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Finanzlobby gegen unsere Rente: Wie Banken und Versicherer im Bundestag die gesetzliche Rente schlechtreden

Lobbyisten aus Banken- und Versicherungsbranche überfluten den Bundestag mit Botschaften, die die gesetzliche Rente schlechtreden und private Vorsorge als „einzige Lösung“ verkaufen – genau das zeigt die aktuelle Auswertung des Lobbyregisters durch die NGO Finanzwende e.V. Die Daten belegen ein massives Kräfteungleichgewicht zugunsten der Finanzlobby, während Organisationen, die die umlagefinanzierte Rente verteidigen, nur mit wenigen Stimmen vertreten sind. Hintergründe zu diesem "Rentenproblem" hier auf Bürger & Geld, dem Nachrichtenmagazin des Vereins Für soziales Leben e.V.!

Finanzlobby gegen die Rente – was das Lobbyregister wirklich zeigt

Seit Einführung des Lobbyregisters wird sichtbar, wie stark Banken, Versicherungen und Investmentgesellschaften auf die Rentenpolitik einwirken. In den Top‑100 der finanzstärksten Lobbyakteure im Bundestag stammen laut Finanzwende gleich elf aus der Finanzbranche – keine andere Branche ist so dominant.

Die Finanzlobby gibt allein über 37 bis 42 Millionen Euro im Jahr für Lobbyarbeit Richtung Bundestag und Ministerien aus und beschäftigt Hunderte professionelle Lobbyisten. Dem stehen wenige, meist unterfinanzierte zivilgesellschaftliche Organisationen gegenüber, die für eine starke gesetzliche Rente und Verbraucherschutz eintreten.

Wie Lobbyisten die gesetzliche Rente schlechtreden

Die Finanzlobby arbeitet seit Jahren nach einem ähnlichen Muster: Die umlagefinanzierte gesetzliche Rente wird als „nicht zukunftsfähig“ dargestellt, während private, kapitalgedeckte Produkte als alternativlos propagiert werden. Studien von Finanzwende zeigen, dass diese Kampagnen systematisch Ängste vor Altersarmut schüren und den Eindruck erzeugen, ohne private Vorsorge sei die Rente sicher verloren.

Schon bei der Riester-Rente machten Versicherer, Banken und Fondsgesellschaften mit massiv gesteigerten Werbeetats Stimmung gegen die gesetzliche Rente und für private Produkte – mit teuren Folgen für Millionen Sparer. Unterstützt wurden sie von wirtschaftsnahen Instituten und PR‑Initiativen, die als scheinbar unabhängige Experten auftraten, aber von der Finanzbranche finanziert wurden.

Was das Lobbyregister konkret offenlegt

Das Lobbyregister des Bundestags zeigt, wie eng die Finanzlobby mit Politik und Ministerien vernetzt ist. Mehr als 5.500 Organisationen sind registriert, doch die Finanzbranche sticht mit besonders hohen Budgets und vielen Ansprechpartnern hervor. Spitzenreiter ist der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), der allein rund 15 Millionen Euro jährlich für Lobbyarbeit aufwendet.

Finanzwende weist darauf hin, dass sich Lobbykontakte der Finanzbranche teilweise außerhalb des offiziellen Registers abspielen – etwa Treffen des Finanzministeriums mit Bankvertretern, die im Register nicht auftauchen. Gleichzeitig dokumentiert das Register detailliert, welche Verbände Stellungnahmen zu rentenpolitischen Gesetzen abgeben und welche Interessen sie verfolgen.

Wenn Kapitaldeckung zur Spielwiese der Finanzmärkte wird

Aktuelle rentenpolitische Projekte wie das Generationenkapital schaffen neue Anlagemöglichkeiten für Milliarden aus öffentlichen Mitteln – und damit ein neues Einfallstor für Lobbyinteressen. Im Referentenentwurf zum Generationenkapital bemängeln zivilgesellschaftliche Akteure, dass klare Nachhaltigkeits- und Ausschlusskriterien fehlen und so massive Investitionen in fossile Konzerne möglich wären.

In einer Stellungnahme wird gewarnt, dass ein „fossiles, klimablindes Generationenkapital“ nicht nur dem Pariser Klimaabkommen widerspricht, sondern sogar das Ziel der gesetzlichen Rente – gute und verlässliche Lebensbedingungen im Alter – konterkarieren würde. Gleichzeitig zeigt Finanzwende, dass große internationale Pensionsfonds längst fossile Anlagen zurückfahren, weil sie sie als riskant und nicht zukunftsfähig einschätzen.

Warum ein starkes Lobbyregister die Rente schützt

Finanzwende fordert, das Lobbyregister deutlich zu verschärfen: Gesetze sollen künftig einen legislativen Fußabdruck tragen, der offenlegt, welche Lobbyakteure an welcher Stelle Einfluss genommen haben. Gleichzeitig bräuchte es strengere Offenlegungspflichten und Sanktionen, damit Treffen zwischen Finanzlobby und Ministerien nicht länger unsichtbar bleiben.

Für die gesetzliche Rente bedeutet mehr Transparenz:

  • Die Öffentlichkeit kann besser erkennen, wann die Rente künstlich schlechtgeredet wird, um private Produkte zu verkaufen.
  • Parlamentarier geraten stärker unter Druck, nicht einseitig Vorschläge der Finanzbranche zu übernehmen, sondern die Interessen der Versicherten in den Mittelpunkt zu stellen.

Zusammenfassung: Dauerbeschallung für „Rendite statt Rente“

Die Auswertung des Lobbyregisters durch Finanzwende zeigt ein deutliches Bild: Die Finanzlobby ist mit Abstand der mächtigste Spieler in der Rentendebatte – und sie nutzt ihre Position, um das Vertrauen in die gesetzliche Rente zu untergraben. Ohne ein starkes Lobbyregister, klare Regeln und eine laute Gegenstimme aus Zivilgesellschaft und Wissenschaft droht die Rentenpolitik immer weiter „im Auftrag des Geldes“ gemacht zu werden.

Quelle

Finanzwende e.V.

Redakteure

  • ik

    Sozialrechtsexperte und Redakteur

    Ingo Kosick ist ein renommierter Experte im Bereich des Sozialrechts in Deutschland. Er engagiert sich seit über 30 Jahren in diesem Feld und hat sich als führende Autorität etabliert. Als Vorsitzender des Vereins "Für soziales Leben e.V.", der 2005 in Lüdinghausen gegründet wurde, setzt er sich für die Unterstützung von Menschen ein, die von Armut und Arbeitslosigkeit betroffen sind. Der Verein bietet über das Internet Informationen, Beratung und Unterstützung für sozial benachteiligte Menschen an.

    Ingo Kosick ist zudem Autor und Redakteur beim Nachrichtenmagazin Bürger & Geld, das der Verein "Für soziales Leben e.V." herausgibt. Ingo hat sich auf Themen wie Bürgergeld, Sozialleistungen, Rente und Kindergrundsicherung spezialisiert. Seine Artikel bieten fundierte Analysen und rechtlich aufgearbeitete Informationen, die Menschen in schwierigen Lebenssituationen unterstützen sollen.

    Durch seine langjährige Erfahrung und sein Engagement hat Ingo Kosick maßgeblich dazu beigetragen, dass sozial benachteiligte Menschen in Deutschland besser informiert und unterstützt werden können.

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  • Peter Kosick
    Experte:

    Jurist und Redakteur

    Peter Kosick hat an der Universität Münster Rechtswissenschaften studiert und beide juristische Staatsexamen in Nordrhein-Westfalen mit Erfolg abgelegt. Er arbeitet als freiberuflicher Jurist, ist Autor verschiedener Publikationen und hält Vorträge im Bereich Arbeits- und Sozialrecht. Seit mehr als 30 Jahren engagiert er sich im sozialen Bereich und ist seit der Gründung des Vereins "Für soziales Leben e.V." dort Mitglied. Peter Kosick arbeitet in der Online Redaktion des Nachrichtenmagazins Bürger & Geld, das der Verein herausgibt und ist der CvD. Seinen Artikeln sieht man an, dass sie sich auf ein fundiertes juristisches Fachwissen gründen.

    Peter hat ebenfalls ein Herz für die Natur, ist gern "draußen" und setzt sich für den Schutz der Umwelt ein.

    Seine Arbeit im Redaktionsteam von Bürger & Geld gibt ihm das Gefühl,  etwas Gutes für das Gemeinwohl zu tun.

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