weniger Betroffene als 2023 – aber nicht wirklich
Im Vergleich zur letzten Erhebung zum Jahresende 2023 sinkt die Zahl der Schwerbehinderten leicht: von knapp 7,9 Millionen auf jetzt rund 7,8 Millionen, ein Rückgang um etwa 27.000 Personen. Das klingt zunächst nach einer echten Trendwende, ist aber vor allem ein statistischer Effekt. In Hessen und Sachsen wurden die Verwaltungsdaten der Versorgungsämter umfassend bereinigt und mit den Einwohnerregistern abgeglichen. Dadurch fielen dort zusammen rund 195.000 Menschen aus der Statistik heraus, die zuvor offenbar doppelt oder fälschlich weiter als schwerbehindert geführt wurden, etwa weil sie verstorben oder verzogen waren. Destatis weist ausdrücklich darauf hin, dass die Vergleichbarkeit der beiden Erhebungen dadurch eingeschränkt ist.
Was der Ausweis Betroffenen bringt
Wer als schwerbehindert anerkannt ist, hat Anspruch auf verschiedene Nachteilsausgleiche. Dazu gehören unter anderem ein besonderer Kündigungsschutz, zusätzliche Urlaubstage, Steuererleichterungen und je nach Merkzeichen auch Vergünstigungen im öffentlichen Nahverkehr. Eine gute Übersicht über die wichtigsten Ansprüche bietet der Familienratgeber mit seinen Informationen zu Nachteilsausgleichen. Voraussetzung ist in der Regel ein Grad der Behinderung von mindestens 50, festgestellt durch das zuständige Versorgungsamt.
FAQ zur Schwerbehinderung in Deutschland
Ab wann gilt man in Deutschland als schwerbehindert?
Als schwerbehindert gilt, wem die Versorgungsämter einen Grad der Behinderung von mindestens 50 zuerkannt haben und wer dafür einen gültigen Schwerbehindertenausweis erhalten hat. Der Grad der Behinderung reicht bis maximal 100.
Was ist die häufigste Ursache für eine Schwerbehinderung?
Mit Abstand am häufigsten ist eine Krankheit die Ursache, das betrifft gut 91 Prozent aller Fälle. Angeborene Behinderungen oder solche, die im ersten Lebensjahr auftreten, machen dagegen nur 3 Prozent aus. Unfälle oder Berufskrankheiten sind mit gut 1 Prozent noch seltener der Auslöser.
Wie viele Menschen in Deutschland sind schwerbehindert?
Zum Jahresende 2025 lebten in Deutschland gut 7,8 Millionen Menschen mit einer schweren Behinderung. Das entspricht 9,4 Prozent der Gesamtbevölkerung.
Welche Vorteile bringt ein Schwerbehindertenausweis?
Je nach Grad der Behinderung und eingetragenem Merkzeichen können Betroffene unter anderem besonderen Kündigungsschutz, zusätzliche Urlaubstage, steuerliche Pauschbeträge sowie Vergünstigungen bei Eintrittspreisen und im Nahverkehr in Anspruch nehmen.