Nach dem Renteneintritt: Diese Ausgaben kosten Rentner oft unnötig Geld

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Die Europäische Zentralbank hat den Einlagenzins am 10. September 2026 zum zweiten Mal in diesem Jahr angehoben, auf aktuell 2,50 Prozent. Wer Erspartes trotzdem unverzinst auf dem Girokonto liegen lässt, verschenkt damit noch mehr Geld als bisher. Genau das betrifft viele Ruheständler – zusammen mit Versicherungen, Handyverträgen und Energietarifen, die aus dem Berufsleben unverändert weiterlaufen.

Mit dem Übergang in den Ruhestand ändern sich die Einnahmen spürbar, doch viele Verträge und Gewohnheiten aus dem Berufsleben bleiben bestehen, obwohl sie längst nicht mehr passen. Wer Versicherungsordner, Bankkonto, Energievertrag, Mobilfunktarif und Geldanlage systematisch durchgeht, kann nach Berechnungen von Verbraucherportalen einen vierstelligen Betrag im Jahr einsparen.

Versicherungen aus dem Berufsleben gehören auf den Prüfstand

Ein erster Blick sollte dem Versicherungsordner gelten. Besonders bei der Berufsunfähigkeitsversicherung stellt sich nach dem Renteneintritt die Frage, ob der Schutz überhaupt noch gebraucht wird. Die Verbraucherzentrale empfiehlt, eine solche Police grundsätzlich bis zum Beginn der Altersrente laufen zu lassen und erst danach zu prüfen, ob eine Kündigung oder Anpassung sinnvoll ist.

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Ein vorschneller Schritt ist trotzdem riskant. Wer trotz vorgezogener Rente weiterarbeitet oder einen Vertrag mit eingebauten Sparanteilen besitzt, sollte vor einer Kündigung die finanziellen Folgen klären. Auch beim Rechtsschutz lohnt ein zweiter Blick: Wer nicht mehr beschäftigt ist, braucht häufig keinen Baustein für arbeitsrechtliche Streitigkeiten mehr. Kleinere Zusatzpolicen wie Reisegepäck- oder Insassenunfallversicherungen stehen im Verhältnis zur Leistung oft in keinem guten Kosten-Nutzen-Verhältnis. Anders die private Haftpflichtversicherung: Ein größerer Schadensfall kann auch im Ruhestand existenzbedrohend sein, weshalb ein leistungsstarker Schutz weiterhin sinnvoll bleibt.

Beim Girokonto zahlen viele Rentner unbemerkt drauf

Auch das Bankkonto verdient einen kritischen Blick. Stiftung Warentest untersuchte mit Stand Ende August 2026 mehrere hundert Gehalts- und Rentenkonten von knapp 190 Geldinstituten. Die jährlichen Kosten reichten dabei von kostenlos bis zu mehreren hundert Euro; bei typischer Nutzung fielen im Testmodell durchschnittliche Kosten von rund 130 Euro pro Jahr an.

Nur ein kleiner Teil der Konten war ohne weitere Bedingungen gebührenfrei. Bei anderen entfielen die Kosten erst, wenn regelmäßig Geld einging – eine Bedingung, die eine feste Rentenzahlung durchaus erfüllen kann. Neben der Grundgebühr lohnt sich ein Vergleich der Kosten für Karte, Überweisungen, Bargeldabhebungen und Kontoauszüge. Ein Wechsel ist dabei nicht automatisch die beste Lösung: Wer auf eine Filiale oder persönliche Beratung angewiesen ist, sollte zunächst beim eigenen Institut nach einem günstigeren Modell fragen.

Strom und Gas: Die Grundversorgung wird zur teuren Gewohnheit

Beim Energieverbrauch kann das Sparpotenzial am größten sein. Nach aktuellen Zahlen der Bundesnetzagentur befindet sich weiterhin etwa jeder vierte Haushalt in Deutschland in der teureren Grundversorgung, obwohl ein Wechsel meist unkompliziert möglich ist. Aktuell kommt hinzu, dass die Bundesregierung die Netzentgelte 2026 mit einem Zuschuss von 6,5 Milliarden Euro spürbar gesenkt hat – ein Effekt, der bei vielen Grundversorgern aber erst mit Verzögerung ankommt, während Wechseltarife die Entlastung teils schneller weitergeben.

Eine Verivox-Auswertung aus dem Jahr 2026 zeigt beispielhaft, wie groß der Unterschied ausfallen kann.

BereichModellverbrauchMögliches Sparpotenzial pro Jahr
Strom4.000 kWh jährlich622 Euro
Gas20.000 kWh jährlich693 Euro
Strom und GasMusterhaushalt gesamt1.315 Euro

Diese Summe ist kein pauschaler Sparbetrag, sondern hängt von Wohnort, Verbrauch, bestehendem Vertrag und verfügbaren Angeboten ab. Ein Vorteil der Grundversorgung bleibt die kurze Kündigungsfrist von grundsätzlich zwei Wochen, sodass ein Wechsel jederzeit ohne lange Bindung möglich ist.

Alte Handyverträge und vergessene Abos summieren sich

Ein in die Jahre gekommener Mobilfunkvertrag kann ebenfalls teuer werden. Nach einer Verivox-Analyse vom Januar 2026 verteuerten sich bestimmte Altverträge nach dem Auslaufen früherer Rabatte im Schnitt um mehr als 15 Euro monatlich – betroffen waren nach Angaben des Portals knapp 20 Millionen Vertragskunden bundesweit.

Wer im Ruhestand weniger unterwegs ist oder weniger mobil arbeitet, benötigt oft deutlich weniger Datenvolumen als früher. Dazu kommen Streaming-Abos, die einzeln günstig wirken, in der Summe aber schnell mehrere hundert Euro im Jahr ausmachen – vor allem, wenn ein Dienst kaum noch geöffnet wird.

Unverzinstes Geld verschenkt nach der jüngsten Zinserhöhung noch mehr

Der unauffälligste Kostenpunkt taucht auf keiner Rechnung auf: gering verzinstes Guthaben auf dem Girokonto. Mit der EZB-Leitzinserhöhung vom September 2026 ist der Abstand zwischen kaum verzinsten Tagesgeldkonten und besseren Angeboten tendenziell weiter gewachsen. Bei größeren Rücklagen kann die Differenz mehrere hundert Euro im Jahr ausmachen.

Wer beispielsweise 25.000 Euro nicht kurzfristig benötigt und bislang nahezu unverzinst liegen lässt, kann bei einer Zinsdifferenz von rund 1,5 Prozentpunkten überschlägig etwa 375 Euro mehr Zinsertrag im Jahr erzielen – bei 60.000 Euro wären es rechnerisch rund 900 Euro. Solche Durchschnittswerte lassen sich allerdings nicht eins zu eins auf ein konkretes Tagesgeldangebot übertragen, und niemand sollte die gesamte Reserve langfristig binden, nur um etwas mehr Zinsen zu erhalten. Sinnvoller ist meist eine Aufteilung zwischen einem jederzeit verfügbaren Notgroschen und länger nicht benötigtem Kapital.

Wichtig bleibt dabei die Steuer: Der Sparer-Pauschbetrag liegt bei 1.000 Euro für Alleinstehende und 2.000 Euro für gemeinsam veranlagte Ehepaare. Erst wenn die gesamten steuerpflichtigen Kapitalerträge eines Jahres darüber liegen, wird auf den übersteigenden Betrag Kapitalertragsteuer fällig. Ein Freistellungsauftrag bei der Bank verhindert, dass innerhalb des noch verfügbaren Freibetrags unnötig Steuer einbehalten wird.

Ein Rechenbeispiel aus dem Alltag

Eine 68-jährige Rentnerin prüft erstmals seit ihrem Renteneintritt ihre laufenden Ausgaben. Ihr Girokonto kostet 9,50 Euro im Monat, beim Handyvertrag zahlt sie rund 13 Euro mehr als bei einem vergleichbaren Tarif, und ein kaum genutztes Streaming-Abo schlägt mit 8 Euro monatlich zu Buche. Beim Stromanbieter findet sie ein Angebot, das für ihren Verbrauch rund 480 Euro im Jahr günstiger ist. Zusätzlich liegen 25.000 Euro, die sie kurzfristig nicht braucht, bislang nahezu unverzinst; bei einer Zinsdifferenz von 1,5 Prozentpunkten ergäbe sich daraus rechnerisch ein zusätzlicher Bruttozinsertrag von etwa 375 Euro im Jahr.

Allein aus diesen Positionen ergeben sich rund 1.220 Euro Unterschied im Jahr – ohne mögliche Einsparungen bei weiteren Versicherungen oder Abonnements. Das Beispiel zeigt zugleich, warum pauschale Versprechen von mehreren tausend Euro Ersparnis mit Vorsicht zu betrachten sind: Entscheidend bleiben immer die individuellen Verträge, der tatsächliche Verbrauch und die persönliche Lebenssituation.

Häufige Fragen zum Sparen im Ruhestand

Muss eine Berufsunfähigkeitsversicherung nach dem Renteneintritt sofort gekündigt werden?

Nein. Verbraucherschützer empfehlen, den Vertrag zunächst bis zum Beginn der Altersrente laufen zu lassen. Erst danach lohnt eine individuelle Prüfung, ob eine Kündigung oder Anpassung sinnvoll ist, insbesondere wenn eingebaute Spar- oder Vorsorgebausteine bestehen.

Wie schnell lässt sich aus der Strom-Grundversorgung wechseln?

Ein Grundversorgungsvertrag kann in der Regel mit einer Frist von zwei Wochen gekündigt werden. Damit ist ein Wechsel zu einem günstigeren Anbieter meist unkompliziert und ohne lange Vertragsbindung möglich.

Was passiert steuerlich mit Zinserträgen oberhalb des Sparer-Pauschbetrags?

Übersteigen die gesamten Kapitalerträge eines Jahres den Sparer-Pauschbetrag von 1.000 Euro (Alleinstehende) beziehungsweise 2.000 Euro (Ehepaare), wird auf den überschießenden Betrag Kapitalertragsteuer fällig. Ein Freistellungsauftrag bei der Bank kann den vorzeitigen Steuerabzug innerhalb des noch verfügbaren Freibetrags verhindern.

Lohnt sich ein Kontowechsel für jeden Rentner?

Nicht zwingend. Wer auf eine Filiale, persönliche Beratung oder bestimmte Zusatzleistungen angewiesen ist, sollte zunächst prüfen, ob das eigene Institut ein günstigeres Kontomodell anbietet, bevor ein kompletter Wechsel erfolgt.

Einschätzung der Redaktion

Aus Sicht der Redaktion zeigt das Thema ein strukturelles Problem: Viele Verträge werden einmal abgeschlossen und danach jahrelang nicht mehr hinterfragt, obwohl sich Lebensumstände, Angebote und Zinsniveau spürbar verändern. Gerade nach der jüngsten EZB-Zinserhöhung wiegt es schwerer, Guthaben unverzinst liegen zu lassen, während gleichzeitig fast jeder vierte Haushalt in der teuren Grundversorgung verharrt. Ein jährlicher, bewusster Check von Versicherungen, Konto, Energie, Mobilfunk und Geldanlage erscheint deshalb nicht als lästige Pflicht, sondern als eine der wenigen Stellschrauben, mit denen Ruheständler ihre finanzielle Situation ohne zusätzliches Einkommen spürbar verbessern können.

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