Rentenerhöhung 2026: Warum am Ende weniger ankommt, als viele erwarten

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Die Rentenerhöhung 2026 fällt voraussichtlich niedriger aus als viele Schlagzeilen versprochen haben – und nach Steuern sowie Krankenkassenbeiträgen bleibt netto deutlich weniger übrig als die oft genannten 3,7 Prozent. Entscheidend ist: Die 3,3–3,7 Prozent sind ein Bruttowert, der durch höhere Beiträge und mögliche Steuerpflicht spürbar „aufgefressen“ wird.

Offizieller Stand: Wie viel Rente plus es 2026 gibt

Die aktuellen Prognosen zur Rentenerhöhung 2026 schwanken je nach Quelle leicht:

  • Rentenversicherungsbericht 2024: plus rund 3,37 Prozent ab 1. Juli 2026.
  • Neuere Entwürfe und Medienberichte: Erhöhung von rund 3,7 Prozent möglich.

Beispiele für die Brutto‑Erhöhung bei 3,7 Prozent:

  • 1.000 Euro Rente → 1.037 Euro (Plus 37 Euro).
  • 1.500 Euro Rente → 1.556 Euro (Plus 56 Euro).
  • 2.000 Euro Rente → 2.074 Euro (Plus 74 Euro).

Der aktuelle Rentenwert von 40,79 Euro je Entgeltpunkt (seit Juli 2025) würde damit auf etwa 42,17–42,30 Euro steigen. Die endgültige Zahl legt die Bundesregierung aber erst im Frühjahr 2026 fest.

Warum netto viel weniger ankommt

Bruttorente ist das eine – entscheidend ist, was netto auf dem Konto ankommt. Drei Faktoren schmälern das Plus:

  1. Kranken‑ und Pflegeversicherung
    Auf jede Erhöhung werden Beiträge zur gesetzlichen Kranken‑ und Pflegeversicherung fällig. Beispielrechnung (vereinfacht, nur KV‑Anteil betrachtet):
  • Bruttorente vor Erhöhung: 1.500 Euro.
    • 3,7 Prozent = + 56 Euro → neue Bruttorente: 1.556 Euro.
  • Krankenversicherung inklusive Zusatzbeitrag ca. 7,3 Prozent von 1.556 Euro ≈ 114 Euro.

Von den 56 Euro Brutto‑Plus bleiben nach Abzügen nur etwa 34 Euro netto, also effektiv rund 2,6 Prozent statt 3,7 Prozent.

  1. Steuerfalle durch höheren Bruttobetrag
  • Für Neurentner 2026 sind 84 Prozent der gesetzlichen Rente steuerpflichtig, ältere Jahrgänge haben zwar einen persönlichen Freibetrag, aber jeder Euro Brutto‑Plus erhöht den steuerpflichtigen Teil.
  • Wer mit der bisherigen Rente knapp unter dem Grundfreibetrag lag, kann durch die Erhöhung über die Grenze rutschen und muss dann erstmals Einkommensteuer zahlen – oder höhere Vorauszahlungen leisten.
  1. Inflation
    Auch wenn die prognostizierte Rentenerhöhung leicht über der erwarteten Inflationsrate von etwa 2–2,3 Prozent liegt, frisst die Teuerung einen Teil des Netto‑Plus wieder auf. Real bleibt nur ein bescheidenes Kaufkraft‑Plus übrig.

Beispielrechnungen: So viel bleibt 2026 wirklich übrig

Zur Orientierung einige vereinfachte Szenarien (ohne individuelle Besonderheiten wie Kirchensteuer, Pflegegrad, Steuerklassen):

Beispiel 1: 1.000 Euro Bruttorente

  • Brutto: 1.000 Euro → +3,7% = 1.037 Euro.
  • KV/PV‑Abzüge (ca. 11 Prozent zusammen) auf die Erhöhung von 37 Euro ≈ 4 Euro.
  • Netto‑Plus: etwa 33 Euro, also gut 3,3 Prozent, wenn keine Steuer anfällt.

Beispiel 2: 1.500 Euro Bruttorente (typische Durchschnittsrente)

  • Brutto: 1.500 Euro → +3,7% = 1.556 Euro (Plus 56 Euro).
  • KV (~7,3 Prozent) und PV (~3,4 Prozent) auf die Erhöhung: grob 6–7 Euro Abzüge.
  • Netto‑Plus: etwa 34–40 Euro, je nach Kasse und Pflegebeitrag – effektiv nur rund 2,5–2,7 Prozent.

Bei Rentnern, die bereits steuerpflichtig sind, kann nach der Steuerabrechnung noch weniger übrig bleiben.

Beispiel 3: 2.000 Euro Bruttorente (mit Steuerpflicht)

  • Brutto: 2.000 Euro → +3,7% = 2.074 Euro (Plus 74 Euro).
  • KV/PV auf die Erhöhung: etwa 8–9 Euro.
  • Bleiben rund 65 Euro vor Steuern.
  • Liegt der steuerpflichtige Anteil der Rente bereits über dem Grundfreibetrag, kann ein Teil des Plus über Einkommensteuer wieder verschwinden – netto bleiben oft nur 40–50 Euro.

Warum Rentner von „weniger als angekündigt“ sprechen

Viele Medien hatten früh von 3,37 Prozent aus dem Rentenversicherungsbericht berichtet; später tauchten Zahl von 3,7 oder 3,73 Prozent auf, ohne klar zwischen Prognose und Beschluss zu unterscheiden.

Zudem erleben Rentner drei „Dämpfer“:

  • Die früh verbreitete 3,73‑Prozent‑Zahl ist nur eine Hochrechnung – die Bundesregierung kann im Frühjahr einen geringeren Satz beschließen, wenn die Lohnentwicklung 2025 schlechter ausfiel.​
  • Selbst wenn 3,7 Prozent kommen, werden viele in ihren Bescheiden nur eine deutlich geringere Netto‑Steigerung sehen.
  • Gleichzeitig steigen Zusatzbeiträge in der Krankenversicherung und andere Lebenshaltungskosten, was das subjektive Gefühl verstärkt, „von der Erhöhung bleibt nichts übrig“.

Was Sie jetzt tun sollten

  1. Bescheid im Juni genau prüfen
    Ab Mitte Juni 2026 verschickt die Deutsche Rentenversicherung die Rentenanpassungsbescheide. Prüfen Sie:
  • Bruttorente vor / nach der Erhöhung.
  • Abzüge für Kranken‑ und Pflegeversicherung.
  • Voraussichtliche Steuerpflicht (ggf. mit Steuerberater oder Lohnsteuerhilfe).
  1. Steuerpflicht im Blick behalten
  • Vergleichen Sie Ihre Jahresbruttorente mit dem Grundfreibetrag 2026 (12.348 Euro für Alleinstehende).
  • Liegen Sie drüber, kann eine Steuererklärung Pflicht werden – früh informieren lohnt sich.
  1. Krankenkassenbeitrag beobachten
  • Zusatzbeiträge können je nach Kasse variieren; ein Kassenwechsel kann die Netto‑Rente etwas entlasten.
  1. Nebenjob und Aktivrente abwägen
  • Wer über der Regelaltersgrenze liegt, kann von Aktivrenten‑Regeln und begünstigtem Hinzuverdienst profitieren und so reale Mehrbeträge erzielen, die über die bloße Rentenerhöhung hinausgehen.

Unterm Strich gilt: Die Rentenerhöhung 2026 bringt Ihnen auf dem Papier vermutlich um die 3,3–3,7 Prozent Brutto, aber netto bleiben oft nur gut 2,5 bis 3 Prozent, teilweise noch weniger. Wer seine Bescheide kennt, Steuern und Beiträge einplant und gegebenenfalls nachjustiert (Kasse, Nebenjob, Freibeträge), verhindert Frust – und holt aus der Erhöhung heraus, was wirklich drin ist.

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