Die Rentenkommission der Bundesregierung hat ihre Arbeit beendet und am 23. Juni 2026 ein Paket mit 33 Empfehlungen an Bundeskanzler Friedrich Merz und Arbeitsministerin Bärbel Bas übergeben. Im Zentrum steht eine schrittweise Kopplung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung. Den vollständigen Bericht der Kommission hat die Bundesregierung als PDF veröffentlicht. Wer heute Kind, Elternteil oder Großelternteil ist, fragt sich nun: Wann genau könnte die vielzitierte „Rente mit 70“ tatsächlich kommen, und wen trifft sie zuerst?
Was die Kommission konkret vorschlägt
Die sogenannte Alterssicherungskommission, geleitet von Frank-Jürgen Weise und Constanze Janda, hat ihre Arbeit im Januar 2026 aufgenommen und nach einem halben Jahr Beratung ihren Abschlussbericht vorgelegt. Kernidee ist ein festes Verhältnis von Erwerbs- zu Rentenphase im Verhältnis 2:1: Steigt die Lebenserwartung um ein Jahr, sollen acht Monate davon auf ein längeres Erwerbsleben entfallen und vier Monate auf eine längere Rentenzeit. Damit würde sich das Renteneintrittsalter um durchschnittlich sechs Monate erhöhen, wenn die Lebenserwartung um ein Jahr steigt.
Das Modell soll ab 2031 greifen und danach regelmäßig überprüft werden. Nach aktuellem Stand der Lebenserwartungsdaten würde die Regelaltersgrenze zwischen 2031 und 2041 schrittweise von 67 auf 67,5 Jahre steigen.
Ab wann könnte das Rentenalter wirklich steigen
Auf Basis der Faustregel, dass die Lebenserwartung seit etwa 2010 alle zehn Jahre um rund ein Jahr zunimmt, lässt sich eine grobe Orientierung für künftige Jahrgänge berechnen. Wichtig dabei: Es handelt sich um eine rechnerische Annäherung, keine amtliche Festlegung. Die tatsächliche Entwicklung hängt von echten Sterbetafeln ab, die das Statistische Bundesamt fortlaufend aktualisiert.
| Geburtsjahrgang | Mögliches Renteneintrittsalter | Mögliches Renteneintrittsjahr |
|---|---|---|
| 1968 | 67 Jahre | 2035 |
| 1973 | 67 Jahre, 3 Monate | 2040 |
| 1978 | 67 Jahre, 6 Monate | 2045 |
| 1983 | 67 Jahre, 9 Monate | 2050 |
| 1988 | 68 Jahre | 2055 |
| 1998 | 68 Jahre, 6 Monate | 2065 |
| 2008 | 69 Jahre | 2075 |
| 2014 | 69 Jahre, 6 Monate | 2081 |
Würde diese Entwicklung so fortgeschrieben, könnten erstmals Kinder, die um das Jahr 2024 geboren wurden, mit 70 Jahren in Rente gehen. Bis dahin sind allerdings noch Jahrzehnte Zeit, und die Kommission selbst betont, dass eine sinkende oder stagnierende Lebenserwartung das Eintrittsalter ebenso wieder bremsen könnte.
Frührente wird teurer
Wer früher aufhören möchte zu arbeiten, muss künftig tiefer in die Tasche greifen. Die abschlagsfreie Rente für besonders langjährig Versicherte nach 45 Beitragsjahren, bekannt als „Rente mit 63“, soll laut Empfehlung komplett gestrichen werden. An ihre Stelle soll eine sogenannte Schutzrente für langjährige Beitragszahler treten, die nur noch Menschen offensteht, die aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr in ihrem zuletzt ausgeübten Beruf arbeiten können.
Auch die Altersrente für langjährig Versicherte nach 35 Beitragsjahren soll später greifen: Die Kommission empfiehlt, das Mindestalter dafür von derzeit 63 auf 64 Jahre anzuheben und danach parallel zur Regelaltersgrenze weiter zu erhöhen.
So geht es jetzt politisch weiter
Bundeskanzler Friedrich Merz bezeichnete das Reformpaket bei der Übergabe als eines der schwierigsten Reformprojekte der laufenden Legislaturperiode und kündigte an, die 33 Empfehlungen als Gesamtpaket umsetzen zu wollen, ohne einzelne Punkte herauszulösen. Auch Arbeitsministerin Bas signalisierte breite Zustimmung. Am Freitag nach der Übergabe befasste sich der Bundestag auf Verlangen der Linksfraktion in einer Aktuellen Stunde mit den Plänen. Fraktionschef Sören Pellmann kritisierte die Kopplung an die Lebenserwartung als unsozial, da diese je nach Einkommen unterschiedlich stark steige. Die AfD-Fraktion bezeichnete einzelne Vorschläge, etwa die Einbeziehung von Politikern in die gesetzliche Rente, als sinnvoll, lehnte die Gesamtrichtung aber ab.
Ein konkretes Gesetz liegt bislang nicht vor. Die Bundesregierung will das Reformpaket im parlamentarischen Verfahren nach der Sommerpause 2026 behandeln, ein Inkrafttreten wird für Anfang 2027 angestrebt. Bis ein Gesetz tatsächlich beschlossen ist, bleiben alle Zahlen in diesem Artikel vorläufige Rechenwerte auf Basis der Kommissionsempfehlungen, nicht geltendes Recht.
FAQ zur Rente mit 70
Wann genau würde die Rente mit 70 kommen
Nach den aktuellen Modellrechnungen frühestens für Menschen, die um das Jahr 2024 herum geboren wurden, und damit erst gegen Ende des 21. Jahrhunderts. Für alle heute Berufstätigen bleibt es zunächst bei einer Anhebung in deutlich kleineren Schritten bis maximal 67,5 oder 68 Jahre.
Ist die Rente mit 63 schon abgeschafft
Nein. Es handelt sich bislang um eine Empfehlung der Rentenkommission, kein beschlossenes Gesetz. Die Bundesregierung muss die Vorschläge erst noch in einen Gesetzentwurf gießen und durch Bundestag und Bundesrat bringen.
Betrifft die Reform auch heutige Rentnerinnen und Rentner
Nein. Eine Anhebung des Renteneintrittsalters gilt grundsätzlich nur für künftige Jahrgänge, die das jeweilige Mindestalter noch nicht erreicht haben. Wer bereits Rente bezieht, ist von dieser konkreten Maßnahme nicht betroffen.
Wie sicher sind die Berechnungen in der Tabelle
Sie basieren auf der Annahme, dass die Lebenserwartung weiter wie in den vergangenen Jahren steigt. Das ist nicht garantiert. Steigt die Lebenserwartung langsamer oder gar nicht, würde laut Kommissionsvorschlag auch das Renteneintrittsalter nicht oder nur langsamer angehoben.

