Deutschlandticket-Erhöhung 2027 stoppen: Forderung entlastet Millionen Fahrgäste

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NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer fordert, den Preis des Deutschlandtickets vorerst einzufrieren und nicht zum 1. Januar 2027 erneut zu erhöhen. Aktuell kostet das bundesweit gültige Ticket für den Nahverkehr 63 Euro pro Monat – ein stabiler Preis würde vor allem Menschen mit geringem Einkommen entlasten. Die Forderung erfolgt vor dem Hintergrund einer andauernden Energiekrise, in der gleichzeitig Tankrabatte für Autofahrer und Senkungen der Luftverkehrssteuer diskutiert werden.

Warum fordert Krischer einen Preisstopp?

Der Grünen-Politiker argumentiert, dass der öffentliche Nahverkehr nicht benachteiligt werden dürfe, während für andere Verkehrsmittel Milliarden mobilisiert werden. Ein stabiler Preis für das Deutschlandticket wäre laut Krischer “das richtige Signal in dieser Zeit”. Besonders Familien mit geringem Einkommen würden durch einen Preisstopp spürbar entlastet werden. Zusätzlich schlägt der Verkehrsminister vor, dass Kinder und Jugendliche kostenfrei mitgenommen werden sollten – eine Maßnahme, die vielen Haushalten zugutekommen würde.

Die Verkehrsminister der Länder hatten im März 2026 beschlossen, einen sogenannten Preisindex einzuführen. Auf Basis dieses Index soll künftig bestimmt werden, wie teuer das Ticket wird. Eine Entscheidung über den Preis für 2027 wollen die Verkehrsminister im Herbst 2026 treffen.

Was kostet das Deutschlandticket aktuell?

Das Deutschlandticket ermöglicht bundesweit die Nutzung von Bussen und Bahnen im Regional- und Nahverkehr. Seit Januar 2026 liegt der Preis bei 63 Euro monatlich. Die Preisentwicklung verlief bisher wie folgt:

  • Mai 2023: Einführung als 49-Euro-Ticket
  • Januar 2025: Preiserhöhung auf 58 Euro
  • Januar 2026: Weitere Erhöhung auf 63 Euro

Für viele Bürgergeld-Empfänger und Rentner mit Grundsicherung stellt dieser Betrag eine erhebliche finanzielle Belastung dar. Der im Bürgergeld-Regelsatz enthaltene Anteil für Mobilität beträgt nur rund 50 Euro pro Monat – das Deutschlandticket übersteigt diese Pauschale damit um etwa 13 Euro.

Gibt es vergünstigte Tickets für Menschen mit geringem Einkommen?

In einigen Bundesländern und Verkehrsverbünden werden bereits Sozialtarife angeboten. So bietet beispielsweise der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr ein DeutschlandTicket Sozial für berechtigte Personengruppen an. Berechtigt sind unter anderem:

  • Empfänger von Arbeitslosengeld II, Bürgergeld und Sozialgeld nach SGB II
  • Empfänger von Sozialhilfe nach SGB XII
  • Empfänger von Wohngeld
  • Leistungsberechtigte nach dem Asylbewerberleistungsgesetz

Verkehrsminister Krischer hatte bereits in der Vergangenheit ein Sozialticket für 39 Euro sowie ein Schülerticket für 29 Euro angekündigt. Ob und wann diese Tarife flächendeckend eingeführt werden, ist allerdings noch offen. Betroffene sollten sich bei ihrem örtlichen Verkehrsverbund über mögliche Ermäßigungen informieren.

Wann wird über die Preiserhöhung 2027 entschieden?

Die endgültige Entscheidung über den Preis des Deutschlandtickets für 2027 soll im Herbst 2026 von den Verkehrsministern der Länder getroffen werden. Bis dahin bleibt der aktuelle Preis von 63 Euro bestehen. Kritikerinnen und Kritiker befürchten jedoch, dass ohne politischen Druck eine weitere Erhöhung beschlossen werden könnte. Der Preisindex, der als Berechnungsgrundlage dient, orientiert sich an verschiedenen Kostenfaktoren wie Personal- und Energiekosten im öffentlichen Nahverkehr.

Ob Krischers Forderung nach einem Preisstopp Erfolg haben wird, hängt maßgeblich davon ab, ob sich andere Bundesländer der Initiative anschließen. Eine einheitliche Linie der Verkehrsminister wäre notwendig, um den Ticketpreis stabil zu halten.

Expertentipp der Redaktion

Wenn Sie Bürgergeld, Grundsicherung oder andere Sozialleistungen beziehen, informieren Sie sich rechtzeitig bei Ihrem lokalen Verkehrsverbund über vergünstigte Tarife. In vielen Regionen gibt es bereits Sozialtarife für das Deutschlandticket, die deutlich unter 63 Euro liegen. Beantragen Sie diese Ermäßigung frühzeitig und halten Sie die erforderlichen Nachweise bereit. Sollte Ihr Verkehrsverbund noch kein Sozialticket anbieten, können Sie sich an die örtliche Sozialberatung wenden und nach Alternativen fragen. Manchmal übernehmen Jobcenter oder Sozialämter bei nachgewiesenem Bedarf Fahrtkosten für wichtige Termine wie Arztbesuche oder Bewerbungsgespräche.

Quellenangaben

  • Verkehrsverbund Rhein-Ruhr: DeutschlandTicket Sozial
  • Bundesministerium für Arbeit und Soziales: Informationen zu Sozialleistungen
  • WDR: Krischer fordert stabilen Preis beim Deutschlandticket
  • Bundesagentur für Arbeit: Leistungen nach SGB II

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