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Wie wird die Rente 2026 berechnet? Das müssen Rentner und Arbeitnehmer jetzt wissen

Die gesetzliche Altersrente in Deutschland wird mit einer festen Rentenformel berechnet: Monatliche Bruttorente = Entgeltpunkte × Zugangsfaktor × aktueller Rentenwert × Rentenartfaktor. Hört sich kompliziert an, ist es aber nicht. Nachfolgender Beitrag auf Bürger & Geld, dem Newsmagazin des Vereins Für soziales Leben e.V., erklärt, wie sich die Höhe der späteren Rente berechnet.

Die vier Bausteine der Rentenformel

  • Entgeltpunkte (Rentenpunkte): Sie spiegeln Ihr Einkommen im Vergleich zum durchschnittlichen Einkommen aller Versicherten wider.
  • Zugangsfaktor: Belohnt spätere Rente und bestraft vorgezogene Rente (Abschläge bzw. Zuschläge).
  • Aktueller Rentenwert: Euro-Betrag, den ein Entgeltpunkt aktuell pro Monat wert ist (bundeseinheitlich).
  • Rentenartfaktor: Gewichtung je nach Rentenart (Altersrente, Erwerbsminderungsrente, Hinterbliebenenrente).

Entgeltpunkte: So zählen Ihre Arbeitsjahre

Entgeltpunkte sind der wichtigste Faktor für die Rentenhöhe.

  • Pro Jahr gilt:
    Jahresbruttoeinkommen ÷ Durchschnittsentgelt = Entgeltpunkte dieses Jahres.
  • Wer genau den Durchschnittslohn verdient, erhält 1,0 Punkt pro Jahr; bei geringerem oder höherem Einkommen entsprechend weniger oder mehr.
  • Auch Zeiten mit Kindererziehung, Pflege von Angehörigen, Ausbildung sowie bestimmte Zeiten von Krankheit und Arbeitslosigkeit können Entgeltpunkte bringen.

Über das Erwerbsleben werden alle Punkte addiert – daraus ergibt sich Ihre persönliche Punktsumme.

Zugangsfaktor: Abschläge und Zuschläge

Der Zugangsfaktor bestimmt, ob Ihre Rente gekürzt oder erhöht wird.

  • Start zur Regelaltersgrenze: Zugangsfaktor 1,0 (keine Kürzung oder Erhöhung).
  • Vorzeitige Rente: Pro Monat vor der Regelaltersgrenze 0,3 % Abschlag, dauerhaft.transparent-beraten+1​
  • Späterer Rentenbeginn: Pro Monat nach der Regelaltersgrenze 0,5 % Zuschlag.

Wer also 24 Monate früher in Rente geht, hat 24 × 0,3 % = 7,2 % dauerhaften Abschlag auf die Bruttorente.

Aktueller Rentenwert: Was ein Punkt in Euro bringt

Der aktuelle Rentenwert legt fest, wie viel ein Entgeltpunkt pro Monat wert ist.

  • Er wird regelmäßig (zum 1. Juli) an Lohnentwicklung und gesetzliche Vorgaben angepasst.
  • Für ganz Deutschland gilt seit der vollständigen Angleichung ein einheitlicher Rentenwert, der in Euro festgelegt wird (z.B. rund 40 Euro pro Entgeltpunkt).

Steigt der aktuelle Rentenwert, erhöhen sich alle bestehenden Renten im Rahmen der jährlichen Rentenanpassung.

Rentenartfaktor: Unterschiedliche Rentenarten

Der Rentenartfaktor unterscheidet nach Art der Rente.

Typische Werte:

  • Altersrente: 1,0.
  • Rente wegen voller Erwerbsminderung: 1,0.
  • Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung: 0,5.
  • Große Witwen-/Witwerrente: 0,55 bzw. 0,6 (abhängig von Heirats- und Sterbedatum).
  • Halbwaisenrente: 0,1; Vollwaisenrente: 0,2.

Für die klassische Altersrente ist der Faktor 1,0 – hier wirkt also voll, was Sie an Entgeltpunkten gesammelt haben.

Schritt-für-Schritt: So lässt sich die eigene Rente grob schätzen

Mit wenigen Angaben können Rentner die ungefähre Bruttorente abschätzen.

  1. Entgeltpunkte ermitteln
    • Summe der Entgeltpunkte aus der jährlichen Renteninformation bzw. dem Rentenbescheid ablesen.
  2. Aktuellen Rentenwert einsetzen
    • Entgeltpunkte × aktueller Rentenwert = vorläufige Rente ohne Zu- oder Abschläge.
  3. Zugangsfaktor berücksichtigen
    • Bei regulärem Rentenbeginn Zugangsfaktor 1,0.
    • Bei vorgezogener oder späterer Rente den Faktor entsprechend anpassen.
  4. Rentenartfaktor einfügen
    • Für Altersrente bleibt der Rentenartfaktor 1,0, bei anderen Rentenarten den jeweiligen Wert nutzen.

Erst danach folgen Abzüge für Kranken- und Pflegeversicherung sowie ggf. Steuern, um von der Brutto‑ zur Netto‑Rente zu kommen.

Wichtige Einflussfaktoren für die Rentenhöhe

Neben der Formel selbst bestimmen verschiedene Lebensumstände, wie hoch die Rente ausfällt.

  • Höhe und Dauer des versicherten Einkommens (Vollzeit/Teilzeit, Niedriglohn, Spitzenverdienst).
  • Zeiten der Kindererziehung, Pflege von Angehörigen, Ausbildung, Arbeitslosigkeit und Krankheit, die zum Teil mit Punkten bewertet werden.
  • Beginn der Rente (früher, regulär, später) und mögliche Abschläge/Zuschläge.
  • Gesetzliche Anpassungen des aktuellen Rentenwerts und langfristige Reformen des Rentensystems.

Wer seine Renteninformation regelmäßig prüft und die Rentenformel versteht, kann realistischer einschätzen, welche Altersrente zu erwarten ist – und ob zusätzliche private Vorsorge sinnvoll ist.

Redakteure

  • ik

    Sozialrechtsexperte und Redakteur

    Ingo Kosick ist ein renommierter Experte im Bereich des Sozialrechts in Deutschland. Er engagiert sich seit über 30 Jahren in diesem Feld und hat sich als führende Autorität etabliert. Als Vorsitzender des Vereins "Für soziales Leben e.V.", der 2005 in Lüdinghausen gegründet wurde, setzt er sich für die Unterstützung von Menschen ein, die von Armut und Arbeitslosigkeit betroffen sind. Der Verein bietet über das Internet Informationen, Beratung und Unterstützung für sozial benachteiligte Menschen an.

    Ingo Kosick ist zudem Autor und Redakteur beim Nachrichtenmagazin Bürger & Geld, das der Verein "Für soziales Leben e.V." herausgibt. Ingo hat sich auf Themen wie Bürgergeld, Sozialleistungen, Rente und Kindergrundsicherung spezialisiert. Seine Artikel bieten fundierte Analysen und rechtlich aufgearbeitete Informationen, die Menschen in schwierigen Lebenssituationen unterstützen sollen.

    Durch seine langjährige Erfahrung und sein Engagement hat Ingo Kosick maßgeblich dazu beigetragen, dass sozial benachteiligte Menschen in Deutschland besser informiert und unterstützt werden können.

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  • Peter Kosick
    Experte:

    Jurist und Redakteur

    Peter Kosick hat an der Universität Münster Rechtswissenschaften studiert und beide juristische Staatsexamen in Nordrhein-Westfalen mit Erfolg abgelegt. Er arbeitet als freiberuflicher Jurist, ist Autor verschiedener Publikationen und hält Vorträge im Bereich Arbeits- und Sozialrecht. Seit mehr als 30 Jahren engagiert er sich im sozialen Bereich und ist seit der Gründung des Vereins "Für soziales Leben e.V." dort Mitglied. Peter Kosick arbeitet in der Online Redaktion des Nachrichtenmagazins Bürger & Geld, das der Verein herausgibt und ist der CvD. Seinen Artikeln sieht man an, dass sie sich auf ein fundiertes juristisches Fachwissen gründen.

    Peter hat ebenfalls ein Herz für die Natur, ist gern "draußen" und setzt sich für den Schutz der Umwelt ein.

    Seine Arbeit im Redaktionsteam von Bürger & Geld gibt ihm das Gefühl,  etwas Gutes für das Gemeinwohl zu tun.

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