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Grundsicherung im Alter oder für Arbeitsuchende: So unterscheiden sich Anspruch, Höhe und Zuständigkeit 2026

Grundsicherung im Alter und die Grundsicherung für Arbeitsuchende verfolgen beide das Ziel, das Existenzminimum zu sichern, richten sich aber an völlig unterschiedliche Personengruppen und funktionieren rechtlich anders. Wer im Ruhestand oder dauerhaft erwerbsgemindert ist, fällt in der Regel unter die Grundsicherung im Alter, während erwerbsfähige Hilfebedürftige im „Jobcenter-System“ der Grundsicherung für Arbeitsuchende zugeordnet werden. Einzelheiten und eine Tabelle zu den beiden Arten der Grundsicherung hier in folgendem Artikel auf Bürger & Geld, dem Nachrichtenmagazin des Vereins Für soziales Leben e.V.!

Grundsicherung im Alter: Zielgruppe und Rechtsgrundlage

Die Grundsicherung im Alter ist eine Sozialleistung für Menschen, deren eigene Rente und weiteres Einkommen zum Leben nicht ausreichen. Sie ist im Zwölften Buch Sozialgesetzbuch (SGB XII) geregelt und wird in der Regel vom Sozialamt gezahlt.

Wichtige Punkte:

  • Adressatenkreis: Menschen ab Erreichen der Regelaltersgrenze oder mit voller Erwerbsminderung auf Dauer.
  • Ziel: Absicherung des Existenzminimums im Ruhestand bzw. bei dauerhafter Erwerbsminderung.
  • Typisch: Aufstockung einer niedrigen Rente, wenn Einkommen und Vermögen nicht reichen.​

Grundsicherung für Arbeitsuchende: Zielgruppe und Rechtsgrundlage

Die Grundsicherung für Arbeitsuchende umfasst gegenwärtig noch das Bürgergeld und ab 2026 die „neue” Grundsicherung nach dem Zweiten Buch Sozialgesetzbuch (SGB II). Zuständig sind die Jobcenter, nicht das Sozialamt.

Kernmerkmale:

  • Adressatenkreis: Erwerbsfähige Menschen ab 15 Jahren bis zur Regelaltersgrenze, die mindestens drei Stunden täglich arbeiten können und hilfebedürftig sind.
  • Ziel: Sicherung des Lebensunterhalts und Eingliederung in Arbeit („Fördern und Fordern“).
  • Typisch: Bürgergeld/Grundsicherung für Arbeitsuchende als laufende Leistung für Arbeitslose, Aufstocker und ihre Familien.

Zentrale Unterschiede im Überblick

BereichGrundsicherung im Alter (SGB XII)Grundsicherung für Arbeitsuchende (SGB II)
ZielgruppeRentner und dauerhaft voll ErwerbsgeminderteErwerbsfähige Hilfebedürftige und ihre Bedarfsgemeinschaft
ZuständigSozialamtJobcenter
HauptzielExistenzsicherung im RuhestandExistenzsicherung + Vermittlung in Arbeit
Mitwirkung/SanktionenGeringe Mitwirkungspflichten, kaum SanktionenStrenge Mitwirkungspflichten, Leistungskürzungen möglich
LeistungsartHilfe zum Lebensunterhalt im AlterBürgergeld/neue Grundsicherung mit Integrationsleistungen
Rolle von ArbeitErwerbstätigkeit meist nicht im FokusArbeitssuche und Arbeitsaufnahme stehen im Mittelpunkt

Angaben zu Zielgruppen, Zuständigkeit und Sanktionslogik beruhen auf den gesetzlichen Systemen SGB II und SGB XII sowie aktuellen Reformbeschreibungen.

Einkommen, Vermögen und Bedarf

Beide Leistungen sind bedürftigkeitsabhängig, unterscheiden sich aber in Details bei der Prüfung von Einkommen und Vermögen.

  • In beiden Systemen gilt: Eigene Einkünfte (z.B. Rente, Lohn, Unterhalt) und verwertbares Vermögen werden angerechnet, der Staat stockt nur bis zum notwendigen Lebensunterhalt auf.
  • In der Grundsicherung für Arbeitsuchende wurden bzw. werden Karenzzeiten und Freibeträge reformiert; insbesondere die bisherige Vermögens-Karenzzeit beim Bürgergeld entfällt und es gelten wieder altersabhängige Freibeträge.

Im Alterssystem (SGB XII) wird ebenfalls Einkommen und Vermögen berücksichtigt, allerdings stehen arbeitsmarktpolitische Anreize nicht im Vordergrund, sodass die Konstruktion stärker auf dauerhafte Existenzsicherung ausgerichtet ist.

Pflichten, Sanktionen und Jobcenter-Druck

Ein entscheidender Unterschied liegt im Druck zur Arbeitsaufnahme:

  • Grundsicherung im Alter:
    • Keine arbeitsbezogene Mitwirkungspflichten.
    • Keine klassischen Sanktionen wegen „Arbeitsverweigerung“, da Erwerbsarbeit nicht erwartet wird.
  • Grundsicherung für Arbeitsuchende:
    • Pflicht zu Bewerbungen, Terminen, Maßnahmen und zur Annahme zumutbarer Arbeit.
    • Bei Pflichtverletzungen können Leistungen gekürzt bis hin zur vollständigen Streichung des Regelsatzes werden (verschärfte Sanktionen in der neuen Grundsicherung).

Damit ist die Grundsicherung für Arbeitsuchende deutlich stärker auf Eigenverantwortung und Arbeitsaufnahme ausgerichtet, während die Grundsicherung im Alter vor allem ein sozialer Basisschutz ist.

Übergang: Vom Jobcenter ins Sozialamt

Sobald eine Person die Regelaltersgrenze erreicht, endet in der Regel die Zuständigkeit des Jobcenters und ein Wechsel zur Grundsicherung im Alter wird relevant.

Wichtige Punkte beim Übergang:

  • Die Jobcenter-Leistungen nach SGB II werden durch Altersrente plus ggf. Grundsicherung im Alter ersetzt.
  • Oft lohnt es sich, gleichzeitig Rente zu beantragen und beim Sozialamt eine Prüfung auf ergänzende Grundsicherung im Alter zu veranlassen.

So wechseln Menschen beim Erreichen der Altersgrenze aus dem arbeitsmarktbezogenen Sicherungssystem in das altersspezifische Existenzsicherungssystem.

Redakteure

  • ik

    Sozialrechtsexperte und Redakteur

    Ingo Kosick ist ein renommierter Experte im Bereich des Sozialrechts in Deutschland. Er engagiert sich seit über 30 Jahren in diesem Feld und hat sich als führende Autorität etabliert. Als Vorsitzender des Vereins "Für soziales Leben e.V.", der 2005 in Lüdinghausen gegründet wurde, setzt er sich für die Unterstützung von Menschen ein, die von Armut und Arbeitslosigkeit betroffen sind. Der Verein bietet über das Internet Informationen, Beratung und Unterstützung für sozial benachteiligte Menschen an.

    Ingo Kosick ist zudem Autor und Redakteur beim Nachrichtenmagazin Bürger & Geld, das der Verein "Für soziales Leben e.V." herausgibt. Ingo hat sich auf Themen wie Bürgergeld, Sozialleistungen, Rente und Kindergrundsicherung spezialisiert. Seine Artikel bieten fundierte Analysen und rechtlich aufgearbeitete Informationen, die Menschen in schwierigen Lebenssituationen unterstützen sollen.

    Durch seine langjährige Erfahrung und sein Engagement hat Ingo Kosick maßgeblich dazu beigetragen, dass sozial benachteiligte Menschen in Deutschland besser informiert und unterstützt werden können.

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  • Peter Kosick
    Experte:

    Jurist und Redakteur

    Peter Kosick hat an der Universität Münster Rechtswissenschaften studiert und beide juristische Staatsexamen in Nordrhein-Westfalen mit Erfolg abgelegt. Er arbeitet als freiberuflicher Jurist, ist Autor verschiedener Publikationen und hält Vorträge im Bereich Arbeits- und Sozialrecht. Seit mehr als 30 Jahren engagiert er sich im sozialen Bereich und ist seit der Gründung des Vereins "Für soziales Leben e.V." dort Mitglied. Peter Kosick arbeitet in der Online Redaktion des Nachrichtenmagazins Bürger & Geld, das der Verein herausgibt und ist der CvD. Seinen Artikeln sieht man an, dass sie sich auf ein fundiertes juristisches Fachwissen gründen.

    Peter hat ebenfalls ein Herz für die Natur, ist gern "draußen" und setzt sich für den Schutz der Umwelt ein.

    Seine Arbeit im Redaktionsteam von Bürger & Geld gibt ihm das Gefühl,  etwas Gutes für das Gemeinwohl zu tun.

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