Ab 1. Januar 2026 greift eine entscheidende Neuerung: Der bekannte Behinderten-Pauschbetrag bleibt unverändert, doch beim Nachweis gegenüber dem Finanzamt wird alles digital. Was das konkret bedeutet und warum sich jetzt vieles ändert, erklärt dieser Artikel – alle Infos gibt es hier auf Bürger & Geld, dem Nachrichtenmagazin des Vereins Für soziales Leben e. V.
Digitale Wende beim Behinderten-Pauschbetrag
Zum Jahresbeginn 2026 bringt das Steuerrecht eine stille, aber weitreichende Änderung für Menschen mit Behinderung. Die Beträge des Behinderten-Pauschbetrags bleiben zwar auf dem bisherigen Niveau – doch die Art, wie der Anspruch belegt wird, wird grundlegend modernisiert. Papierunterlagen weichen einem elektronischen Austausch zwischen Behörden und Finanzverwaltung.
Was bisher oft per Post oder Kopie des Schwerbehindertenausweises lief, wird künftig automatisch digital übermittelt. Der bürokratische Aufwand für Betroffene soll so sinken – theoretisch zumindest.
Hintergrund: Warum der Nachweis wichtig ist
Der Behinderten-Pauschbetrag entlastet Menschen mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen steuerlich. Statt einzelne Aufwendungen nachweisen zu müssen, können sie einen Pauschbetrag geltend machen – abhängig vom Grad der Behinderung (GdB).
Die Staffel reicht von 384 Euro bei einem GdB von 20 bis zu 2.840 Euro ab einem GdB von 100. Hinzu kommen mögliche Erhöhungen für bestimmte Merkzeichen, etwa „H“ (hilflos) oder „Bl“ (blind). Diese Beträge bleiben 2026 vollständig unverändert. Wer den Pauschbetrag bereits nutzt, muss ihn also inhaltlich nicht neu beantragen.
Neu ist jedoch, wie der Anspruch belegt wird, wenn sich etwas ändert oder ein neuer Antrag gestellt wird.
Bis Ende 2025: Papier statt Datenleitung
Bisher war das Verfahren denkbar klassisch: Der oder die Betroffene reichte dem Finanzamt einen Feststellungsbescheid der zuständigen Behörde oder eine Kopie des Schwerbehindertenausweises ein. Diese Unterlagen belegten den Grad der Behinderung sowie gegebenenfalls Merkzeichen.
Das Verfahren hatte allerdings Nachteile – etwa doppelte Datenerfassung, lange Bearbeitungszeiten und manche Unsicherheiten, wenn Dokumente fehlten oder veraltet waren. Mit der digitalen Umstellung will die Bundesregierung einen Schritt zu mehr Effizienz und weniger Papierkram machen.
Ab 1. Januar 2026: Elektronischer Nachweis wird Standard
Seit dem 1. Januar 2026 gilt: Wird der Grad der Behinderung erstmals festgestellt oder nachträglich geändert, übermittelt die zuständige Behörde die Daten direkt elektronisch an die Finanzverwaltung.
Damit entfällt für viele Betroffene der bisherige Pflichtnachweis in Papierform. Für Bestandsfälle – also bereits festgestellte Behinderungen ohne Änderungen – bleibt alles wie gewohnt, da die Finanzämter bereits über die nötigen Angaben verfügen.
Das neue System ist gesetzlich verankert. Es soll den Datenaustausch zwischen Sozialverwaltungen, Versorgungsämtern und Finanzbehörden vereinheitlichen und langfristig deutschlandweit einheitliche Standards schaffen.
Was gilt für bestehende Fälle?
Wichtig: Wer den Pauschbetrag schon in seiner Steuererklärung nutzt und dessen Feststellungsbescheid weiterhin gültig ist, muss nichts unternehmen. Die elektronische Übermittlung greift nur bei neuen Feststellungen oder Änderungen ab 2026.
Das bedeutet auch: Wird beispielsweise der GdB erhöht oder ein zusätzliches Merkzeichen anerkannt, wird diese Änderung künftig automatisch an das Finanzamt gemeldet. Ein Nachreichen von Bescheiden oder Ausweisen ist dann im Regelfall nicht mehr nötig.
Datenschutz und Kontrolle: Wie sicher sind die Daten?
Mit der elektronischen Übermittlung stellt sich auch die Frage nach dem Datenschutz. Laut Bundesfinanzministerium erfolgt die Kommunikation über gesicherte Datenwege. Nur autorisierte Behörden dürfen die Übermittlung vornehmen, und die Daten dürfen ausschließlich für steuerliche Zwecke verwendet werden.
Bürgerinnen und Bürger können zudem bei der zuständigen Behörde nachfragen, wann und welche Informationen weitergeleitet wurden. Ein zusätzliches Verfahren zur Bestätigung durch die Betroffenen ist nicht vorgesehen – was zwar den Aufwand reduziert, aber auch Fragen nach der Transparenz aufwirft.
Kritik und Vorteile im Überblick
Fachleute und Sozialverbände bewerten die Umstellung gemischt. Einerseits bringt sie Vereinfachung und geringeren Papieraufwand, andererseits befürchten einige, dass fehlende oder fehlerhafte Datensätze zu Verzögerungen führen könnten.
Ein Überblick über Chancen und mögliche Nachteile:
- Vorteile: Weniger Papier, schnellere Bearbeitung, keine vergessenen Nachweise.
- Nachteile: Eingeschränkte Kontrolle über übermittelte Daten, Risiko technischer Probleme in der Anfangsphase.
- Neutral: Bestehende Pauschbeträge bleiben unberührt – der eigentliche finanzielle Vorteil bleibt gleich.
Fazit: Kein neuer Betrag, aber neues System
Wer 2026 seine Steuererklärung abgibt, sollte also wissen: Der Behinderten-Pauschbetrag bleibt unangetastet. Doch der Weg, wie er beim Finanzamt landet, verändert sich spürbar.
Die Digitalisierung erreicht damit auch diesen sensiblen Verwaltungsbereich. Ob sie wirklich zu weniger Bürokratie führt, wird sich im Laufe des Jahres zeigen.
Für Millionen Betroffene bedeutet das: kein neuer Antrag, aber ein neues Verfahren. Und zumindest in der Theorie: ein bisschen weniger Papierkram.


