Pflegegrad 1: Kehrtwende in Berlin – Was sich 2026 für Betroffene wirklich ändert

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Hunderttausende Pflegebedürftige können aufatmen! Nach Monaten der Unsicherheit steht fest: Der umstrittene Plan, den Pflegegrad 1 abzuschaffen, ist vom Tisch. Doch Entwarnung bedeutet das nicht – denn die Politik plant tiefgreifende Reformen, die den Alltag vieler Familien verändern dürften. Alle Hintergründe und Auswirkungen lesen Sie hier auf Bürger & Geld, dem Nachrichtenmagazin des Vereins Für soziales Leben e. V.

Ein knapper Sieg für über 860.000 Betroffene

Monatelang sorgte die Diskussion um den Pflegegrad 1 für Unruhe in Pflegefamilien und Seniorenheimen. Die Angst: Der niedrigste Pflegegrad könnte gestrichen werden – und mit ihm wichtige Hilfen für Menschen mit leichten Einschränkungen. Jetzt steht fest: Die Bundesregierung und die Länder ziehen die Notbremse.

Dass es überhaupt so weit kam, lag vor allem an der Finanzkrise der sozialen Pflegeversicherung. Laut dem Spitzenverband der Krankenkassen lag das Defizit 2024 bei rund 1,54 Milliarden Euro. Für 2026 droht trotz eines massiven Bundesdarlehens ein weiteres Minus von rund zwei Milliarden Euro.

Warum Pflegegrad 1 so wichtig ist

Viele Betroffene nutzten den Pflegegrad 1 vor allem für präventive Unterstützung – also Hilfen, bevor die Pflegebedürftigkeit stärker wird. Dazu zählen etwa Maßnahmen zur Wohnraumanpassung, für die bis zu 4.180 Euro bereitstehen, oder Zuschüsse zu Betreuungs- und Entlastungsleistungen.

Seit seiner Einführung 2017 hatte die Politik mit Pflegegrad 1 ein klares Ziel: Menschen mit geringeren Einschränkungen frühzeitig helfen, um den Einstieg in höhere Pflegegrade möglichst zu vermeiden.

Das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung errechnete jedoch: Eine Abschaffung würde bis zu 1,8 Milliarden Euro sparen – ein verlockender Betrag für die klammen Pflegekassen. Doch der Preis wäre hoch gewesen: Sozialverbände wie der VdK Deutschland kritisierten den Vorschlag als „Sparen auf dem Rücken der Schwächsten“. VdK-Präsidentin Verena Bentele warnte eindringlich vor gesellschaftlichen Folgen – gerade pflegende Angehörige seien auf die Unterstützungsleistungen angewiesen.

Der Zukunftspakt Pflege schafft Klarheit

Die politische Wende kam im Oktober 2025: Der sogenannte Zukunftspakt Pflege, eine Arbeitsgruppe aus Bund und Ländern, beschloss, Pflegegrad 1 beizubehalten. Gleichzeitig kündigte das Gremium umfassende Reformen an. Der Fokus soll künftig stärker auf Früherkennung, Gesundheitsförderung und alltagsnaher Unterstützung liegen.

Konkret bedeutet das: Statt Leistungen zu kürzen, sollen sie gezielter wirken. Pflegebedürftige sollen frühzeitig motiviert werden, eigene Gesundheitsressourcen zu stärken und Unterstützungsangebote besser zu nutzen. Die konkreten Reformvorschläge sollen laut Bundesgesundheitsministerium bis Ende 2025 vorliegen und ab 2026 schrittweise umgesetzt werden.

Was Pflegebedürftige jetzt wissen müssen

Betroffene können aufatmen – der Pflegegrad 1 bleibt bestehen. Doch sie müssen sich auf Umstellungen einstellen: Bestimmte Leistungen könnten künftig stärker an individuelle Präventions- oder Gesundheitsziele geknüpft sein. Zudem wird erwartet, dass Krankenkassen und Pflegekassen digitale Beratungsangebote ausbauen, um die Nutzung der Hilfen besser zu begleiten.

Für viele Familien bedeutet das: weniger Bürokratie, aber auch mehr Eigenverantwortung.

Fazit: Erhalt ja – aber mit neuem Kurs

Der Pflegegrad 1 bleibt ein wichtiger Baustein im deutschen Pflegesystem. Die geplanten Reformen zeigen, dass die Politik das Prinzip „präventiv statt reaktiv“ endlich ernst nehmen will. Doch wie erfolgreich das neue Konzept wird, hängt davon ab, ob Bund, Länder und Krankenkassen an einem Strang ziehen. Für die 860.000 Betroffenen steht fest: Der Kampf um den Pflegegrad hat sich gelohnt – jetzt muss nur noch geliefert werden.

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