Vermögen in Deutschland: Warum hohe Sparquoten nicht reichen und oft in die falsche Richtung gehen

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Die privaten Haushalte in Deutschland haben zwischen 2021 und 2023 inflationsbereinigt Vermögen verloren. Das zeigt die Vermögensbefragung der Bundesbank, deren Ergebnisse im April 2025 veröffentlicht wurden. Gleichzeitig spart Deutschland im internationalen Vergleich einen hohen Anteil seines Einkommens. Wie beides zusammenpasst, erklärt sich durch die Preisentwicklung, die Verteilung der Vermögen und die Frage, welche Werte die Statistik überhaupt erfasst.

Wie viel Vermögen besitzen die Haushalte in Deutschland?

Das Nettovermögen der privaten Haushalte lag 2023 im Durchschnitt bei 324.800 Euro. Der Median, also der Wert in der Mitte der Vermögensverteilung, betrug dagegen 103.200 Euro. Eine Hälfte der Haushalte besaß weniger, die andere mehr. Beide Angaben beziehen sich auf Haushalte, nicht auf einzelne Erwachsene.

Der große Abstand zwischen Durchschnitt und Median zeigt, wie ungleich die Vermögen verteilt sind. Sehr hohe Vermögen ziehen den Durchschnitt nach oben. In der Bundesbank-Befragung entfielen 2023 rund 54 Prozent des gesamten Nettovermögens auf die vermögendsten zehn Prozent der Haushalte.

Zum Nettovermögen zählen unter anderem Bankguthaben, Wertpapiere, Immobilien und Unternehmensbeteiligungen sowie Fahrzeuge und Wertgegenstände. Davon werden die Schulden abgezogen. Die Zahl von 103.200 Euro beschreibt deshalb keinen typischen Kontostand und auch keine frei verfügbare Rücklage.

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Wie stark ist das Vermögen durch die Inflation gesunken?

Zwischen 2021 und 2023 sank das mittlere Haushaltsvermögen gemessen am Median nominal von 106.600 auf 103.200 Euro. Nach Berücksichtigung der Inflation fiel der Rückgang deutlich stärker aus: In einheitlichen Preisen von 2010 verringerte sich der Median von 90.500 auf 76.000 Euro. Das entspricht einem Kaufkraftverlust von rund 16 Prozent.

Kennzahl je Haushalt20212023
Durchschnittliches Nettovermögen, nominal316.500 Euro324.800 Euro
Median des Nettovermögens, nominal106.600 Euro103.200 Euro
Durchschnittliches Nettovermögen, in Preisen von 2010268.700 Euro239.200 Euro
Median des Nettovermögens, in Preisen von 201090.500 Euro76.000 Euro

Quelle: Bundesbank, Vermögensbefragung 2023. Die inflationsbereinigten Beträge dienen dem Kaufkraftvergleich; sie sind keine tatsächlichen Kontostände.

Dass der nominale Durchschnitt stieg, während der Median sank, ist kein Widerspruch. Beide Kennzahlen beschreiben unterschiedliche Eigenschaften der Verteilung. Vor allem zeigt ein höherer Eurobetrag noch nicht, dass sich damit auch mehr kaufen lässt.

Werden die Haushalte in Deutschland dauerhaft ärmer?

Die Bundesbank-Daten belegen einen realen Vermögensrückgang zwischen 2021 und 2023, aber keinen durchgehenden Rückgang über einen längeren Zeitraum. Gegenüber 2017 lag das Nettovermögen 2023 auch nach Abzug der Inflation höher: beim Durchschnitt um 13 Prozent und beim Median um 18 Prozent. Der gewählte Vergleichszeitraum verändert die Einordnung erheblich.

Auch eine monatlich fortschreitende Verarmung bis November 2026 lässt sich aus dieser Befragung nicht ablesen. Die auf der Bundesbank-Ergebnisseite zuletzt ausgewiesene Befragungswelle betrifft 2023. Die Interviews fanden zwischen Mai 2023 und Mitte Februar 2024 statt; veröffentlicht wurden die Ergebnisse am 10. April 2025.

Für die Bewertung der finanziellen Lage bedeutet das: Der Kaufkraftverlust ist belegt. Wie sich das Haushaltsvermögen danach entwickelt hat, muss anhand späterer, methodisch geeigneter Daten beurteilt werden.

Warum wächst das Vermögen nicht automatisch, wenn viel gespart wird?

Eine hohe Sparquote misst, welcher Anteil des verfügbaren Einkommens nicht für Konsum verwendet wird. Sie sagt nicht, wie sich vorhandene Immobilien, Wertpapiere oder andere Vermögenswerte entwickeln. Nach der Definition des Statistischen Bundesamtes zählen Kursgewinne und Kursverluste sowie Wertänderungen bei Immobilien weder zum Sparen noch zum Einkommen.

Deshalb kann ein Haushalt Geld zurücklegen und trotzdem Vermögen verlieren, wenn beispielsweise der Wert seiner Immobilie sinkt. Zusätzlich kann Inflation die Kaufkraft des gesamten Vermögens verringern.

Deutschland gehört dabei keineswegs zu den Ländern mit einer niedrigen gesamtwirtschaftlichen Sparquote. Für 2024 bezifferte Destatis die international vergleichbare Bruttosparquote auf 20,0 Prozent. Im EU-Durchschnitt waren es 14,6 Prozent, in Italien 11,9 Prozent und in den USA 10,8 Prozent.

Von dieser Bruttosparquote ist die Nettosparquote zu unterscheiden, bei der Abschreibungen insbesondere auf Wohngebäude bereits abgezogen sind. Sie betrug in Deutschland im ersten Halbjahr 2025 saisonbereinigt 10,3 Prozent. Diese beiden Quoten dürfen nicht unmittelbar miteinander verglichen werden.

Warum sagt die Sparquote wenig über Ihren eigenen Spielraum aus?

Die gesamtwirtschaftliche Sparquote fasst die privaten Haushalte zusammen und verdeckt dabei erhebliche Unterschiede. Destatis weist ausdrücklich darauf hin, dass manche Haushalte viel zurücklegen können, während anderen am Monatsende wenig oder nichts bleibt. Aus einer hohen Sparquote folgt deshalb nicht, dass alle Menschen ausreichend für Notfälle oder das Alter vorsorgen können.

Auch bei der Vermögensanlage unterscheiden sich die Haushalte. Nach der Bundesbank-Befragung halten vermögensärmere Haushalte hauptsächlich Guthaben auf Sparkonten und andere risikoarme Anlagen. Aktien und Investmentfonds sind häufiger bei vermögenderen Haushalten zu finden. Zugleich steigt der Anteil der Haushalte mit Fonds oder Aktien bereits seit mehreren Jahren.

Die Daten beschreiben damit sowohl unterschiedliche finanzielle Möglichkeiten als auch unterschiedliche Anlageformen. Sie rechtfertigen keine pauschale Erklärung, wonach fehlendes Vermögen allein auf mangelnde Sparbereitschaft zurückzuführen wäre.

Welche Rolle spielt Wohneigentum beim Vermögensaufbau?

Immobilienbesitz hängt in der Bundesbank-Befragung eng mit hohen Vermögen zusammen. Zugleich lebt ein großer Teil der Haushalte in Deutschland zur Miete: Nach dem Mikrozensus-Zusatzprogramm Wohnen waren 2022 knapp 42 Prozent der Haushalte Eigentümer ihrer selbst bewohnten Wohnung. Rund 58 Prozent lebten zur Miete.

Die Bezugsgröße ist wichtig. Diese Eigentumsquote beschreibt Haushalte. Andere Veröffentlichungen können den Anteil der Menschen in Eigentümerhaushalten oder den Anteil selbst genutzter Wohnungen messen. Unterschiedliche Prozentwerte sind deshalb nicht zwangsläufig widersprüchlich.

Bei verschuldetem Immobilienbesitz kommt außerdem der Kredit hinzu. Für das Nettovermögen zählt nicht allein der geschätzte Verkaufspreis des Hauses oder der Wohnung, sondern der verbleibende Wert nach Abzug der Verbindlichkeiten. Fallen Immobilienpreise, kann das Nettovermögen sinken, obwohl der Haushalt weiter seinen Kredit bedient.

Warum fehlen gesetzliche Rentenansprüche in der Vermögensstatistik?

Künftige Ansprüche auf gesetzliche Renten und Pensionen werden im Standardkonzept der Bundesbank-Befragung nicht als Vermögen erfasst. Sie unterscheiden sich von einem Bankguthaben oder einer Immobilie: Sie lassen sich in der Regel nicht beleihen und stehen nicht als frei verfügbares Kapital bereit. Für die spätere finanzielle Absicherung bleiben sie dennoch bedeutsam.

Die Bundesbank hat deshalb ergänzend simuliert, wie sich die Verteilung unter Einbeziehung solcher Ansprüche verändern würde. In dieser Modellrechnung sinkt der Anteil der vermögendsten zehn Prozent am entsprechend erweiterten Gesamtvermögen von rund 54 auf 39 Prozent.

Das Ergebnis hängt unter anderem von Annahmen zur Lebenserwartung, zum Rentenbeginn und zur Abzinsung künftiger Zahlungen ab. Es ist keine zusätzliche Geldreserve der Haushalte. Es zeigt aber, warum eine Vermögenszahl allein die Alterssicherung nicht vollständig beschreibt.

FAQ zur Vermögensentwicklung in Deutschland

Wie viele Haushalte hat die Bundesbank befragt?

An der Befragungswelle 2023 beteiligten sich 3.985 Haushalte. Die Bundesbank gewichtet die Angaben, um repräsentative Ergebnisse für die privaten Haushalte in Deutschland zu erhalten.

Werden Immobilienwerte aus Kaufverträgen übernommen?

Die befragten Haushalte schätzen, welchen Preis ihre Immobilie bei einem Verkauf erzielen würde. Die ausgewiesenen Werte beruhen damit auf Selbstauskünften und nicht durchgehend auf tatsächlich abgeschlossenen Verkäufen.

Sind besonders große Vermögen vollständig erfasst?

Nein. Die Bundesbank weist darauf hin, dass sehr vermögende Haushalte in der Befragung untererfasst sind. Ihre ergänzende verteilungsbasierte Vermögensbilanz versucht, diese Datenlücke durch zusätzliche Informationen und Schätzungen zu verringern.

Kann das Nettovermögen eines Haushalts negativ sein?

Ja. Übersteigen die Schulden den erfassten Wert des Sach- und Finanzvermögens, ergibt sich ein negatives Nettovermögen. Entscheidend ist die Differenz zwischen Vermögenswerten und Verbindlichkeiten.

Fazit unserer Redaktion zum Sparverhalten der Deutschen in den letzten Jahren

Die Inflation hat das Haushaltsvermögen zwischen 2021 und 2023 spürbar entwertet. Daraus folgt jedoch weder, dass Sparen grundsätzlich wirkungslos wäre, noch dass alle Haushalte dauerhaft ärmer werden. Für eine belastbare Einordnung müssen Kaufkraft, Schulden, Vermögensverteilung und Alterssicherung gemeinsam betrachtet werden.

Quellen

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