Wer 45 Jahre lang in die gesetzliche Rentenkasse eingezahlt hat, geht meist davon aus, im Alter finanziell abgesichert zu sein. Neue Zahlen der Bundesregierung zeigen jedoch ein anderes Bild, vor allem für Frauen. Laut einer Antwort des Bundesarbeitsministeriums auf eine schriftliche Anfrage der Linksfraktion, aus der die Rheinische Post berichtete, lag der Rentenzahlbetrag von mehr als jeder zweiten Frau mit 45 Versicherungsjahren zuletzt unter 1.450 Euro im Monat. Grundlage der Angaben ist eine Statistik der Deutschen Rentenversicherung zur sogenannten Altersrente für besonders langjährig Versicherte, besser bekannt als Rente mit 63.
Konkret bekamen im vergangenen Jahr 53,6 Prozent der Frauen, die diese Rentenart bezogen, weniger als 1.450 Euro ausgezahlt. Bei den Männern lag der Anteil bundesweit bei 21,5 Prozent. Ein Betrag in dieser Höhe würde ohne weiteres Einkommen rechnerisch unterhalb der Armutsgrenze liegen. Die Bundesregierung weist in ihrer Antwort allerdings darauf hin, dass von der Höhe der gesetzlichen Rente allein nicht automatisch auf das gesamte Alterseinkommen geschlossen werden kann, da etwa Betriebsrenten, private Vorsorge oder das Einkommen eines Partners nicht in der Statistik erfasst sind.
Wie sich die Rente für besonders langjährig Versicherte im Einzelfall berechnet und welche Zeiten auf die 45 Jahre angerechnet werden, erklärt der Ratgeber zum Thema Rente für besonders langjährig Versicherte.
Deutliches Ost-West-Gefälle bei den Männern
Während der Abstand zwischen den Geschlechtern bundesweit auffällt, zeigt sich innerhalb der Gruppe der Männer ein starkes regionales Gefälle. In Sachsen-Anhalt erhielten zuletzt fast 40 Prozent der Männer mit 45 Versicherungsjahren einen Zahlbetrag von unter 1.450 Euro, in Sachsen waren es fast 45 Prozent. In Nordrhein-Westfalen lag der Anteil dagegen nur bei 15,3 Prozent.
| Bundesland | Männer unter 1.450 Euro |
|---|---|
| Sachsen | rund 45 Prozent |
| Sachsen-Anhalt | rund 40 Prozent |
| Bundesweiter Durchschnitt (Männer) | 21,5 Prozent |
| Nordrhein-Westfalen | 15,3 Prozent |
Der Unterschied erklärt sich unter anderem aus niedrigeren Löhnen und damit geringeren Rentenpunkten in den ostdeutschen Bundesländern über einen langen Erwerbszeitraum hinweg.
Warum die Rentenhöhe allein wenig über Altersarmut aussagt
Die Bundesregierung betont in ihrer Antwort an die Linksfraktion, dass die gesetzliche Rente nur einen Teil des Alterseinkommens abbildet. Wer beispielsweise eine Betriebsrente, Riester- oder Rürup-Leistungen bezieht oder mit einem Partner zusammenlebt, dessen Einkommen zum Haushalt beiträgt, kann trotz niedriger gesetzlicher Rente finanziell besser dastehen als die reine Zahlbetrags-Statistik vermuten lässt. Zudem zählen zu den 45 Versicherungsjahren nicht nur Beitragszeiten aus Erwerbstätigkeit, sondern auch beitragsfreie Zeiten, etwa für Kindererziehung oder Ausbildung.
Kritikerinnen und Kritiker aus der Linksfraktion sehen die Zahlen dennoch als Warnsignal. Die rentenpolitische Sprecherin der Linken, Sarah Vollath, kritisierte, eine Kürzung der Rente für besonders langjährig Versicherte würde Menschen treffen, die bereits jetzt mit vergleichsweise niedrigen Renten auskommen müssten. Die ostdeutschlandpolitische Sprecherin der Linksfraktion, Mandy Eißing, warnte, eine Abschaffung würde besonders die ostdeutschen Bundesländer hart treffen, da dort viele Menschen allein auf die gesetzliche Rente angewiesen seien.
Reform der Rente mit 63 rückt näher
Die Debatte um die Zahlen fällt in eine Phase, in der die Zukunft der Rente für besonders langjährig Versicherte politisch bereits konkret verhandelt wird. Die von der Bundesregierung eingesetzte Alterssicherungskommission hat am 23. Juni 2026 ihren Abschlussbericht vorgelegt und empfiehlt darin unter anderem, den abschlagsfreien Renteneintritt nach 45 Versicherungsjahren komplett abzuschaffen. An seine Stelle soll eine neue Schutzrente für Beschäftigte treten, die aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig aus ihrem Beruf ausscheiden müssen.
Der Koalitionsausschuss von CDU, CSU und SPD hat den Bericht bereits am 2. Juli 2026 gewürdigt und angekündigt, die insgesamt 33 Empfehlungen der Kommission vollständig und zügig umsetzen zu wollen, wie die Bundesregierung mitteilte. Eine gesetzliche Umsetzung ist damit noch nicht beschlossen, die politischen Beratungen dazu sind aber für den Herbst 2026 angesetzt. Beobachterinnen und Beobachter gehen davon aus, dass sich die Koalition in weiten Teilen an den Kommissionsvorschlägen orientieren wird.
Häufige Fragen zur Rente nach 45 Versicherungsjahren
Was ist die Rente für besonders langjährig Versicherte genau?
Es handelt sich um eine Altersrente, die Versicherten mit mindestens 45 Versicherungsjahren einen abschlagsfreien Renteneintritt vor der Regelaltersgrenze ermöglicht. Sie wird umgangssprachlich häufig noch als Rente mit 63 bezeichnet, auch wenn das tatsächliche Eintrittsalter je nach Geburtsjahrgang inzwischen deutlich höher liegt.
Warum bekommen Frauen im Schnitt eine niedrigere Rente als Männer?
Der Unterschied entsteht vor allem durch geringere Erwerbseinkommen während des Berufslebens, häufigere Teilzeitarbeit sowie Erwerbsunterbrechungen etwa durch Kindererziehung oder Pflege von Angehörigen. Diese Faktoren wirken sich unmittelbar auf die Zahl der erworbenen Rentenpunkte und damit auf die spätere Rentenhöhe aus.
Bedeutet eine niedrige gesetzliche Rente automatisch Armut im Alter?
Nicht zwingend. Die gesetzliche Rente ist nur ein Baustein der Alterssicherung. Betriebsrenten, private Vorsorge, Kapitalerträge oder das Einkommen eines Partners fließen in die veröffentlichte Statistik nicht ein, können das tatsächliche Alterseinkommen aber deutlich erhöhen.
Wird die Rente für besonders langjährig Versicherte tatsächlich abgeschafft?
Beschlossen ist das noch nicht. Die Alterssicherungskommission hat die Abschaffung im Juni 2026 lediglich empfohlen, die Bundesregierung hat die Empfehlungen zur Kenntnis genommen und will sie zügig umsetzen. Die konkreten gesetzlichen Beratungen stehen für den Herbst 2026 an, eine endgültige Entscheidung des Bundestags liegt bislang nicht vor.