Schulstart mit Grundsicherung (Bürgergeld) – viele Kinder bleiben auf der Strecke

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Der Beginn eines neuen Schuljahres ist für viele Familien eine aufregende, aber auch kostspielige Zeit. Hefte, Stifte, Bücher, Sportkleidung und digitale Endgeräte wie Tablets oder Laptops belasten das Haushaltsbudget erheblich. Für Familien, die auf Grundsicherung (früher Hartz IV, heute Bürgergeld) angewiesen sind, bedeutet der Schulstart oft eine enorme finanzielle Herausforderung. Zahlreiche Studien und Erfahrungsberichte zeigen: Viele Kinder aus einkommensschwachen Haushalten starten mit schlechteren Voraussetzungen ins neue Schuljahr – und bleiben damit im Bildungsalltag auf der Strecke.

Warum der Schulstart für Familien im Bürgergeld-System so teuer ist

Der Schulanfang bringt jedes Jahr hohe Ausgaben mit sich. Laut Verbraucherzentralen belaufen sich die Kosten für die Grundausstattung eines Schulkindes auf mehrere hundert Euro – je nach Klassenstufe und Anforderungen. Hinzu kommen Kosten für Nachmittagsbetreuung, Klassenfahrten, Schulessen oder digitale Lernmittel.

Für Familien mit geringem Einkommen ist das kaum zu stemmen. Zwar gibt es das sogenannte Bildungs- und Teilhabepaket, doch dieses deckt längst nicht alle notwendigen Ausgaben. Viele Eltern berichten, dass selbst nach Ausschöpfung aller Zuschüsse noch erhebliche Eigenanteile übrigbleiben, die sie aus dem ohnehin knappen Regelsatz bestreiten müssen.

Bürgergeld und Schulbedarf – welche Unterstützung gibt es?

Das Bürgergeld sieht zusätzliche Leistungen für Kinder und Jugendliche vor, um auch Bildungsausgaben abzufedern. Dazu gehören:

  • Schulbedarfspauschale (August und Februar, zusammen rund 195 € jährlich)
  • Kostenübernahme für Lernförderung, falls schulische Leistungen gefährdet sind
  • Kosten für Mittagsessen und Schülerbeförderung
  • Teilhabeleistungen etwa für Sport- oder Musikvereine

Doch trotz dieser Hilfen wird die Realität vieler Familien mit Bürgergeld dadurch kaum vollständig abgedeckt.

Wo die Unterstützung an ihre Grenzen stößt

Die betroffenen Familien stoßen schnell an Grenzen:

  • Die Schulbedarfspauschale reicht oft nicht einmal für einen guten Ranzen und Grundmaterialien.
  • Digitale Geräte wie Tablets werden nur ausnahmsweise übernommen, obwohl sie mittlerweile Standard im Unterricht sind.
  • Zuschüsse für Ausflüge und Klassenfahrten sind bürokratisch aufwendig und oft mit Eigenanteilen verbunden.
  • Kinder fühlen sich ausgegrenzt, wenn sie im Schulalltag nicht mit dem gleichen Material ausgestattet sind wie ihre Mitschüler.

Laut Statistischem Bundesamt sind die Kosten für Schul- und Lehrbücher innerhalb eines Jahres um 3,8 Prozent gestiegen. Für Kinder aus einkommensschwachen Haushalten verschärft sich dadurch das seit langem bestehende strukturelle Problem. Ihre Teilhabe an Bildung wird zunehmend erschwert.

Die Kritik des VdK im August 2025

Der Sozialverband VdK kritisiert seit Jahren die unzureichende Unterstützung für Kinder aus einkommensschwachen Haushalten. Im August 2025 erneuerte der Verband seine Forderung nach einer deutlichen Erhöhung der Schulbedarfspauschale und bezeichnete die aktuelle Unterstützung als „realitätsfern“.

Laut VdK ist klar:

  • Die Pauschale deckt nur einen Bruchteil der tatsächlichen Kosten für den Schulstart ab.
  • Bildungsausgaben sind keine freiwilligen Extras, sondern notwendige Grundvoraussetzungen, um Chancengleichheit im Schulsystem sicherzustellen.
  • Kinder aus Bürgergeld-Familien starten mit einem Nachteil, den sie oft nicht mehr aufholen können.

Der VdK fordert deswegen, dass Bund und Länder die Unterstützung deutlich aufstocken und allen Kindern unabhängig vom Elternhaus gleiche Bildungsbedingungen garantieren müssen.

Verein Für soziales Leben e. V. unterstützt die Forderungen

Auch der Verein Für soziales Leben e. V. teilt diese Einschätzung. Der Verein betont, dass sich die Situation in den vergangenen Jahren sogar verschärft hat: Die steigenden Kosten für digitale Ausstattung, Lernmittel und Zusatzangebote der Schulen sind für viele Familien im Bürgergeld-Bezug nicht mehr finanzierbar.

Aus Sicht des Vereins reicht es nicht, auf Eigeninitiative oder Spendenaktionen zu setzen. Stattdessen müsse der Staat klare Verantwortung übernehmen:

  • höhere Regelsätze für Kinder,
  • realistische Schulbedarfspauschalen,
  • ein einfacheres Antragsverfahren für Teilhabeleistungen,
  • sowie eine unbürokratische Grundversorgung mit Lernmitteln direkt über die Schulen.

Der Verein unterstützt deshalb ausdrücklich die VdK-Forderung nach strukturellen Reformen, um Kindern gerechte Bildungschancen zu ermöglichen.

Forderungen Verein Für soziales Leben e. V. (Stand August 2025)

ForderungFür soziales Leben e.V.
Erhöhung der SchulbedarfspauschaleDeutlich höhere Pauschale, da aktuelle Sätze realitätsfern sind
Digitale EndgeräteTablets und Laptops müssen als Standardausstattung gelten und bezahlt werden
BürokratieabbauEinfacherer Zugang zu Leistungen, weniger Anträge
Direkte Versorgung über SchulenMaterialien wie Hefte, Stifte, Taschenrechner sollen kostenlos bereitgestellt werden
Höhere Regelsätze für KinderAnpassung an tatsächliche Lebenshaltungskosten, besonders für Bildung,
Regelsätze müssen so angepasst werden, dass Bildungsausgaben realistisch gedeckt sind

Gesellschaftliche Folgen: Wenn Bildungschancen ungleich verteilt sind

Die Unterfinanzierung beim Schulstart führt zu langfristigen Problemen. Kinder mit schlechteren Startvoraussetzungen riskieren nicht nur schlechtere schulische Leistungen, sondern auch eine dauerhaft geringere Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Bildungsbenachteiligung verfestigt damit den Kreislauf von Armut und Sozialleistung.

Wenn Deutschland das Ziel der Bildungsgerechtigkeit ernst nimmt, dürfen Kinderarmut und ungleiche Lernbedingungen nicht länger ignoriert werden.

Zusammenfasssug: Bildungsarmut darf nicht zum Normalzustand werden

Der Schulstart mit Bürgergeld macht erneut sichtbar, dass die aktuelle Unterstützung für sozial benachteiligte Kinder nicht ausreicht. Der Sozialverband VdK und der Verein Für soziales Leben e. V. sind sich einig: Nur durch höhere, realitätsgerechte Leistungen, weniger Bürokratie und direkte Schulversorgung können faire Startchancen für alle gewährleistet werden.

Bildung ist ein Grundrecht – und darf nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängen!

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