Rund 363.000 Menschen hatten sich bis Mai 2026 für die digitale Rentenübersicht registriert. Bei 58,8 Millionen Menschen mit Rentenanwartschaften ist das ein kleiner Anteil, wie auf einer Fachveranstaltung des Versichererverbands GDV berichtet wurde. Der Bedarf steigt, denn ab 2027 wird die geförderte private Vorsorge neu geordnet.
So läuft die Abfrage in der digitalen Rentenübersicht
Betrieben wird das Portal unter rentenuebersicht.de von der Zentralen Stelle für die Digitale Rentenübersicht, einer Einheit der Deutschen Rentenversicherung Bund. Die Nutzung ist kostenlos und freiwillig. Für die Anmeldung braucht es zwei Dinge: die steuerliche Identifikationsnummer, die etwa oben auf dem Einkommensteuerbescheid steht, und einen Personalausweis mit freigeschalteter Online-Ausweisfunktion samt PIN. Ausgelesen wird der Ausweis mit dem Smartphone und der Ausweis-App oder mit einem Kartenlesegerät.
Nach dem Login wählen Nutzerinnen und Nutzer die Anbieter ihrer Verträge aus einer Liste aus. Wer nicht mehr weiß, bei welchem früheren Arbeitgeber eine Direktversicherung lief, kann mit einem Klick alle angebundenen Einrichtungen anfragen. Laut Funktionsbeschreibung des Portals liegen die Antworten nach höchstens fünf Tagen vor. Das Ergebnis erscheint in drei Ansichten: einer Startseite mit der Zahl der gefundenen Ansprüche, einer Gesamtübersicht und einer Detailansicht je Produkt mit den Kontaktdaten des Anbieters. Die Daten lassen sich speichern und zu einer Beratung mitnehmen.
Mehr als 700 Anbieter: der Stand im Oktober 2026
Nach einer Meldung der Deutschen Rentenversicherung vom 21. September 2026 sind inzwischen mehr als 700 Anbieter angebunden. Die Liste der angeschlossenen Einrichtungen im Portal trägt den Stand 12. Oktober 2026 (Stand der Recherche: 25. Oktober 2026). Seit Anfang 2026 liefert neben der gesetzlichen Rentenversicherung auch die Alterssicherung der Landwirte Daten.
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Die Pflicht zur Anbindung regelt die Rentenübersichtsanbindungsverordnung. Anbieter, die jährlich Standmitteilungen verschicken und mehr als 1.000 Vorsorgeansprüche verwalten, mussten bis zum 31. Dezember 2024 angeschlossen sein. Wer diese Schwelle später überschreitet, hat ab der Anmeldung neun Monate Zeit.
| Bereich | In der digitalen Rentenübersicht | Hinweis |
|---|---|---|
| Gesetzliche Rentenversicherung | ja | Werte in der Regel ab 27 Jahren |
| Alterssicherung der Landwirte | ja | seit Anfang 2026 |
| Direktversicherung, Pensionskasse, Pensionsfonds | ja, wenn angebunden | Pflicht ab 1.000 Ansprüchen |
| Riester, Basisrente, private Rentenversicherung | ja, wenn angebunden | Pflicht ab 1.000 Ansprüchen |
| Direktzusage, Unterstützungskasse | nur bei freiwilliger Anbindung | keine Standmitteilungspflicht |
| Beamtenversorgung, berufsständische Versorgungswerke | nein | nicht abfragbar |
Vier Werte und ein Rechenbeispiel
Für jedes Produkt zeigt das Portal bis zu vier Werte: garantiert erreichte, prognostiziert erreichte, garantiert erreichbare und prognostiziert erreichbare Ansprüche. Erreicht heißt, dass keine weiteren Beiträge mehr nötig sind. Erreichbar setzt voraus, dass bis zum Rentenbeginn weiter eingezahlt wird. Prognosen rechnen Zinsen, Renditen oder Rentenanpassungen ein und sind nicht garantiert.
Ein Beispiel mit angenommenen Werten: Eine 52-jährige Industriekauffrau hat 24,5 Entgeltpunkte gesammelt. Beim aktuellen Rentenwert von 42,52 Euro, der seit dem 1. Juli 2026 gilt, ergibt das eine erreichte gesetzliche Rente von 1.041,74 Euro im Monat. Ihre Pensionskasse meldet 165 Euro, ein Riester-Anbieter 88 Euro garantiert erreichte Rente. Zusammen sind das 1.294,74 Euro. Das ist ein Bruttowert. Steuern sowie Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung gehen noch ab, und bis zum Rentenbeginn 2041 verliert Geld an Kaufkraft. Die Detailansicht weist auf Steuer- und Abgabepflichten hin, ein Inflationsrechner zeigt verschiedene Szenarien.
Wo es bei der digitalen Rentenübersicht hakt
Die größte Hürde liegt vor dem ersten Klick. Viele Ausweise sind online-fähig, doch die PIN fehlt oder ist vergessen. In einer Umfrage von INSA im Auftrag des Deutschen Instituts für Altersvorsorge gab im Sommer 2026 nur rund jeder Achte an, das Portal genutzt zu haben, die Hälfte kannte es nicht. Der GDV verlangt einen einfacheren Zugang. Das Bundesarbeitsministerium kündigt ein Rentenlabor an, das inflationsbereinigte Werte und Summen über alle drei Säulen liefern soll. Einen Termin gibt es nicht.
Die zweite Schwäche sind Lücken im Datenbestand. Beamtinnen und Beamte, Richterinnen und Richter sowie Mitglieder von Versorgungswerken für Ärzte, Anwälte oder Architekten finden diese Ansprüche nicht im Portal. Betriebsrenten über Direktzusage oder Unterstützungskasse fehlen häufig, ebenso Verträge kleiner Anbieter. Das Portal bildet außerdem keinen Verlauf ab, sondern immer den zuletzt gemeldeten Stand.
Häufige Fragen zur digitalen Rentenübersicht
Ab wann zeigt die digitale Rentenübersicht die gesetzliche Rente?
Die Daten der Rentenversicherung erscheinen in der Regel ab dem 27. Lebensjahr, weil erst dann die jährliche Renteninformation verschickt wird. Betriebliche und private Verträge können schon früher auftauchen.
Was gilt, wenn die PIN für den Online-Ausweis fehlt?
Die Online-Funktion lässt sich im Bürgeramt kostenfrei aktivieren, dort wird auch eine neue PIN gesetzt. Danach ist die Anmeldung im Portal möglich.
Ersetzt das Portal die Renteninformation per Post?
Nein. Die Rentenversicherung und die übrigen Anbieter verschicken ihre jährlichen Mitteilungen weiter. Die digitale Übersicht ist ein zusätzliches Angebot.
Was unterscheidet die Rentenübersicht vom Kundenportal der Rentenversicherung?
Das Kundenportal der Deutschen Rentenversicherung zeigt das gesetzliche Versicherungskonto und nimmt Anträge und Änderungen entgegen. Die digitale Rentenübersicht fasst Ansprüche aus allen drei Säulen zusammen, Anträge lassen sich dort nicht stellen.
Einschätzung der Redaktion
Die digitale Rentenübersicht leistet, was ihr Name verspricht, allerdings nur für Menschen mit klassischer Erwerbsbiografie und aktivem Online-Ausweis. Wer bei mehreren Arbeitgebern Direktversicherungen hatte, bekommt in wenigen Tagen einen Überblick, für den früher Aktenordner nötig waren. Das Problem ist der Zugang. Dass ein Vorsorgeportal an der PIN eines Ausweises scheitert, den viele nie online genutzt haben, ist hausgemacht. Solange Beamte, Versorgungswerke und viele Betriebsrenten fehlen, bleibt das Bild unvollständig. Bevor die Politik über ein Rentenlabor spricht, sollte sie die Anmeldung vereinfachen. Erst dann erreicht das Portal die Menschen, die eine Lücke im Alter am härtesten treffen würde.