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Wo gibt es am wenigsten Rente? Warum Deutschland im internationalen Vergleich so schlecht aussieht

Arbeiten bis 67, aber im Alter bleibt kaum etwas vom Gehalt übrig: Während andere Länder bis zu 70 Prozent ersetzen, müssen deutsche Rentner mit deutlich weniger leben.

Am wenigsten Rente gibt es dort, wo hohe Rentenalter, niedrige Rentenniveaus und wenig staatliche Grundsicherung zusammenkommen – und Deutschland liegt hier im unteren Mittelfeld. Wer heute arbeitet, muss immer länger schuften, bekommt aber im Alter oft nur rund die Hälfte des letzten Gehalts ausgezahlt – in anderen Staaten fließt fast das Doppelte. Alle Infos dazu finden Leserinnen und Leser hier auf Bürger & Geld, dem Nachrichtenmagazin des Vereins Für soziales Leben e. V..​

Warum Deutschland so schlecht abschneidet

Das deutsche Rentensystem basiert fast komplett auf dem Umlageverfahren: Aktive zahlen für heutige Rentner, Rücklagen gibt es kaum. Weil die Gesellschaft altert, verteilt sich die Last auf immer weniger Schultern – die Folge sind ein niedrigeres Rentenniveau und politische Rufe nach einem höheren Rentenalter.​

Die sogenannte Nettoersatzquote – also der Anteil der Rente am letzten Einkommen – liegt in Deutschland bei knapp 50 Prozent und damit deutlich unter dem Schnitt vieler anderer Industrieländer. Länder wie die Niederlande, Italien oder Griechenland kommen teils auf Werte von über 70 Prozent und zahlen damit einen erheblich größeren Teil des bisherigen Gehalts als Rente aus.​

Niederlande: Hohe Grundrente, hohes Niveau

In den Niederlanden bildet eine steuerfinanzierte Grundrente das Rückgrat des Alterssystems, die allen Bürgerinnen und Bürgern zusteht, die lange genug im Land gelebt haben. Wer 50 Jahre im System ist, erhält die volle Grundrente – und die liegt deutlich über den deutschen Standardbeträgen für langjährig Versicherte.​

Obendrauf kommen verpflichtende Betriebsrenten, die von starken Fonds gemanagt werden und Renditen am Kapitalmarkt nutzen. So erreichen die Niederlande eine der höchsten Nettoersatzquoten weltweit und gelten regelmäßig als eines der besten Rentensysteme der Welt.​

Frankreich, Italien, Griechenland: Viel Geld, viele Risiken

Frankreich sorgt seit der umstrittenen Reform mit einem gesetzlichen Rentenalter von 64 Jahren und einer Mindestrente von rund 1.200 Euro für Schlagzeilen. Der Staat gibt einen hohen Anteil der Wirtschaftsleistung für Renten aus, was die Altersbezüge im Vergleich zu Deutschland spürbar anhebt – aber auch den Druck auf die öffentlichen Kassen erhöht.​

Italien und Griechenland zahlen im Verhältnis zum Einkommen ebenfalls deutlich höhere Renten und kommen auf Ersatzquoten von mehr als 70 Prozent. Allerdings kämpfen beide Länder mit schwachem Wachstum und hoher Staatsverschuldung, weshalb immer wieder über neue Einschnitte und längere Lebensarbeitszeiten diskutiert wird.​

Deutschland: Langes Arbeiten, niedrige Quote

Für alle Jahrgänge ab 1964 liegt die Regelaltersgrenze in Deutschland bei 67 Jahren – eine der höchsten in Europa. Gleichzeitig wurde das Rentenniveau gesetzlich gedeckelt, sodass die Standardrente nach 45 Beitragsjahren nur noch knapp die Hälfte des Durchschnittslohns erreicht.​

Die OECD kommt in ihren internationalen Vergleichen regelmäßig zu dem Ergebnis, dass Deutschland unterdurchschnittliche Leistungen bietet – vor allem für Durchschnitts- und Besserverdienende. Während in einigen Ländern bis zu zwei Drittel oder mehr des früheren Gehalts ersetzt werden, bleiben deutsche Rentner oft bei gut einem Drittel zurück, wenn keine starke Zusatzvorsorge existiert.​

Was Beschäftigte jetzt tun können

Wer später nicht zu den Verlierern gehören möchte, kommt an zusätzlicher Vorsorge kaum vorbei. Finanzexperten empfehlen eine Kombination aus Betriebsrente, privaten Rentenverträgen und breit gestreuten ETFs, um die Lücke zwischen gesetzlicher Rente und letztem Gehalt zu schließen.​

Wichtig ist, früh anzufangen: Schon kleine Beträge, die über Jahrzehnte angelegt werden, können durch Zinseszinseffekte einen beachtlichen Kapitalstock aufbauen. Wer hingegen wartet, bis die Politik eine „große Rentenreform“ liefert, läuft Gefahr, am Ende mit einem Bruchteil des bisherigen Einkommens auskommen zu müssen.​

Redakteure

  • Peter Kosick

    Jurist und Redakteur

    Peter Kosick hat an der Universität Münster Rechtswissenschaften studiert und beide juristische Staatsexamen in Nordrhein-Westfalen mit Erfolg abgelegt. Er arbeitet als freiberuflicher Jurist, ist Autor verschiedener Publikationen und hält Vorträge im Bereich Arbeits- und Sozialrecht. Seit mehr als 30 Jahren engagiert er sich im sozialen Bereich und ist seit der Gründung des Vereins "Für soziales Leben e.V." dort Mitglied. Peter Kosick arbeitet in der Online Redaktion des Nachrichtenmagazins Bürger & Geld, das der Verein herausgibt und ist der CvD. Seinen Artikeln sieht man an, dass sie sich auf ein fundiertes juristisches Fachwissen gründen.

    Peter hat ebenfalls ein Herz für die Natur, ist gern "draußen" und setzt sich für den Schutz der Umwelt ein.

    Seine Arbeit im Redaktionsteam von Bürger & Geld gibt ihm das Gefühl,  etwas Gutes für das Gemeinwohl zu tun.

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  • ik
    Experte:

    Sozialrechtsexperte und Redakteur

    Ingo Kosick ist ein renommierter Experte im Bereich des Sozialrechts in Deutschland. Er engagiert sich seit über 30 Jahren in diesem Feld und hat sich als führende Autorität etabliert. Als Vorsitzender des Vereins "Für soziales Leben e.V.", der 2005 in Lüdinghausen gegründet wurde, setzt er sich für die Unterstützung von Menschen ein, die von Armut und Arbeitslosigkeit betroffen sind. Der Verein bietet über das Internet Informationen, Beratung und Unterstützung für sozial benachteiligte Menschen an.

    Ingo Kosick ist zudem Autor und Redakteur beim Nachrichtenmagazin Bürger & Geld, das der Verein "Für soziales Leben e.V." herausgibt. Ingo hat sich auf Themen wie Bürgergeld, Sozialleistungen, Rente und Kindergrundsicherung spezialisiert. Seine Artikel bieten fundierte Analysen und rechtlich aufgearbeitete Informationen, die Menschen in schwierigen Lebenssituationen unterstützen sollen.

    Durch seine langjährige Erfahrung und sein Engagement hat Ingo Kosick maßgeblich dazu beigetragen, dass sozial benachteiligte Menschen in Deutschland besser informiert und unterstützt werden können.

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