Rente reformieren: Wie sicher ist Altersvorsorge mit Aktien wirklich?

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Politik und Finanzbranche preisen Aktien als Lösung für die Rentenlücke – doch wie viel Börse verträgt deine Altersvorsorge wirklich? Der nachfolgende Artikel auf Bürger & Geld, dem News-Magazin des Vereins Für soziales Leben e.V., erklärt, warum die gesetzliche Rente ohne Reform und eigene Vorsorge kaum ausreicht, wie das staatliche Generationenkapital funktioniert, welche Chancen breit gestreute ETFs bieten und mit welchen Regeln du das Risiko so begrenzt, dass Aktien ein stabiler Baustein für deine Rente werden können statt ein Zock am Markt.

Warum die Rente reformiert werden soll

Deutschland wird älter: Auf immer mehr Rentner kommen immer weniger Beitragszahler. Gleichzeitig hat die Politik zugesagt, das Rentenniveau bis mindestens 2039 bei 48 % des Durchschnittslohns zu stabilisieren – das kostet Milliarden und treibt die Beitragssätze nach oben.

Die Bundesregierung setzt deshalb auf drei Hebel:

  • Beiträge steigen moderat weiter (bis etwa 22 % um 2035).
  • Der Bundeszuschuss aus Steuermitteln wächst.
  • Neu: Kapitalmarkt-Erträge sollen einen Teil der Lücke schließen („Aktienrente“, „Generationenkapital“).

Parallel dazu will Kanzler Friedrich Merz die gesetzliche Rente langfristig nur noch als einen Baustein sehen und die Bedeutung privater und betrieblicher Vorsorge deutlich erhöhen – ein „Paradigmenwechsel“ hin zu mehr Kapitaldeckung.

Was hinter Aktienrente und Generationenkapital steckt

Mit der sogenannten Aktienrente bzw. dem Generationenkapital baut der Staat einen Fonds auf, der Milliarden am Kapitalmarkt anlegt.

Kernpunkte:

  • Eine Stiftung („Generationenkapital“) nimmt langfristige Kredite auf und investiert sie weltweit in Aktien und andere Wertpapiere.
  • Bis Mitte der 2030er-Jahre sollen rund 200 Mrd. Euro investiert sein.
  • Ab etwa 2036 fließen die Erträge (geschätzt rund 10 Mrd. Euro pro Jahr) in die Rentenkasse, um den Beitragssatzanstieg abzufedern und das Rentenniveau zu stützen.

Wichtig:

  • Das Generationenkapital ersetzt nicht die gesetzliche Rente, sondern ist nur ein zusätzliches Finanzierungsstandbein.
  • Politisch umstritten bleiben Schuldenaufnahme, Anlagerisiken und die Frage, ob sich der Effekt auf Beiträge und Renten überhaupt deutlich bemerkbar macht.

Sind Aktien für die private Altersvorsorge „sicher“?

„Sicher“ im Sinne von garantiert sind Aktien nie – sie schwanken, bis hin zu Crashs. Trotzdem zeigen langfristige Daten: Über Zeiträume von 15–20 Jahren und länger haben breit gestreute Aktienportfolios historisch sehr hohe Chancen auf positive Realrenditen.

Zentrale Punkte aus Studien und Analysen:

  • Weltweite Aktienindizes (z.B. MSCI World, S&P 500) haben langfristig durchschnittlich rund 6 % Rendite pro Jahr gebracht, real nach Inflation etwa 4 %.
  • In schlechten Phasen lagen die langfristigen Durchschnittsrenditen eher bei 4 %, in guten bei 8 % pro Jahr.
  • Ein langer Anlagehorizont (15+ Jahre) reduziert das Risiko, mit Verlust auszusteigen, deutlich.

Daraus ergibt sich heute ein weitgehend geteilter Konsens:

  • Für den Renditebaustein der Altersvorsorge sind breit gestreute Aktien-ETFs sehr geeignet.
  • „Sicherheit“ entsteht nicht durch Verzicht auf Schwankungen, sondern durch Zeit, breite Streuung und einen zusätzlichen Sicherheitsbaustein (Tagesgeld, Anleihen).

Wie du Aktien sinnvoll in deine Altersvorsorge einbaust

Praktische Grundregeln aus Verbraucher- und Expertenratgebern:

  1. Gesetzliche Rente als Basis einplanen
    • Sie bleibt die wichtigste lebenslange Grundabsicherung – trotz Reformen.
    • Sichtbar wird sie in deiner Renteninformation; die Lücke zum gewünschten Bedarf ist dein Vorsorgeziel.
  2. Renditebaustein mit Aktien-ETF
    • Faustregel vieler Finanzexperten: Rund 10–15 % des Nettoeinkommens langfristig in einen breit gestreuten Aktien-ETF (z.B. Welt-ETF) investieren.
    • Je länger der Anlagehorizont bis zur Rente, desto höher darf der Aktienanteil sein. Mit zunehmendem Alter allmählich Risiko senken (z.B. Umschichten in sichere Anlagen).
  3. Sicherheitsbaustein nicht vergessen
    • Kurzfristige Rücklagen (3–6 Monatsgehälter) gehören auf Tagesgeld, nicht an die Börse.
    • Dieser Puffer verhindert, dass du in einem Crash gezwungen bist, mit Verlust Aktien zu verkaufen.
  4. Kosten und Produkte prüfen
    • Bevorzuge kostengünstige ETFs statt teurer aktiv gemanagter Fonds oder undurchsichtiger Versicherungsprodukte.
    • Staatliche Fördermodelle (Riester-Nachfolger, neue Fondsspar-Modelle) genau auf Kosten, Flexibilität und Garantien prüfen.

Fazit: Rente reformieren – mit, nicht gegen Aktien

Die deutsche Rente wird reformiert, weil Demografie und Kosten das umlagefinanzierte System allein überfordern. Aktien sind dabei kein Allheilmittel, aber ein notwendiger Bestandteil, um Erträge über der Inflation zu erzielen – sowohl im staatlichen Generationenkapital als auch im privaten Depot.

„Sicher“ wird Altersvorsorge nicht durch den Verzicht auf Aktien, sondern durch eine Kombination aus stabiler gesetzlicher Rente, klugem Risiko-Mix im Depot und genügend Zeit, Schwankungen an der Börse auszusitzen.

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