Ab 1. Juli 2026 steigt der Einkommensfreibetrag bei Witwenrente und Witwerrenten deutlich. Das bedeutet: Wer neben der Hinterbliebenenrente arbeitet oder andere Einkünfte hat, kann mehr verdienen, ohne sofort eine Kürzung der Rente zu riskieren. Grundlage ist die jährliche Rentenanpassung und damit der neue aktuelle Rentenwert von 42,52 Euro. Die Regeln zur Einkommensanrechnung finden sich in § 97 SGB VI, aktuelle Informationen stellt die Deutsche Rentenversicherung bereit.
Was sich ab Juli 2026 beim Freibetrag ändert
Mit der Rentenanpassung zum 1. Juli 2026 steigt der Einkommensfreibetrag für Witwen- und Witwerrenten (ohne Kind) auf rund 1.122,53 Euro im Monat. Dieser Freibetrag wird aus dem neuen Rentenwert berechnet:
- Aktueller Rentenwert ab 1. Juli 2026: 42,52 Euro pro Entgeltpunkt.
- Freibetragsformel nach § 97 SGB VI: 26,4 × aktueller Rentenwert.
- Rechnung: 42,52 Euro × 26,4 = 1.122,53 Euro (auf Cent gerundet).
Bis zu diesem Betrag bleibt eigenes bereinigtes Einkommen vollständig anrechnungsfrei. Erst wenn die Einkünfte darüber liegen, wird ein Teil auf die Witwen- oder Witwerrente angerechnet.
Für jedes waisenrentenberechtigte Kind erhöht sich der Freibetrag zusätzlich um einen Kinderzuschlag, der ebenfalls aus dem Rentenwert berechnet wird.
Kinderzuschlag: Höhere Freibeträge, wenn Kinder versorgt werden
Hat die Hinterbliebene oder der Hinterbliebene ein waisenrentenberechtigtes Kind, steigt der Freibetrag über 1.122,53 Euro hinaus. Der Zuschlag pro Kind errechnet sich ebenfalls aus dem neuen Rentenwert:
- Formel für den Kinderzuschlag: 5,6 × aktueller Rentenwert.
- Rechnung ab Juli 2026: 42,52 Euro × 5,6 = 238,11 Euro.
Beispiele für Freibeträge ab 1. Juli 2026:
- Ohne Kind: 1.122,53 Euro.
- Mit einem Kind: 1.122,53 Euro + 238,11 Euro = 1.360,64 Euro.
- Mit zwei Kindern: 1.122,53 Euro + 2 × 238,11 Euro = 1.598,75 Euro.
Bis zu diesen Beträgen bleibt das eigene Einkommen vollständig anrechnungsfrei. Erst darüber wird eine Kürzung der Hinterbliebenenrente geprüft.
Wie die Einkommensanrechnung funktioniert
Die Grundlogik der Einkommensanrechnung bei Witwen- und Witwerrenten ist in § 97 SGB VI geregelt. Sie läuft in drei Schritten:
- Bereinigtes Einkommen ermitteln
- Berücksichtigt werden z.B. Arbeitslohn, eigene Rente, Einkommen aus Vermietung oder Kapital.
- Bestimmte Abzüge (Sozialversicherungsbeiträge, Werbungskostenpauschale) werden berücksichtigt; maßgeblich ist das sogenannte bereinigte Einkommen.
- Freibetrag abziehen
- Vom bereinigten Einkommen wird der individuelle Freibetrag (inkl. Kinderzuschlag) abgezogen.
- Nur der übersteigende Betrag ist für die Anrechnung relevant.
- 40‑Prozent‑Regel anwenden
- 40 Prozent des Betrags, der über dem Freibetrag liegt, werden auf die Witwen- oder Witwerrente angerechnet.
- Die Hinterbliebenenrente reduziert sich um diesen Betrag.
Wichtig: Das Einkommen selbst wird nicht gekürzt – nur die Höhe der Hinterbliebenenrente ändert sich.
Beispielrechnung: Wie sich der Freibetrag 2026 auswirkt
Eine Witwe erhält ab Juli 2026 eine große Witwenrente von 800 Euro im Monat. Zusätzlich verdient sie 1.500 Euro netto aus einer Teilzeitbeschäftigung. Sie hat kein waisenrentenberechtigtes Kind.
Schritt 1: Freibetrag abziehen
- Einkommen: 1.500 Euro
- Freibetrag: 1.122,53 Euro
- Differenz: 1.500 Euro – 1.122,53 Euro = 377,47 Euro
Schritt 2: 40 Prozent Anrechnung
- 40 Prozent des Differenzbetrags: 0,40 × 377,47 Euro = 150,99 Euro
Schritt 3: Kürzung der Witwenrente
- Ursprüngliche Witwenrente: 800 Euro
- Anrechnungsbetrag: 150,99 Euro
- Auszahlungsbetrag: 800 Euro – 150,99 Euro ≈ 649 Euro
Das Arbeitseinkommen von 1.500 Euro bleibt vollständig erhalten. Die Entlastung gegenüber früheren Jahren besteht darin, dass der Freibetrag höher liegt – die Rente wird also später und oft weniger stark gekürzt.
Sonderfall: Die ersten drei Monate nach dem Todesfall
In den ersten drei Monaten nach dem Tod des versicherten Ehepartners gilt eine besondere Schutzregel:
- Die Witwen- oder Witwerrente wird in dieser Zeit in voller Höhe gezahlt („Sterbevierteljahr“).
- Eine Einkommensanrechnung findet in diesen drei Monaten nicht statt.
Für Hinterbliebene bedeutet das, dass sie direkt nach dem Todesfall zunächst mit einer unveränderten Rentenzahlung rechnen können, auch wenn bereits eigenes Einkommen vorhanden ist. Erst im Anschluss greift die reguläre Einkommensanrechnung mit Freibetrag und 40‑Prozent‑Regel.
Was Sie als Betroffene jetzt tun sollten
Damit Sie die höheren Freibeträge ab Juli 2026 optimal nutzen, können folgende Schritte helfen:
- Einkommen prüfen: Verschaffen Sie sich einen Überblick über Ihre Einkünfte (eigene Rente, Arbeit, Mieteinnahmen, Kapitalerträge).
- Mitteilungen an die Deutsche Rentenversicherung: Ändert sich Ihr Einkommen, sollten Sie dies der Deutschen Rentenversicherung mitteilen, damit die Witwen- oder Witwerrente korrekt berechnet wird.
- Bescheid kontrollieren: Prüfen Sie die Berechnungen im Rentenbescheid – insbesondere den angesetzten Freibetrag und den anrechenbaren Einkommensbetrag.
- Beratung nutzen: Bei Unklarheiten können Sie sich an Auskunfts- und Beratungsstellen der Rentenversicherung oder an einen Fachanwalt für Sozialrecht wenden.
Wenn Sie den Eindruck haben, dass Ihr Einkommen zu hoch angerechnet wurde, kann sich ein Widerspruch gegen den Bescheid lohnen.
FAQ: Einkommensfreibetrag Witwenrente ab Juli 2026
Wie hoch ist der Einkommensfreibetrag ab 1. Juli 2026?
Der Freibetrag liegt bei rund 1.122,53 Euro im Monat für Hinterbliebene ohne Kind. Er ergibt sich aus dem 26,4‑fachen Rentenwert von 42,52 Euro.
Wie viel Zuschlag gibt es pro Kind?
Für jedes waisenrentenberechtigte Kind steigt der Freibetrag um weitere 238,11 Euro (5,6‑facher Rentenwert).
Ab wann wird mein Einkommen auf die Witwenrente angerechnet?
Erst wenn Ihr bereinigtes Einkommen den individuellen Freibetrag übersteigt. Von dem übersteigenden Betrag werden 40 Prozent auf die Witwen- oder Witwerrente angerechnet.
Zählt auch meine eigene Altersrente als Einkommen?
Ja. Eigene Renten, Arbeitslohn, Einkünfte aus Vermietung oder Kapital können als Einkommen berücksichtigt werden. Die Details ergeben sich aus § 97 SGB VI und den Hinweisen der Deutschen Rentenversicherung.
Gilt die höhere Einkommensgrenze automatisch?
Ja. Mit der Rentenanpassung ab Juli 2026 aktualisiert die Deutsche Rentenversicherung die Freibeträge automatisch. Wenn sich Ihre Einkünfte ändern, müssen Sie diese aber selbst mitteilen.
Was passiert im Sterbevierteljahr?
In den ersten drei Monaten nach dem Tod des versicherten Ehepartners wird die Witwen- oder Witwerrente in voller Höhe gezahlt; es findet keine Einkommensanrechnung statt.

