Am wenigsten Rente gibt es dort, wo hohe Rentenalter, niedrige Rentenniveaus und wenig staatliche Grundsicherung zusammenkommen – und Deutschland liegt hier im unteren Mittelfeld. Wer heute arbeitet, muss immer länger schuften, bekommt aber im Alter oft nur rund die Hälfte des letzten Gehalts ausgezahlt – in anderen Staaten fließt fast das Doppelte. Alle Infos dazu finden Leserinnen und Leser hier auf Bürger & Geld, dem Nachrichtenmagazin des Vereins Für soziales Leben e. V..
Warum Deutschland so schlecht abschneidet
Das deutsche Rentensystem basiert fast komplett auf dem Umlageverfahren: Aktive zahlen für heutige Rentner, Rücklagen gibt es kaum. Weil die Gesellschaft altert, verteilt sich die Last auf immer weniger Schultern – die Folge sind ein niedrigeres Rentenniveau und politische Rufe nach einem höheren Rentenalter.
Die sogenannte Nettoersatzquote – also der Anteil der Rente am letzten Einkommen – liegt in Deutschland bei knapp 50 Prozent und damit deutlich unter dem Schnitt vieler anderer Industrieländer. Länder wie die Niederlande, Italien oder Griechenland kommen teils auf Werte von über 70 Prozent und zahlen damit einen erheblich größeren Teil des bisherigen Gehalts als Rente aus.
Niederlande: Hohe Grundrente, hohes Niveau
In den Niederlanden bildet eine steuerfinanzierte Grundrente das Rückgrat des Alterssystems, die allen Bürgerinnen und Bürgern zusteht, die lange genug im Land gelebt haben. Wer 50 Jahre im System ist, erhält die volle Grundrente – und die liegt deutlich über den deutschen Standardbeträgen für langjährig Versicherte.
Obendrauf kommen verpflichtende Betriebsrenten, die von starken Fonds gemanagt werden und Renditen am Kapitalmarkt nutzen. So erreichen die Niederlande eine der höchsten Nettoersatzquoten weltweit und gelten regelmäßig als eines der besten Rentensysteme der Welt.
Frankreich, Italien, Griechenland: Viel Geld, viele Risiken
Frankreich sorgt seit der umstrittenen Reform mit einem gesetzlichen Rentenalter von 64 Jahren und einer Mindestrente von rund 1.200 Euro für Schlagzeilen. Der Staat gibt einen hohen Anteil der Wirtschaftsleistung für Renten aus, was die Altersbezüge im Vergleich zu Deutschland spürbar anhebt – aber auch den Druck auf die öffentlichen Kassen erhöht.
Italien und Griechenland zahlen im Verhältnis zum Einkommen ebenfalls deutlich höhere Renten und kommen auf Ersatzquoten von mehr als 70 Prozent. Allerdings kämpfen beide Länder mit schwachem Wachstum und hoher Staatsverschuldung, weshalb immer wieder über neue Einschnitte und längere Lebensarbeitszeiten diskutiert wird.
Deutschland: Langes Arbeiten, niedrige Quote
Für alle Jahrgänge ab 1964 liegt die Regelaltersgrenze in Deutschland bei 67 Jahren – eine der höchsten in Europa. Gleichzeitig wurde das Rentenniveau gesetzlich gedeckelt, sodass die Standardrente nach 45 Beitragsjahren nur noch knapp die Hälfte des Durchschnittslohns erreicht.
Die OECD kommt in ihren internationalen Vergleichen regelmäßig zu dem Ergebnis, dass Deutschland unterdurchschnittliche Leistungen bietet – vor allem für Durchschnitts- und Besserverdienende. Während in einigen Ländern bis zu zwei Drittel oder mehr des früheren Gehalts ersetzt werden, bleiben deutsche Rentner oft bei gut einem Drittel zurück, wenn keine starke Zusatzvorsorge existiert.
Was Beschäftigte jetzt tun können
Wer später nicht zu den Verlierern gehören möchte, kommt an zusätzlicher Vorsorge kaum vorbei. Finanzexperten empfehlen eine Kombination aus Betriebsrente, privaten Rentenverträgen und breit gestreuten ETFs, um die Lücke zwischen gesetzlicher Rente und letztem Gehalt zu schließen.
Wichtig ist, früh anzufangen: Schon kleine Beträge, die über Jahrzehnte angelegt werden, können durch Zinseszinseffekte einen beachtlichen Kapitalstock aufbauen. Wer hingegen wartet, bis die Politik eine „große Rentenreform“ liefert, läuft Gefahr, am Ende mit einem Bruchteil des bisherigen Einkommens auskommen zu müssen.


