Die Riester-Rente steht vor ihrem größten Umbau seit Einführung – viele Verträge laufen noch, doch ab 2027 soll ein neues System der geförderten privaten Altersvorsorge gelten. Die Bundesregierung will starre Garantien lockern, mehr Renditechancen eröffnen und die Förderung gerade für kleine und mittlere Einkommen attraktiver machen. Gleichzeitig bleibt der Bestandsschutz für bestehende Riester-Verträge erhalten, während neue, kostengünstigere Depot-Lösungen und Standardprodukte kommen sollen. Offizielle Informationen des Bundesfinanzministeriums und der Bundesregierung zeigen, wie die Reform konkret aussieht – und was Sie 2026 mit Ihrem Riester-Vertrag tun (oder lassen) sollten.
Ausgangslage: Warum die Riester-Rente reformiert wird
Seit 2002 fördert der Staat mit der Riester-Rente den Aufbau einer privaten Altersvorsorge – doch die Bilanz ist gemischt. Hohe Kosten, komplizierte Regeln, geringe Renditen bei Nullzinsen und strenge Garantievorgaben haben dazu geführt, dass viele Verträge ruhen oder gekündigt wurden.
Laut Bund und Deutscher Rentenversicherung nutzen vor allem Menschen mit höherem Einkommen die Riester-Förderung; Geringverdienende und viele Selbstständige sind oft außen vor geblieben. Im Koalitionsvertrag wurde deshalb vereinbart, die geförderte private Vorsorge grundlegend zu reformieren und die Riester-Rente durch flexiblere und renditestärkere Produkte zu ersetzen.
Was die Riester-Reform ab 2027 vorsieht
Mit dem Altersvorsorge-Reformgesetz, das Ende 2025 im Kabinett beschlossen wurde, wird die bisherige Riester-Rente schrittweise durch ein neues System der geförderten privaten Altersvorsorge ab 1. Januar 2027 abgelöst. Kernpunkte der Reform sind:
- Neue geförderte Produkte statt klassischer Riester-Verträge: Die Förderung wird für depotbasierte Lösungen ohne starre Beitragserhaltungs-Garantie geöffnet, insbesondere für breit gestreute ETF- und Fondsanlagen.
- Weniger Garantie, mehr Renditechance: Die Pflicht zur 100-Prozent-Beitragsgarantie entfällt; Anbieter können höhere Aktienquoten ermöglichen, was langfristig höhere Renditen verspricht – bei bewusstem Risiko.
- Standardisiertes Vorsorgeprodukt: Ein einfaches, kostengünstiges Standardprodukt („Basisvorsorgedepot“ bzw. Bürgerfonds-Ansatz in der politischen Diskussion) soll Orientierung bieten und den Markt transparenter machen.
- Entbürokratisierung: Abschluss- und Verwaltungskosten sollen gedeckelt, Förderregeln vereinfacht und digitale Prozesse ausgebaut werden.
Die bisherige Riester-Förderung über Zulagen und Sonderausgabenabzug wird im Grundsatz in die neue Struktur übertragen, aber anders ausgestaltet.
Förderung: Was sich bei Zulagen und Steuer ab 2027 ändern soll
Stand 2026 zeichnen sich nach den FAQ des Bundesfinanzministeriums und ersten Analysen folgende Eckpunkte ab:
- Neue Grundzulage: Für die ersten 1.200 Euro Eigenbeitrag pro Jahr ist eine Grundzulage von 30 Cent pro eingezahltem Euro geplant (also bis zu 360 Euro Zuschuss); von 1.201 bis 1.800 Euro sollen 20 Cent pro Euro gewährt werden.
- Anhebung der Förderung: Ab 2029 soll die Grundzulage für die ersten 1.200 Euro auf 35 Cent steigen, was eine maximale Förderung von 540 Euro jährlich ermöglichen würde.
- Mindestbeitrag: Der Mindestbeitrag soll deutlich niedriger als bisher bei rund 120 Euro pro Jahr liegen, was insbesondere Geringverdienenden den Einstieg erleichtern soll.
- Steuerliche Behandlung: Die Summe aus Einzahlungen und Zulagen soll weiterhin steuerlich berücksichtigt werden, jedoch fließen die Zulagen künftig in die Günstigerprüfung des Finanzamts ein, was im Schnitt zu höheren Steuererstattungen führen kann.
Die klassische Riester-Systematik mit 175 Euro Grundzulage und Kinderzulagen bleibt für bestehende Verträge im Grundsatz erhalten, wird aber für Neuverträge durch das neue Modell ersetzt.
Bestandsschutz: Was mit bestehenden Riester-Verträgen passiert
Für die Millionen bestehenden Riester-Verträge gilt: Sie laufen weiter, ein Zwangswechsel ist nicht vorgesehen. Laut Bundesregierung und Finanzministerium besteht ein Bestandsschutz, das heißt:
- Bestehende Verträge können wie gewohnt weitergeführt werden, inklusive bisheriger Zulagen und steuerlicher Förderung.
- Kündigungen werden durch die Reform nicht erzwungen; wer zufrieden ist, muss nichts ändern.
- Nach derzeitigem Stand soll ein freiwilliger Wechsel in die neue geförderte Altersvorsorge möglich sein, etwa durch Umstellung beim Anbieter oder Abschluss eines neuen geförderten Produkts.
Für viele Sparer stellt sich deshalb 2026 die strategische Frage: Vertrag halten, ruhend stellen, wechseln oder kündigen – und wie ist das jeweils mit Förderung und Steuer verbunden?
Wichtige Rechtsprechung: Schutz vor einseitigen Kürzungen
Parallel zur politischen Reform hat die Rechtsprechung die Rechte von Riester-Sparern gestärkt. Besonders wichtig ist ein BGH-Urteil aus dem Dezember 2025 zu fondsgebundenen Riester-Renten:
- Lebensversicherer dürfen einen ursprünglich als „fest“ vereinbarten Rentenfaktor nicht einseitig über Klauseln in den Bedingungen absenken.
- Entsprechende Kürzungsklauseln wurden für unwirksam erklärt; bereits vorgenommene Kürzungen müssen voraussichtlich korrigiert werden.
- Der Rentenfaktor als Kennzahl für die lebenslange Rente pro 10.000 Euro angespartem Kapital gewinnt damit wieder an Verlässlichkeit.
Für Riester-Sparer bedeutet das: Auch vor dem Start des neuen Systems lohnt sich ein prüfender Blick in den eigenen Vertrag und die Rentenprognose – insbesondere, wenn der Versicherer in den vergangenen Jahren den Rentenfaktor reduziert hat.
Praxis 2026: Was Riester-Sparer jetzt konkret tun sollten
Bis die Reform zum 1. Januar 2027 greift, bleibt 2026 eine Übergangsphase – aber keine „verlorene Zeit“. Sinnvoll sind insbesondere folgende Schritte:
- Bestandsaufnahme: Prüfen Sie Ihren Riester-Vertrag: Kosten, Garantien, aktuelles Vertragsguthaben, prognostizierte Rente, bisherige Wertentwicklung.
- Förderquote berechnen: Ermitteln Sie, wie hoch Ihre effektive Förderung (Zulagen, Steuerersparnis) im Verhältnis zu den Eigenbeiträgen ist – gerade für Familien mit Kindern kann Riester noch sehr attraktiv sein.
- Reform im Blick behalten: Informieren Sie sich über die konkreten Förderdetails und Produktstandards der neuen geförderten Altersvorsorge, sobald die Ausführungsbestimmungen veröffentlicht sind.
- Keine übereilten Kündigungen: Wer jetzt kündigt, riskiert die Rückzahlung von Zulagen und Steuervorteilen; oft ist ein Beitragsstopp oder späterer Wechsel in ein neues Produkt die klügere Option.
Offizielle Stellen wie das Bundesministerium für Arbeit und Soziales und der Bundesregierung werden im Verlauf von 2026 weitere Details und Rechenbeispiele veröffentlichen.
Wie die Reform Geringverdienende und junge Menschen stärken soll
Ein zentrales Ziel der Reform ist, Menschen mit niedrigen Einkommen und junge Erwachsene besser zu erreichen. Dazu dienen vor allem:
- Geringerer Mindestbeitrag: Mit etwa 10 Euro im Monat wird der Einstieg deutlich niedriger als bisher, wo 4 Prozent des Vorjahresbruttos nötig waren, um die vollen Zulagen zu erhalten.
- Stärkere prozentuale Förderung kleiner Beiträge: Eine hohe prozentuale Zulage gerade im unteren Beitragsbereich soll kleine Sparbeträge lohnender machen.
- Frühstart-Rente: Junge Menschen sollen einen staatlichen Startbonus in ihr Vorsorgekonto erhalten, der frühzeitig Kapital am Markt arbeiten lässt.
Damit soll verhindert werden, dass ausgerechnet diejenigen, die im Alter besonders auf zusätzliche Vorsorge angewiesen sind, von der geförderten Altersvorsorge ausgeschlossen bleiben.
Fazit: Riester verschwindet – die Förderung bleibt
Stand 2026 ist klar: Die klassische Riester-Rente wird politisch abgelöst, aber die Idee der staatlich geförderten privaten Altersvorsorge bleibt bestehen. Künftig sollen flexiblere, renditestärkere und kostengünstigere Produkte an ihre Stelle treten, während Bestandsverträge mit Riester-Förderung weiterlaufen können.
Für Sparerinnen und Sparer bedeutet das: Jetzt ist der Zeitpunkt, den eigenen Vertrag zu prüfen, Fördervorteile zu sichern und sich auf die neuen Möglichkeiten ab 2027 vorzubereiten – ohne vorschnelle Kündigungen und mit Blick auf individuelle Ziele und Risikobereitschaft. Wer seine Entscheidungen an offiziellen Informationen und unabhängiger Beratung ausrichtet, kann von der Reform eher profitieren als verlieren.

