Das Statistische Bundesamt weist für das Jahr 2024 aus: 65‑jährige Frauen leben im Schnitt noch 21,2 Jahre, 65‑jährige Männer noch etwa 18,0 Jahre. Die Deutsche Rentenversicherung bestätigt parallel, dass sich die durchschnittliche Rentenbezugsdauer seit den 1970er‑Jahren deutlich verlängert hat – inzwischen beziehen Frauen im Schnitt gut 22 Jahre, Männer knapp 19 Jahre lang eine Versichertenrente. Im folgenden Artikel auf Bürger & Geld, dem Nachrichtenmagazin des Vereins Für soziales Leben e. V., werden die aktuellen Daten von Destatis, Deutscher Rentenversicherung und Bundeszentrale für politische Bildung ausgewertet. Wir erklären, wie viele Jahre Ruhestand realistisch sind – und was das für die persönliche Planung bedeutet!
Wie lange dauert der Ruhestand im Durchschnitt?
Die Dauer des Ruhestands, also des Bezugs der Rente, ergibt sich im Kern aus zwei Faktoren: dem durchschnittlichen Renteneintrittsalter und der verbleibenden Lebenserwartung ab diesem Zeitpunkt. Nach aktuellen Zahlen gehen Frauen und Männer heute im Schnitt knapp vor 65 Jahren in Rente – das durchschnittliche Zugangsalter liegt bei rund 64,7 Jahren für Männer und 64,9 Jahren für Frauen.
Laut Rentenatlas 2024 beträgt die durchschnittliche Rentenbezugsdauer bei Versichertenrenten derzeit rund 18,9 Jahre für Männer und etwa 22,1 Jahre für Frauen. Das heißt:
- Wer heute in Rente geht, hat statistisch knapp zwei Jahrzehnte Ruhestand vor sich – Frauen deutlich mehr als Männer.
- Im Vergleich zu 1980 hat sich der Zeitraum, in dem Altersrenten bezogen werden, um rund acht Jahre verlängert.
Beispielrechnung: Rentenbeginn 65
Ausgehend von der aktuellen Sterbetafel 2022/2024 von Destatis gilt:
- 65‑jährige Frauen: verbleibende Lebenserwartung etwa 21,2 Jahre → durchschnittlicher Ruhestand bis rund 86.
- 65‑jährige Männer: verbleibende Lebenserwartung etwa 18,0 Jahre → durchschnittlicher Ruhestand bis etwa 83.
Daraus ergibt sich: Wer mit 65 Jahren in Rente geht, kann im Schnitt mit knapp 18 bis gut 21 Jahren Rentenbezug rechnen – je nach Geschlecht, Gesundheitszustand und Erwerbsbiografie kann der tatsächliche Wert individuell stark abweichen.
Verschiebung des Rentenalters – was bedeutet das für die „Rentenjahre“?
Seit 2012 wird die Regelaltersgrenze schrittweise von 65 auf 67 Jahre angehoben (§ 35, § 235 SGB VI; RV‑Altersgrenzenanpassungsgesetz). Für die Jahrgänge ab 1964 bedeutet das: Regulär gibt es die gesetzliche Altersrente erst mit 67 Jahren.
Gleichzeitig steigt die Lebenserwartung weiter an, nachdem sie während der Corona‑Jahre vorübergehend stagnierte. In der Praxis heißt das:
- Späterer Rentenbeginn (z.B. 67 statt 65) verkürzt zunächst die Jahre im Ruhestand.
- Eine steigende Lebenserwartung kann diesen Effekt teilweise wieder ausgleichen – je nach Tempo des Anstiegs.
Beispielrechnung mit heutigem Niveau:
- Ausgangspunkt: 65‑jähriger Mann, restliche Lebenserwartung 18,0 Jahre.
- Geht derselbe Mann erst mit 67 in Rente, bleiben – bei unveränderter Lebenserwartung – rechnerisch rund 16 Jahre Ruhestand.
- Steigt die Lebenserwartung bis dahin jedoch um zwei bis drei Jahre, kann der Ruhestand trotz späterem Einstieg wieder bei 18 Jahren oder mehr liegen.
Unserer Experte für Rente, Ingo Kosick, fasst zusammen: „Die Frage ‚Wie lange habe ich etwas von der Rente?‘ wird künftig stärker von der Dynamik der Lebenserwartung bestimmt sein als vom exakten Rentenbeginnjahr – entscheidend ist das Zusammenspiel.“
Große Unterschiede nach Geschlecht, Region und Rentenart
Die Durchschnittswerte verdecken erhebliche Unterschiede, die für die individuelle Planung entscheidend sein können. Drei Faktoren stechen heraus:
- Geschlecht
- Region
- Im Bundesdurchschnitt erhalten Frauen rund 22 Jahre, Männer knapp 19 Jahre Rente.
- In Ostdeutschland liegen die Bezugsdauern bei beiden Geschlechtern etwas höher als in Westdeutschland, was unter anderem mit Erwerbsbiografien und Lebenserwartung zusammenhängt.
- Rentenart
- Altersrenten werden meist über längere Zeiträume bezogen.
- Erwerbsminderungsrenten beginnen zwar früher, werden aber häufig über kürzere Zeiträume gezahlt, da sie oft mit schwereren Erkrankungen und geringerer Lebenserwartung einhergehen.
Konkretes Beispiel:
- Eine Frau, Jahrgang 1960, geht mit 64 in Altersrente und erreicht das durchschnittliche Lebensalter von rund 84 Jahren → etwa 20 Jahre Ruhestand.
- Ein Mann, Jahrgang 1960, der wegen Erwerbsminderung bereits mit 60 in Rente geht, kann trotz längerer Bezugsdauer im Einzelfall weniger „gesunde“ Jahre im Ruhestand erleben, wenn die zugrundeliegende Erkrankung schwer ist.
Insider-Detail: Wie intern mit der „Rentenbezugsdauer“ kalkuliert wird
Ein wenig beachtetes Detail: Für versicherungsmathematische Berechnungen, etwa die Barwertfaktoren von Leibrenten oder die langfristigen Finanzperspektiven der gesetzlichen Rentenversicherung, werden spezielle Sterbetafeln (z.B. Sterbetafel 2022/2024) verwendet. Diese Tabellen bilden nicht nur die heutige Lebenserwartung ab, sondern enthalten implizit Annahmen zur künftigen Sterblichkeitsentwicklung – also dazu, wie stark die Lebenserwartung weiter steigt.
Intern arbeitet die Rentenversicherung mit unterschiedlichen Szenarien, die jeweils unterstellen, wie viele Jahre Ruhestand ein durchschnittlicher Versicherter voraussichtlich hat. Diese Szenarien fließen in politische Debatten ein, etwa wenn diskutiert wird, ob das Renteneintrittsalter weiter steigen sollte, um Beitragssätze stabil zu halten. Für die Öffentlichkeit sichtbar werden diese Überlegungen meist erst in Gutachten der Bundesbank, des Sachverständigenrats oder wissenschaftlicher Beiräte, in denen ausdrücklich auf die steigende Rentenbezugsdauer als finanzielle Herausforderung hingewiesen wird.
Was bedeutet das für die persönliche Planung?
Der Blick auf die Statistik ersetzt keine individuelle Vorsorgeplanung – liefert aber wichtige Orientierungsgrößen. Wer heute Mitte 40 oder Anfang 50 ist, sollte aus den Daten vor allem drei Schlussfolgerungen ziehen:
- Ruhestand von 18 bis 22 Jahren ist für die meisten Jahrgänge realistisch – genug Zeit, um finanzielle Planungslücken schmerzhaft zu spüren, aber auch eine Chance auf eine lange aktive Phase nach dem Berufsleben.
- Wer früher in Rente gehen möchte (z.B. mit 63), muss mit Abschlägen und einer längeren Finanzierungsstrecke rechnen (§ 34 SGB VI; Abschlag 0,3 Prozent je Monat).
- Private und betriebliche Vorsorge werden wichtiger, um einen Ruhestand von zwei Jahrzehnten zu finanzieren, insbesondere bei steigenden Lebenshaltungskosten und möglichen weiteren Anpassungen der gesetzlichen Rentenaltersgrenze.
Ein einfaches Beispiel verdeutlicht die Dimension:
- Monatliche Nettorente: 1.500 Euro.
- Rentenbezugsdauer: 20 Jahre.
- Gesamtsumme der Rentenzahlungen: rund 360.000 Euro (ohne Rentenanpassungen).
Einordnung der Redaktion: Die Frage „Wie lange hat man etwas von der Rente?“ fällt im Schnitt positiv aus – der Ruhestand ist heute deutlich länger als vor 30 oder 40 Jahren. Gleichzeitig wächst der Druck auf das System, was erklärt, warum die Debatte über längeres Arbeiten und eine mögliche Anhebung des Rentenalters an Schärfe gewinnt.
Quellen
- Deutsche Rentenversicherung, Rentenatlas 2024/2025: „Die Dauer des Rentenbezugs“.
- Statistisches Bundesamt (Destatis) / Sterbetafel 2022/2024: Lebenserwartung ab 65 Jahren.
- Bundeszentrale für politische Bildung (bpb): Altersrenten und Altersgrenzen in der gesetzlichen Rentenversicherung.
- Bundesbank: Analysen zur durchschnittlichen Rentenbezugsdauer und zu langfristigen Perspektiven der gesetzlichen Rentenversicherung.

