Alarmierende Zahlen aus Sachsen
In Sachsen bezogen im September 2025 rund 20.700 Menschen im Rentenalter Grundsicherung im Alter – also Sozialhilfe, weil die eigene Rente nicht zum Leben reicht. Im September 2020 waren es erst 11.900 Rentner, damit hat sich die Zahl der Betroffenen innerhalb von fünf Jahren fast verdoppelt.
- Der Anteil der Rentner an allen Empfängern von Grundsicherung im Freistaat stieg von etwa 39 Prozent (2020) auf rund 53 Prozent (2025).
- Bundesweit liegt der Rentneranteil an allen Grundsicherungsempfängern sogar bei etwa 58 bis 60 Prozent.
Altersarmut: Was hinter der Entwicklung steckt
Mehrere Faktoren treiben die Zahl der Grundsicherungsempfänger im Alter nach oben.
- Steigende Lebenshaltungskosten: Vor allem Mieten, Energie und Lebensmittel sind deutlich teurer geworden, während viele Bestandsrenten nur moderat steigen.
- Niedrige Erwerbsbiografien: Viele heutige Ruheständler haben Zeiten mit Niedriglohn, Teilzeit, Erwerbslosigkeit oder Kindererziehung, die zu dauerhaft niedrigen Rentenansprüchen führen.
Hinzu kommen demografische Effekte: Die Zahl der Menschen im Rentenalter wächst, und mit ihr steigt auch die absolute Zahl derer, die unterhalb des Existenzminimums leben. Gleichzeitig sorgt die schrittweise Anhebung der Regelaltersgrenze auf 67 Jahre dafür, dass immer mehr Jahrgänge mit lückenhaften Erwerbsbiografien in das System der Grundsicherung im Alter hineinwachsen.
Sachsen als Beispiel – aber Problem ist bundesweit
Sachsen steht mit der Zunahme der Grundsicherungsempfänger im Alter nicht allein da, ist aber ein besonders anschauliches Beispiel.
- In Sachsen beziehen rund 1,1 Millionen Menschen eine Rente; weniger als zwei Prozent davon sind aktuell auf Grundsicherung im Alter angewiesen.
- Gleichzeitig zeigt der sächsische Rentenatlas, dass Neu-Rentner deutlich geringere Renten erhalten als Bestandsrentner, was das Risiko von Altersarmut in Zukunft erhöht.
Auch in anderen ostdeutschen Ländern wie Thüringen und Sachsen-Anhalt steigt die Zahl der Rentner mit Grundsicherung deutlich, teilweise um mehrere Tausend Fälle in wenigen Jahren. Bundesweit waren Ende 2024 bereits rund 739.000 Menschen auf Grundsicherung im Alter angewiesen; Ende 2025 lagen die Werte mit etwa 742.000 bis über 750.000 Betroffenen so hoch wie nie zuvor.
Ursachen im System: Rente, Regelsätze, Wohnen
Die Entwicklung ist nicht nur eine Folge individueller Biografien, sondern auch von politischen Rahmenbedingungen.
- Grundsicherung im Alter nach SGB XII erhalten Personen, die die Altersgrenze erreicht haben und ihren Lebensunterhalt nicht aus eigenem Einkommen und Vermögen decken können.
- Zum 1. Januar 2024 wurden die Regelsätze der Grundsicherung deutlich angehoben (z. B. alleinstehende Personen auf 563 Euro monatlich), wodurch mehr Menschen formal leistungsberechtigt wurden.
Auch die Wohnungskosten spielen eine zentrale Rolle: In vielen Städten steigt die Miete schneller als die Rente, sodass immer mehr Ruheständler auf eine ergänzende Übernahme der Unterkunftskosten durch die Grundsicherung angewiesen sind. Gleichzeitig führt die Anhebung des Wohngelds in einzelnen Jahren vorübergehend zu einer Entlastung und kann die Zahl der Grundsicherungsempfänger kurzzeitig dämpfen.
Was Rentner jetzt wissen und tun sollten
Betroffene sollten wissen, dass Grundsicherung im Alter kein Almosen, sondern eine gesetzlich verankerte Sozialleistung ist, die das Existenzminimum sichern soll.
- Anspruch prüfen: Wer mit Rente und ggf. kleinem Zusatzeinkommen die laufenden Kosten nicht decken kann, sollte beim örtlichen Sozialamt eine Prüfung auf Grundsicherung im Alter beantragen.
- Weitere Entlastungen nutzen: Neben der Grundsicherung gibt es oft ergänzende Hilfen wie Wohngeld, Befreiung oder Ermäßigung beim Rundfunkbeitrag sowie kommunale Zuschüsse, die die finanzielle Lage im Alter verbessern können.
Für die Politik zeigt das Beispiel Sachsen, dass es ohne strukturelle Reformen bei Rente, Löhnen und bezahlbarem Wohnen kaum gelingen wird, den Trend zur Altersarmut zu stoppen.


