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Rente ist ungerecht: Was hinter dem Gender Pension Gap steckt – und welche Reformen Frauen im Alter endlich besser absichern können

Ungerechtigkeit bei der Rente ist in Deutschland messbar: Frauen bekommen im Schnitt deutlich weniger Altersversorgung als Männer – dieser Abstand heißt Gender Pension Gap und hat handfeste politische Ursachen. Die Politik kann die Lücke nur schließen, wenn sie Arbeitsmarkt-, Familien- und Rentenpolitik konsequent zusammendenkt und speziell die Lebensrealität von Frauen in den Blick nimmt. Hintergründe und Meinungen hierzu auf Bürger & Geld, dem Nachrichtenmagazin des Vereins Für soziales Leben e.V.!

Meinung: Warum die Rente für Frauen oft ungerecht ist

Der Gender Pension Gap beschreibt die prozentuale Differenz zwischen den gesamten Alterseinkünften von Männern und Frauen – also gesetzlichen Renten, Betriebsrenten und privater Vorsorge. In Deutschland lagen die Alterseinkünfte von Frauen zuletzt im Schnitt rund ein Viertel bis gut ein Drittel unter denen von Männern, je nach Messmethode und Datensatz.

Besonders deutlich ist: Frauen tragen einen Großteil der unbezahlten Sorgearbeit, arbeiten häufiger in Teilzeit und unterbrechen ihre Erwerbsbiografie für Kinder oder Pflege. Weil Rentenansprüche eng an Erwerbseinkommen und Beitragszeiten gekoppelt sind, übersetzt sich diese Struktur direkt in niedrigere Rentenansprüche – und damit in ein hohes Risiko weiblicher Altersarmut.

Was genau ist der Gender Pension Gap?

  • Er misst die Lücke zwischen den durchschnittlichen Alterseinkommen von Männern und Frauen in Prozent.
  • Aktuelle Analysen zeigen für Deutschland eine Rentenlücke von rund 25 bis über 30 Prozent, in älteren Kohorten bzw. bei Gesamt-Alterseinkommen wurden sogar Werte um 60 Prozent gefunden.
  • In Ostdeutschland fällt die Lücke deutlich kleiner aus als in Westdeutschland, was vor allem an der traditionell höheren Vollzeiterwerbstätigkeit von Frauen in der DDR liegt.

Der Gender Pension Gap ist damit mehr als eine statistische Größe: Er zeigt, wie sich Benachteiligungen aus dem Erwerbsleben im Alter verfestigen. Frauen leben zudem im Schnitt länger als Männer, müssen ihre geringeren Renten also über mehr Jahre strecken – die Ungleichheit verschärft sich dadurch weiter.

Ursachen: Wo die Ungleichheit bei der Rente entsteht

  • Gender Pay Gap: Frauen verdienen pro Stunde im Schnitt weniger als Männer, was sich eins zu eins in geringere Rentenbeiträge übersetzt.
  • Teilzeit und Erwerbsunterbrechungen: Mütter arbeiten überproportional oft in Teilzeit oder pausieren länger – mit massiven Einbußen bei Rentenansprüchen.
  • Unbezahlte Care-Arbeit: Kindererziehung, Pflege von Angehörigen und Hausarbeit werden nur begrenzt rentenrechtlich anerkannt, obwohl sie gesellschaftlich unverzichtbar sind.

Dazu kommt: Frauen sind seltener in leitenden Positionen oder in sehr gut bezahlten Branchen, was sowohl gesetzliche als auch betriebliche und private Vorsorge schmälert. In Summe entsteht eine strukturelle Schieflage, die aus Sicht dieser Autorin nicht mit „individuellen Entscheidungen“ erklärt werden kann, sondern mit politischen Rahmenbedingungen.

Was die Politik gegen den Gender Pension Gap tun kann

Es braucht ein Bündel an politischen Maßnahmen, das an mehreren Punkten ansetzt.

  • Lohnlücke schließen:
  • Vollzeit und gute Jobs für Frauen erleichtern:
    • Deutlich mehr und qualitativ bessere Kinderbetreuung, damit Vollzeit real möglich wird.
    • Reform von Steuer- und Transfersystemen, insbesondere des Ehegattensplittings, das Zweitverdienste (meist Frauen) unattraktiv macht.
  • Care-Arbeit rentensicher machen:
    • Bessere rentenrechtliche Bewertung von Kindererziehungs- und Pflegezeiten, auch bei längeren Unterbrechungen.
    • Modelle wie „Care-Credits“ stärken, die Sorgearbeit systematisch in Alterssicherungssysteme einspeisen.
  • Betriebliche und private Vorsorge gerechter gestalten:
    • Automatische Einbeziehung in betriebliche Altersvorsorge mit Opt-out statt Opt-in, damit gerade Frauen in Teilzeit mitversichert sind.
    • Umverteilende Elemente (z.B. höhere Förderquoten oder Zuschüsse für Geringverdienende) ausbauen, um Versorgungslücken zu verringern.
  • Absicherung auf Paarebene modernisieren:
    • Versorgungsausgleich und partielle Rententeilung auch außerhalb der Ehe bzw. bei langjährigen Lebensgemeinschaften denken.
    • Modelle der „Partnerschaftsrente“, bei denen während der Beziehung erworbene Vorsorgeansprüche automatisch geteilt werden.

Warum das Thema Rentengleichheit jetzt auf die Agenda gehört

Der Gender Pension Gap ist kein Nischenthema, sondern betrifft Millionen Frauen der Babyboomer-Generation und alle jüngeren Jahrgänge, die heute in unsicheren, oft schlecht bezahlten Jobs arbeiten. Gleichzeitig altert die Gesellschaft rasant – Altersarmut wird damit zur sozialpolitischen Schlüsselfrage der nächsten Jahrzehnte.

Wenn Politik Ungleichheit bei der Rente wirklich abbauen will, muss sie jetzt handeln und nicht erst, wenn die nächsten Generationen schon im Ruhestand sind. Eine moderne Rentenpolitik sollte dafür sorgen, dass sich Lebensleistung – ob bezahlt oder unbezahlt – im Alter fair widerspiegelt und nicht weiterhin überwiegend zu Lasten von Frauen geht.

Redakteure

  • Peter Kosick

    Jurist und Redakteur

    Peter Kosick hat an der Universität Münster Rechtswissenschaften studiert und beide juristische Staatsexamen in Nordrhein-Westfalen mit Erfolg abgelegt. Er arbeitet als freiberuflicher Jurist, ist Autor verschiedener Publikationen und hält Vorträge im Bereich Arbeits- und Sozialrecht. Seit mehr als 30 Jahren engagiert er sich im sozialen Bereich und ist seit der Gründung des Vereins "Für soziales Leben e.V." dort Mitglied. Peter Kosick arbeitet in der Online Redaktion des Nachrichtenmagazins Bürger & Geld, das der Verein herausgibt und ist der CvD. Seinen Artikeln sieht man an, dass sie sich auf ein fundiertes juristisches Fachwissen gründen.

    Peter hat ebenfalls ein Herz für die Natur, ist gern "draußen" und setzt sich für den Schutz der Umwelt ein.

    Seine Arbeit im Redaktionsteam von Bürger & Geld gibt ihm das Gefühl,  etwas Gutes für das Gemeinwohl zu tun.

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  • ik

    Sozialrechtsexperte und Redakteur

    Ingo Kosick ist ein renommierter Experte im Bereich des Sozialrechts in Deutschland. Er engagiert sich seit über 30 Jahren in diesem Feld und hat sich als führende Autorität etabliert. Als Vorsitzender des Vereins "Für soziales Leben e.V.", der 2005 in Lüdinghausen gegründet wurde, setzt er sich für die Unterstützung von Menschen ein, die von Armut und Arbeitslosigkeit betroffen sind. Der Verein bietet über das Internet Informationen, Beratung und Unterstützung für sozial benachteiligte Menschen an.

    Ingo Kosick ist zudem Autor und Redakteur beim Nachrichtenmagazin Bürger & Geld, das der Verein "Für soziales Leben e.V." herausgibt. Ingo hat sich auf Themen wie Bürgergeld, Sozialleistungen, Rente und Kindergrundsicherung spezialisiert. Seine Artikel bieten fundierte Analysen und rechtlich aufgearbeitete Informationen, die Menschen in schwierigen Lebenssituationen unterstützen sollen.

    Durch seine langjährige Erfahrung und sein Engagement hat Ingo Kosick maßgeblich dazu beigetragen, dass sozial benachteiligte Menschen in Deutschland besser informiert und unterstützt werden können.

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