Rentenreform in Österreich: 1.250 statt 2.000 Euro Freibetrag für Rentner

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Seit Januar 2026 dürfen Beschäftigte im Rentenalter in Deutschland bis zu 2.000 Euro im Monat steuerfrei verdienen. Grundlage ist das Aktivrentengesetz. Mit der Rentenreform in Österreich zieht Wien zum 1. Januar 2027 nach, setzt den Freibetrag aber deutlich niedriger an. Für Ältere mit knapper Rente macht dieser Unterschied am Monatsende viel aus.

Was die Rentenreform in Österreich für arbeitende Ältere bringt

Der österreichische Nationalrat hat die sogenannte Aktivpension am 23. September 2026 mit den Stimmen der Koalitionsparteien beschlossen. Ab dem 1. Januar 2027 bleibt Erwerbseinkommen nach Erreichen des gesetzlichen Pensionsalters bis zu 1.250 Euro im Monat steuerfrei. Aufs Jahr gerechnet sind das höchstens 15.000 Euro. Im Gesetz heißt die Regel „Aktivitätsfreibetrag“.

Den Freibetrag bekommen Beschäftigte, die ihren Pensionsantritt aufschieben, und Menschen, die neben der Pension einen Job haben. Auch Selbstständige profitieren. Voraussetzung sind 40 Versicherungsjahre. Für Frauen gibt es eine Übergangsregel. Ihr Pensionsalter steigt derzeit schrittweise, deshalb liegt die Schwelle anfangs bei 34 Jahren und wächst bis 2033.

Ein zweiter Teil des Pakets betrifft die Sozialversicherung. Beschäftigte im Pensionsalter zahlen künftig keine Beiträge mehr zur Pensionsversicherung. Selbstständige tragen nur noch den fiktiven Arbeitgeberanteil.

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Aus der Opposition kam deutliche Kritik. Die FPÖ bemängelte, dass Langzeitversicherte, die nach 45 Jahren schon vor 65 in Pension gehen, vom Steuerbonus nichts haben. Die Grünen sprachen von einem Zweiklassensteuersystem, weil gleich hohe Löhne je nach Alter unterschiedlich besteuert werden.

Aktivpension und Aktivrente im Vergleich

Deutschland hat das Prinzip ein Jahr früher eingeführt. Die Aktivrente gilt seit dem 1. Januar 2026 für Menschen, die die Regelaltersgrenze erreicht haben und sozialversicherungspflichtig beschäftigt sind. Selbstständige sind in Deutschland außen vor, in Österreich nicht.

Ein Rechenbeispiel zeigt den Abstand. Ein 67-jähriger Hausmeister verdient mit 25 Wochenstunden 2.300 Euro brutto im Monat. In Deutschland bleiben davon 2.000 Euro steuerfrei, nur 300 Euro gehen in die Steuerberechnung ein. Nach österreichischem Modell wären 1.250 Euro frei und 1.050 Euro steuerpflichtig. Wer dagegen 1.100 Euro im Monat dazuverdient, liegt in beiden Ländern komplett unter der Grenze. Die Rente selbst wird in beiden Fällen weiter normal besteuert.

Deutschland: AktivrenteÖsterreich: Aktivpension
Start1. Januar 20261. Januar 2027
Steuerfrei pro Monatbis 2.000 Eurobis 1.250 Euro
Steuerfrei pro Jahrbis 24.000 Eurobis 15.000 Euro
Selbstständigeausgenommeneingeschlossen
Mindestversicherungszeitkeine solche Bedingung40 Versicherungsjahre (Frauen übergangsweise weniger)

Zukunftsdepot: 500 Euro Startbonus für Kinder ab Jahrgang 2027

Der zweite Baustein der Rentenreform in Österreich richtet sich an Familien. Die Regierungsspitze hat sich am 17. Oktober 2026 auf das Zukunftsdepot geeinigt. Für jedes ab dem 1. Januar 2027 geborene Kind zahlt der Staat einmalig 500 Euro ein. Eltern, Großeltern und Bekannte können pro Kind bis zu 5.000 Euro im Jahr dazulegen. Ab dem 18. Geburtstag lässt sich das Geld steuerfrei entnehmen.

Eröffnen können Familien die Depots erst ab dem 1. Juli 2027. Ein beschlossenes Gesetz gibt es bisher nicht. Den Startbonus soll es nur geben, wenn das Kind bis zur Volljährigkeit 15 Jahre rechtmäßig in Österreich gelebt hat. Ältere Geschwister können ein Depot bekommen, aber ohne Bonus.

Sozialverbände sehen das Modell kritisch. Die Volkshilfe verweist auf Berechnungen von Gewerkschaftsbund und Arbeiterkammer, nach denen nur rund zwei Prozent der Haushalte mit Kindern den Höchstbetrag aufbringen könnten.

Frühstartrente: Bundestag hat entschieden, Bundesrat steht aus

Das deutsche Gegenstück hat der Bundestag am 16. Oktober 2026 verabschiedet. Kinder zwischen 6 und 18 Jahren bekommen zehn Euro im Monat vom Staat in ein Altersvorsorgedepot. Den Anfang macht der Geburtsjahrgang 2020. Über zwölf Jahre kommen so 1.440 Euro zusammen, dazu die Erträge. Familien dürfen bis zu 6.840 Euro im Jahr zusätzlich einzahlen.

Der große Unterschied zu Österreich liegt beim Zugriff. Das deutsche Geld ist für die Rente gedacht und grundsätzlich erst ab 65 auszahlbar. In Wien ist das Depot ein Startkapital für das Erwachsenenleben. Laut Deutscher Rentenversicherung sollen die ersten Zahlungen 2027 für die Jahrgänge 2020 und 2021 fließen. Bis zum Stand vom 30. Oktober 2026 hat der Bundesrat noch nicht abgestimmt.

Häufige Fragen

Ab wann gilt die Aktivpension in Österreich?

Der Aktivitätsfreibetrag gilt ab dem 1. Januar 2027. Er betrifft Einkommen, das nach Erreichen des gesetzlichen Pensionsalters erzielt wird. Ohne 40 Versicherungsjahre gibt es ihn nicht, für Frauen gelten bis 2033 niedrigere Schwellen.

Gilt die deutsche Aktivrente auch für Selbstständige?

Nein. Die Aktivrente setzt eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung nach Erreichen der Regelaltersgrenze voraus. Gewinne aus selbstständiger Arbeit bleiben voll steuerpflichtig.

Wie viel bringt die Frühstartrente bis zum 18. Geburtstag?

Der Staat zahlt zwölf Jahre lang zehn Euro im Monat, insgesamt also 1.440 Euro. Hinzu kommen die Erträge am Kapitalmarkt, die bis zur Auszahlung steuerfrei bleiben. Eltern ohne eigenen Vertrag verlieren den Zuschuss nicht, er wird dann gesammelt in einem Sondervermögen des Bundes angelegt.

Bekommen bereits geborene Kinder in Österreich den Startbonus?

Nein. Die 500 Euro sind für Kinder ab dem Geburtsjahrgang 2027 vorgesehen. Für ältere Kinder unter 18 kann ein Zukunftsdepot eröffnet werden, mit Steuervorteil, aber ohne staatliche Einzahlung.

Einschätzung der Redaktion

Dass Österreich sich am deutschen Modell orientiert, zeigt, wie stark beide Länder auf Arbeit im Alter setzen, um Lücken in den Rentenkassen und am Arbeitsmarkt zu schließen. Der niedrigere Freibetrag in Wien ist ehrlicher kalkuliert, schließt aber Menschen mit kürzeren Erwerbsbiografien aus. Die deutsche Aktivrente ist großzügiger, lässt dafür Selbstständige außen vor. Beide Modelle helfen vor allem denen, die gesund genug für einen Job sind. Wer mit kleiner Rente nicht mehr arbeiten kann, hat von keinem der beiden etwas. Hier fehlt in beiden Ländern eine Antwort.

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