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Bis zu 25000 Euro Rentenaufschub-Prämie: Lohnt sich der spätere Renteneintritt?

Die geplante Rentenaufschub-Prämie sorgt für Aufsehen und bietet neue Chancen für Arbeitnehmer kurz vor dem Eintritt ins Rentenalter. Wie funktioniert die neue Prämie? Für wen lohnt sich das Modell? Und wie hoch kann die Auszahlung tatsächlich ausfallen? In diesem ausführlichen Beitrag von Bürger & Geld, dem Nachrichtenmagazin des Vereins Für soziales Leben e. V., erfahren Sie alles Wissenswerte rund um die Einmalzahlung bei spätem Renteneintritt und erhalten praxisnahe Tipps sowie eine übersichtliche Tabelle zu den wichtigsten Fakten.

Viele Menschen in Deutschland stellen sich die Frage, wie sie ihre Rentenbezüge optimieren können. Mit der geplanten Rentenaufschub-Prämie will die Bundesregierung ab 2027/2028 neue Anreize schaffen, den Eintritt in die Altersrente freiwillig hinauszuzögern. Doch was steckt wirklich hinter diesem Gesetzesvorhaben? Wer profitiert, wie hoch könnte die einmalige Auszahlung ausfallen – und welche Fallstricke gibt es?

Neuregelung im Überblick: Was ist die Rentenaufschub-Prämie?

Die klassische Altersrente kann ab dem gesetzlichen Rentenalter – derzeit für die meisten bei 67 Jahren – beansprucht werden. Wer jedoch entscheidet, weiterzuarbeiten und mindestens ein Jahr auf seine Rente zu verzichten, bekommt ab 2027 eine neue Wahlmöglichkeit:

  • Zuschlag auf die monatliche Rente – wie bislang.
  • Einmalzahlung, die sogenannte Rentenaufschub-Prämie.

Die Einmalzahlung entspricht der Summe der Renten, die im Aufschubzeitraum nicht bezogen wurden, plus den währenddessen eingesparten Beiträgen zur Kranken- und Pflegeversicherung. Die Prämie soll abgabenfrei sein. Ob auch die Steuer entfällt, ist zum Stand Sommer 2025 noch in politischer Diskussion.

Motiv: Fachkräftemangel & finanzielle Anreize

Hintergrund dieser Maßnahme ist der zunehmende Fachkräftemangel in Deutschland. Viele Firmen wünschen sich, dass erfahrene Mitarbeitende länger im Erwerbsleben bleiben. Durch die neue Prämie will der Staat den Verzicht auf den frühen Renteneintritt gezielt belohnen. Für Unternehmen bedeutet das bessere Planungssicherheit mit erfahrenen Kräften – für Arbeitnehmer eine attraktive finanzielle Alternative.

So funktioniert die Prämien-Option konkret

Voraussetzungen:

  • Erreichen des Regelrentenalters (derzeit 67 Jahre).
  • Fortführung einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung (keine Minijobs, keine Anrechnung bei selbstständiger Tätigkeit).
  • Mindestens ein Jahr Verzicht auf die Rentenzahlung.

Auszahlungshöhe:
Die Höhe der Prämie hängt von zwei Faktoren ab:

  • Wie lange wird der Renteneintritt aufgeschoben?
  • Wie hoch wäre der monatliche Rentenanspruch gewesen?

Praxisbeispiel:
Ein Durchschnittsverdiener, der fünf Jahre später in Rente geht, kann – je nach individueller Beitragshistorie – auf eine Prämie von bis zu 25.000 Euro kommen. Bei zwei Jahren Aufschub liegen die Summen zwischen ca. 8.000 und 12.000 Euro.

Tabelle: Mögliche Prämien nach Aufschubdauer

AufschubdauerGeschätzte Prämie (bei Durchschnittsrente)Maximale Prämie (bei hohem Einkommen)
1 Jahr4.000 – 6.000 €bis zu 8.000 €
2 Jahre8.000 – 12.000 €bis zu 16.000 €
3 Jahre12.000 – 17.000 €bis zu 20.000 €
5 Jahre20.000 – 25.000 €bis zu 25.000 €

Achtung: Die konkrete Höhe variiert je nach Lebenslauf, Gehalt und Einzahlungsjahren.

Vorteile und Nachteile des Rentenaufschubs

Vorteile:

  • Sofort verfügbarer, hoher Geldbetrag – beispielsweise für größere Anschaffungen, Immobilien oder die Schuldentilgung.
  • Keine Sozialabgaben auf die Prämie (nur Steuerfrage noch offen).
  • Flexiblere Gestaltung des Ruhestandes für alle, die fit und motiviert bleiben.

Nachteile:

  • Wer die Einmalzahlung wählt, erhält keinen dauerhaften Renten-Zuschlag für den Rest seines Lebens.
  • Die Prämienhöhe ist abhängig vom bisherigen Verdienst und Versicherungszeiten.
  • Steuerliche Unsicherheit: Ob und wie viel besteuert wird, ist noch nicht final entschieden.

Für wen lohnt sich die Einmalzahlung?

Die Rentenaufschub-Prämie wird vor allem für folgende Gruppen interessant:

  • Menschen mit überdurchschnittlicher Gesundheit, die planen, nach dem Rentenalter weiterzuarbeiten.
  • Arbeitnehmer, die kurzfristig hohe Liquidität benötigen.
  • Personen mit hohem Einkommen, da der Aufschub besonders hohe Prämien ermöglicht.

Ob sich die Prämie oder der monatliche Zuschlag mehr lohnt, hängt von individuellen Lebensumständen ab – hier kann eine Beratung durch die Deutsche Rentenversicherung oder unabhängige Rentenexperten sinnvoll sein.

Was ist noch offen?

  • Das Gesetzgebungsverfahren läuft. Die gesetzlichen Details können sich noch ändern – vor allem mit Blick auf die Steuerpflicht.
  • Es ist geplant, die Regelung ab 2027 bzw. 2028 umzusetzen.

Flexi-Rente bringt noch weiteren Bonus

Neben dieser Rentenaufschub-Prämie gibt es für Arbeitnehmer, die die Rente hinausschieben noch den Flexi-Renten-Bonus. Sie erhalten bis zu 0,5 Prozent mehr Rente pro Monat für einen späteren Rentenbeginn. Mit anderen Worten: wer ein Jahr später in Rente geht, als ihm möglich wäre, erhält eine um 6 Prozent höhere Rente – Monat für Monat.

FAQ – Häufige Fragen zur Rentenaufschub-Prämie

Muss ich mich sofort entscheiden, wenn ich die Regelaltersrente erreiche?

Nein, die Entscheidung kann mit dem Antrag auf Altersrente getroffen werden.

Kann ich mir die Prämie nachträglich auszahlen lassen?

Nein, die Option muss rechtzeitig vor Rentenbeginn gewählt werden.

Ist die Prämie garantiert steuerfrei?

Zum Stand Sommer 2025 ist nur sicher, dass keine Sozialabgaben anfallen. Die Steuerfrage muss final geklärt werden.

Gelten Minijobs oder selbstständige Tätigkeiten?

Nein, nur sozialversicherungspflichtige Beschäftigungen zählen.

Was passiert, wenn ich während des Aufschubs erkranke oder versterbe?

Nicht bezogene Renten werden nicht nachträglich ausgezahlt. Die Prämie verfällt, wenn der Renteneintritt nicht mehr möglich ist (Sonderregeln bei Erwerbsminderung möglich).

Fazit des Vereins Für soziales Leben e. V.

Die geplante Rentenaufschub-Prämie ist ein wichtiger Schritt, um auf den demografischen Wandel und den Fachkräftemangel in Deutschland zu reagieren. Arbeitnehmer erhalten echte Wahlmöglichkeiten über den Ruhestandsbeginn und profitieren von finanziellen Anreizen. Vor einer Entscheidung sollte jedoch genau gerechnet und die individuelle Lebenslage betrachtet werden – vor allem, solange steuerliche und rechtliche Details noch nicht abschließend geregelt sind. Der Verein Für soziales Leben e. V. empfiehlt, sich persönlich beraten zu lassen und alle Optionen genau abzuwägen.

Redakteure

  • Peter Kosick

    Jurist und Redakteur

    Peter Kosick hat an der Universität Münster Rechtswissenschaften studiert und beide juristische Staatsexamen in Nordrhein-Westfalen mit Erfolg abgelegt. Er arbeitet als freiberuflicher Jurist, ist Autor verschiedener Publikationen und hält Vorträge im Bereich Arbeits- und Sozialrecht. Seit mehr als 30 Jahren engagiert er sich im sozialen Bereich und ist seit der Gründung des Vereins "Für soziales Leben e.V." dort Mitglied. Peter Kosick arbeitet in der Online Redaktion des Vereins und ist der CvD. Seinen Artikeln sieht man an, dass sie sich auf ein fundiertes juristisches Fachwissen gründen. Peter hat ebenfalls ein Herz für die Natur, ist gern "draußen" und setzt sich für den Schutz der Umwelt ein. Seine Arbeit im Redaktionsteam von buerger-geld.org gibt ihm das Gefühl,  etwas Gutes für das Gemeinwohl zu tun.

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  • ik
    Experte:

    Sozialrechtsexperte und Redakteur

    Ingo Kosick ist ein renommierter Experte im Bereich des Sozialrechts in Deutschland. Er engagiert sich seit über 30 Jahren in diesem Feld und hat sich als führende Autorität etabliert. Als Vorsitzender des Vereins Für soziales Leben e.V., der 2005 in Lüdinghausen gegründet wurde, setzt er sich für die Unterstützung von Menschen ein, die von Armut und Arbeitslosigkeit betroffen sind. Der Verein bietet über das Internet Informationen, Beratung und Unterstützung für sozial benachteiligte Menschen an. Ingo Kosick ist zudem ein zentraler Autor und Redakteur auf der Plattform buerger-geld.org, die sich auf Themen wie Bürgergeld, Sozialleistungen, Rente und Kindergrundsicherung spezialisiert hat. Seine Artikel bieten fundierte Analysen und rechtlich aufgearbeitete Informationen, die Menschen in schwierigen Lebenssituationen unterstützen sollen. Durch seine langjährige Erfahrung und sein Engagement hat Ingo Kosick maßgeblich dazu beigetragen, dass sozial benachteiligte Menschen in Deutschland besser informiert und unterstützt werden können.

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