„Die monatliche Rentenhöhe ergibt sich aus einer einfachen Formel: Entgeltpunkte mal Rentenwert – alles andere sind Details.“ So beschreibt es die Deutsche Rentenversicherung in ihrer offiziellen Informationsseite „Wie wird meine Rente berechnet?“. In achfolgendem Artikel auf Bürger & Geld, dem News-Magazin des Vereins Für soziales Leben e.V, finden sich auf Basis dieser Formel und der aktuellen Rentenwerte für 2025/2026 mehrere Beispielrechnungen und eine große Übersicht, erstellt nach Verdienst und Beitragszeiten.
So wird die Rente 2026 berechnet – die Kurzformel
Rein formal lautet die Rentenformel:
Monatliche Rente = Entgeltpunkte × Zugangsfaktor × aktueller Rentenwert × Rentenartfaktor.
Für die klassische Altersrente zur Regelaltersgrenze gilt: Der Zugangsfaktor beträgt 1, der Rentenartfaktor ebenfalls 1. Entscheidend sind damit in der Praxis zwei Stellschrauben:
Erstens die Entgeltpunkte, die sich aus dem Verhältnis des eigenen Jahresbruttoeinkommens zum Durchschnittsentgelt aller Versicherten ergeben. Zweitens der aktuelle Rentenwert, der zum 1. Juli 2025 auf 40,79 Euro festgelegt wurde und nach Prognosen zum 1. Juli 2026 um rund 3,7 Prozent steigen soll.
Ein Jahr mit exakt durchschnittlichem Einkommen bringt einen Entgeltpunkt, ein Jahr mit der Hälfte des Durchschnitts bringt 0,5 Punkte, das Doppelte bringt 2 Punkte – allerdings nur bis zur Beitragsbemessungsgrenze.
Annahmen für die große Übersicht: Stand 2025/2026
Um die Rentenhöhe für verschiedene Verdienste und Beitragszeiten vergleichbar zu machen, arbeitet die Redaktion mit folgenden, an offizielle Werte angelehnten Annahmen:
- Durchschnittsentgelt 2025: rund 50.493 Euro.
- Aktueller Rentenwert bis 30.6.2026: 40,79 Euro pro Entgeltpunkt.
- Prognostizierter Rentenwert ab 1.7.2026: etwa 42,30 Euro pro Entgeltpunkt (bei rund 3,7 Prozent Rentenerhöhung).
- Es wird die Bruttorente bei Rentenbeginn zur Regelaltersgrenze ohne Abschläge betrachtet, Altersrente (Rentenartfaktor 1, Zugangsfaktor 1).
Die Werte sind gerundete Beispielrechnungen – individuelle Faktoren wie Kindererziehungszeiten, Zeiten der Arbeitslosigkeit, Teilzeitphasen oder Zuschläge für Erwerbsminderungsrenten sind darin nicht enthalten.
Große Beispiel-Tabelle: Rente nach Einkommen und Beitragsjahren
Ausgangspunkt ist das Verhältnis des Jahreseinkommens zum Durchschnittsentgelt. Daraus ergeben sich pro Jahr Entgeltpunkte, die über 30, 35 oder 45 Beitragsjahre kumuliert werden. Multipliziert man diese Punktesumme mit dem Rentenwert 40,79 Euro (Stand Mitte 2025), ergeben sich folgende Richtwerte:
| Brutto-Jahresverdienst (gerundet) | Entgeltpunkte pro Jahr (ca.) | EP bei 30 Jahren | Bruttorente ca. (30 J.) | EP bei 35 Jahren | Bruttorente ca. (35 J.) | EP bei 45 Jahren | Bruttorente ca. (45 J.) |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 20.000 € | 0,40 | 12 | 490 € | 14 | 571 € | 18 | 734 € |
| 30.000 € | 0,60 | 18 | 734 € | 21 | 856 € | 27 | 1.101 € |
| 40.000 € | 0,79 | 23,7 | 967 € | 27,7 | 1.131 € | 35,6 | 1.452 € |
| 50.500 € (etwa Durchschnitt) | 1,00 | 30 | 1.224 € | 35 | 1.427 € | 45 | 1.836 € |
| 65.000 € | 1,29 | 38,7 | 1.579 € | 45,2 | 1.843 € | 58,1 | 2.371 € |
Berechnungslogik: Jahresverdienst geteilt durch rund 50.500 Euro ergibt die Entgeltpunkte pro Jahr; multipliziert mit der Zahl der Beitragsjahre ergibt das die Gesamtpunkte. Diese werden mit 40,79 Euro Rentenwert pro Punkt multipliziert.
Ein interner Rentenexperte bringt es gegenüber unserer Redaktion so auf den Punkt: „Wer 45 Jahre lang ungefähr den Durchschnittslohn verdient, landet grob im Bereich von 1.800 bis 1.900 Euro Bruttorente – alles darunter und darüber skaliert fast linear mit den Entgeltpunkten.“
Welche Rolle die Rentenerhöhung 2026 spielt
Die ab Juli 2026 erwartete Rentenerhöhung von etwa 3,7 Prozent wirkt direkt über den steigenden Rentenwert. Statt 40,79 Euro würde ein Entgeltpunkt dann rund 42,30 Euro bringen.
Beispiel:
- 30 Entgeltpunkte (z.B. 30 Jahre Durchschnittsverdienst) ergeben vor der Erhöhung etwa 1.224 Euro Bruttorente.
- Nach der Erhöhung wären es rund 1.269 Euro – ein Plus von 45 Euro im Monat.
Auch für Erwerbstätige, die erst 2027 oder später in Rente gehen, ist der steigende Rentenwert relevant: Jeder bereits erworbene Entgeltpunkt wird automatisch mit dem dann gültigen, höheren Rentenwert multipliziert.
Insider-Detail: Kleine Stellschrauben mit großer Wirkung
Ein Punkt, den Fachberater immer wieder betonen, findet sich selten in einfachen Ratgeberartikeln: Der sogenannte Zugangsfaktor. Er beträgt nur dann 1,0, wenn die Rente zur Regelaltersgrenze in Anspruch genommen wird. Für jeden Monat des vorzeitigen Rentenbeginns fällt der Zugangsfaktor leicht unter 1 – bei regulär 0,3 Prozent Abschlag pro Monat, also bis zu 14,4 Prozent bei maximal 4 Jahren Vorziehen.
Das bedeutet: Wer beispielsweise 45 Entgeltpunkte angesammelt hat (theoretische Bruttorente rund 1.836 Euro), aber drei Jahre früher mit Abschlägen in Rente geht, muss mit dauerhaft knapp 300 Euro weniger im Monat rechnen. In der Formel erscheint das nur als kleine Veränderung zwischen 1,0 und 0,892, in der Praxis sind es tausende Euro weniger Lebenszeitrente – ein Detail, das in Beratungen der Deutschen Rentenversicherung regelmäßig für Überraschung sorgt.
Ein weiterer Insider-Punkt: Durch freiwillige Beiträge in einzelnen Jahren können gezielt zusätzliche Entgeltpunkte aufgebaut werden, etwa um Lücken bei Selbständigen oder längeren Auslandsaufenthalten zu schließen. Kanzleien und Finanzplaner weisen darauf hin, dass insbesondere kurz vor Rentenbeginn eine gezielte Zukaufsstrategie wirtschaftlich sinnvoll sein kann – vorausgesetzt, die Lebenserwartung und die eigene Finanzlage sprechen dafür.
Einordnung der Redaktion: Für wen sich ein genauer Blick lohnt
Die große Übersicht zeigt: Entscheidend sind nicht einzelne Jahre mit sehr hohem Einkommen, sondern ein stabiler Versicherungsverlauf über Jahrzehnte. Wer lange in Teilzeit oder im Niedriglohnsektor gearbeitet hat, landet selbst mit 40 Beitragsjahren oft deutlich unter 1.200 Euro Bruttorente.
Gleichzeitig kann die Kombination aus Kindererziehungszeiten, Pflegezeiten und freiwilligen Beiträgen die Entgeltpunkte spürbar erhöhen – gerade für Menschen mit unterbrochenen Erwerbsbiografien. Offizielle Rentenauskünfte der Deutschen Rentenversicherung, ergänzt um unabhängige Beratung, werden damit zur zentralen Grundlage jeder seriösen Altersplanung.
Unsere Experten-Einschätzung: Wer heute zwischen 45 und 60 Jahre alt ist, sollte die eigene Renteninformation mindestens einmal mit einem Fachberater durchgehen, um Lücken zu identifizieren und gezielt zu schließen – die Spielräume über Entgeltpunkte, Zugangsfaktor und zusätzlichen Beiträgen sind größer, als viele erwarten.
