Ab Januar kostet das Deutschlandticket 66,80 Euro, der Regelsatz in der Grundsicherung steht seit 2024 bei 563 Euro still. In dieser Lage kündigt die Deutsche Bahn an, ihr Familienticket ab 1. November dauerhaft anzubieten. Für Haushalte mit wenig Geld entscheidet der Fernzug-Preis oft darüber, ob ein Besuch bei Großeltern überhaupt möglich ist.
Aus dem Sommerangebot wird ein fester Tarif
Ursprünglich sollte das Pauschalticket nur die Ferienmonate überbrücken. Nun hat Bahnchefin Evelyn Palla gegenüber der „Bild am Sonntag“ bestätigt, dass der Konzern das Angebot dauerhaft ins Sortiment aufnimmt. Laut ZDFheute beginnt der Vorverkauf am 26. Oktober, gültig sind die Tickets ab dem 1. November. Die Konditionen sollen denen aus dem Sommer entsprechen, einschließlich Sitzplatzreservierung.
Den Ausschlag gab offenbar die Nachfrage. Nach Pallas Angaben reisten in den Sommerferien rund 100.000 Familien mehr mit der Bahn als im Vorjahr. Für ein Unternehmen, das nach Milliardenverlusten unter Spardruck steht, ist das ein deutliches Signal: Ein einfacher, transparenter Pauschalpreis zieht Kundschaft an, die bei komplizierten Tarifen sonst abspringt.
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Bürger & Geld auf Google News folgenWas das Ticket kostet und für wen es gilt
Im Sommer kostete die Hin- und Rückfahrt 99,99 Euro, eine einfache Fahrt 59,99 Euro. Gebucht werden konnte über bahn.de, den DB Navigator und in Reisezentren. Ein Verwandtschaftsverhältnis war nicht erforderlich, entscheidend war allein die Zusammensetzung der Reisegruppe.
| Eckdaten | Regelung laut Sommerangebot 2026 |
|---|---|
| Preis Hin- und Rückfahrt | 99,99 Euro |
| Preis einfache Fahrt | 59,99 Euro |
| Reisende pro Ticket | maximal 5 Personen |
| Zusammensetzung | 1 bis 2 Personen ab 15 Jahren plus 1 bis 4 Kinder bis 14 Jahre |
| Sitzplatzreservierung | für bis zu 5 Personen inklusive |
| Geltungsbereich | Fernverkehr innerhalb Deutschlands, Zubringer im Nahverkehr möglich |
| Kinder unter 6 Jahren | fahren kostenlos, sollen bei der Buchung aber angegeben werden |
| Dauerangebot | Verkauf ab 26. Oktober, Reisen ab 1. November 2026 |
Offen ist bislang, ob die Bahn für das Dauerangebot Kontingente festlegt oder einzelne Reisetage, etwa vor Feiertagen, ausnimmt. Belastbare Angaben dazu liegen noch nicht vor.
Wo die Ersparnis tatsächlich entsteht
Kinder bis 14 Jahre fahren im Fernverkehr in Begleitung ohnehin kostenlos. Der eigentliche Vorteil liegt deshalb bei den Erwachsenen-Fahrscheinen und bei den Reservierungen. Seit die Bahn im Juni 2025 die günstige Familienreservierung gestrichen hat, wird jeder Sitzplatz einzeln berechnet. Gerade für Familien mit kleinen Kindern ist eine Reservierung aber kaum verzichtbar.
Ein hypothetisches Beispiel: Ein alleinerziehender Vater reist mit seinen Kindern im Alter von 7 und 11 Jahren von Köln nach Leipzig. Kostet sein Flexpreis-Ticket hin und zurück angenommen 160 Euro und kommen drei Reservierungen pro Richtung hinzu, liegt die Familie schnell deutlich über 170 Euro. Mit dem Familienticket wären es 99,99 Euro. Wer früh bucht und einen günstigen Sparpreis erwischt, spart allerdings weniger. Der Pauschalpreis spielt seine Stärke vor allem bei langen Strecken und kurzfristigen Reisen aus.
Steigende Mobilitätskosten treffen Haushalte im Grundsicherungsbezug besonders
Für Familien, die seit Juli 2026 Grundsicherungsgeld statt Bürgergeld beziehen, hat das Angebot ein anderes Gewicht als für Durchschnittsverdiener. Der Regelsatz für Alleinstehende liegt weiterhin bei 563 Euro, für Kinder von 6 bis 13 Jahren bei 390 Euro. Fahrten mit dem Fernverkehr müssen aus diesem Budget bezahlt werden, einen gesonderten Zuschuss vom Jobcenter gibt es für private Familienbesuche in aller Regel nicht.
Gleichzeitig verschiebt sich das Kostengefüge. Das Deutschlandticket wird zum 1. Januar 2027 auf 66,80 Euro verteuert. Beim Regelsatz zeichnet sich dagegen keine Entlastung ab: Die Bundesregierung hat im Sommer einen Entwurf mit geänderter Berechnungsgrundlage auf den Weg gebracht, das parlamentarische Verfahren läuft, im Oktober ist eine öffentliche Anhörung im Bundestag vorgesehen. Fachleute halten eine dritte Nullrunde in Folge für wahrscheinlich, endgültig festgesetzt ist der Betrag für 2027 aber noch nicht. Aktuelle Informationen zu den Regelbedarfen veröffentlicht das Bundesministerium für Arbeit und Soziales.
In dieser Gemengelage wird ein planbarer Pauschalpreis für Fernreisen zu einem der wenigen Posten, die nicht teurer werden. Die Bahn hat zudem angekündigt, ihre Ticketpreise im Fernverkehr bis Mai 2027 einzufrieren.
Pünktlichkeit bleibt die Schwachstelle
Palla verband die Ankündigung mit einer nüchternen Einschätzung zur Zuverlässigkeit. Große Teile der Infrastruktur seien veraltet und störanfällig, die Erneuerung des Netzes werde mindestens zehn Jahre dauern. Einen schnellen Sprung bei der Pünktlichkeit stellte sie ausdrücklich nicht in Aussicht. Besonders Hitzeperioden setzen der Technik zu, etwa wenn Weichenantriebe bei mehrtägigen Temperaturen über 35 Grad ausfallen.
Für Familien ist das mehr als eine Randnotiz. Ein verpasster Anschluss mit drei Kindern und Gepäck bedeutet Stress, unter Umständen eine Übernachtung und zusätzliche Ausgaben. Fahrgastrechte bei Verspätungen gelten zwar auch für Pauschaltickets, die Erstattung richtet sich dann aber nach dem gezahlten Preis.
Parallel dazu läuft die politische Debatte über die gestrichene Familienreservierung weiter. Eine Petition des Verkehrsclubs Deutschland für deren Rückkehr hatte über 130.000 Unterschriften gesammelt. Das Familienticket löst dieses Problem für Pauschalreisende, nicht aber für Familien, die mit Sparpreis oder BahnCard unterwegs sind.
Häufige Fragen zum Familienticket der Bahn
Ab wann gilt das Familienticket dauerhaft?
Nach Angaben von Bahnchefin Evelyn Palla beginnt der Verkauf am 26. Oktober 2026. Reisen sind ab dem 1. November 2026 möglich. Ein Enddatum ist nicht vorgesehen.
Müssen die Mitreisenden miteinander verwandt sein?
Nein. Im Sommerangebot war kein Verwandtschaftsverhältnis erforderlich. Großeltern, Paten oder befreundete Erwachsene konnten das Ticket ebenfalls nutzen, sofern mindestens ein Kind bis 14 Jahre mitreist und höchstens zwei Personen ab 15 Jahren dabei sind.
Lohnt sich das Ticket auch für Alleinerziehende?
Das Ticket ist ausdrücklich auch für eine erwachsene Person mit bis zu vier Kindern buchbar. Ob es günstiger ist als ein Sparpreis, hängt von Strecke und Buchungszeitpunkt ab. Bei längeren Verbindungen und kurzfristiger Buchung fällt der Preisvorteil meist größer aus.
Übernimmt das Jobcenter die Kosten für Familienfahrten?
In der Regel nicht. Private Reisen und Familienbesuche gelten als Teil des Regelbedarfs. Ausnahmen bestehen etwa bei Fahrten im Rahmen des Umgangsrechts getrennt lebender Eltern, die als Mehrbedarf geltend gemacht werden können. Hier entscheidet das Jobcenter im Einzelfall.
Einschätzung der Redaktion
Das dauerhafte Familienticket ist ein vernünftiger Schritt, der einen Fehler des vergangenen Jahres zumindest teilweise korrigiert. Die Abschaffung der Familienreservierung hatte ausgerechnet jene getroffen, die auf die Bahn angewiesen sind, weil ein Auto fehlt oder zu teuer ist. Dass die Bahn nun mit einem einfachen Pauschalpreis 100.000 zusätzliche Familien gewonnen hat, zeigt, wie groß der Bedarf ist. Für Haushalte im Grundsicherungsbezug bleibt das Angebot dennoch ein schmaler Ausgleich. Wenn Mobilität teurer wird und die Regelsätze ein drittes Jahr stagnieren, kann ein Rabatt des Staatskonzerns keine sozialpolitische Antwort ersetzen. Die Frage, wie viel Teilhabe am Familienleben mit 390 Euro für ein Schulkind finanzierbar ist, muss die Politik im laufenden Gesetzgebungsverfahren selbst beantworten.