Frühstartrente ab 2027: Kostendeckel, Aktienrisiko und unabhängige Beratung

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Der Bundestag hat am 16. Oktober 2026 die Frühstartrente beschlossen. Ab 2027 sollen für Kinder der Jahrgänge 2020 und 2021 monatlich 10 Euro in ein Altersvorsorgedepot fließen. Banken werben bereits um Depots und Zuzahlungen. Familien mit knappem Budget fragen deshalb jetzt, wie sicher das Geld liegt und wer ohne Verkaufsinteresse berät.

Frühstartrente: Gesetz beschlossen, Bundesrat noch am Zug

Im Bundestag stimmten Union und SPD für das Gesetz. Es braucht noch die Zustimmung des Bundesrats. Die Deutsche Rentenversicherung wies am 19. Oktober darauf hin, dass das Verfahren nicht abgeschlossen ist (Stand: 7. November 2026). Die Länderkammer hatte im ersten Durchgang Änderungen verlangt, unter anderem eine erneute Information junger Erwachsener, bevor nicht abgerufene Gelder verfallen.

Geplant ist der Start zum 1. Januar 2027. Kinder des Jahrgangs 2020 erhalten die Zahlung für 2026 rückwirkend, danach kommt jedes Jahr der Jahrgang der neuen Sechsjährigen hinzu. Ältere Kinder erhalten keinen Zuschuss. Über zwölf Jahre summiert sich die staatliche Zahlung auf 1.440 Euro. Prüfung und Auszahlung übernimmt die Zentrale Zulagenstelle für Altersvermögen. Den Bund kostet das 2027 rund 198 Millionen Euro, bis 2030 steigt der Betrag auf 411 Millionen Euro.

Zwei Wege für das Geld: eigenes Depot oder Bundesbank

Eltern können bei einem zugelassenen Anbieter ein zertifiziertes Standarddepot auf den Namen des Kindes eröffnen. Dann fließen die zehn Euro dorthin. Eröffnen sie keines, verfällt der Anspruch nicht. Die Deutsche Bundesbank legt das Geld dann für den ganzen Jahrgang gemeinsam an, breit gestreut und überwiegend in Aktien und Aktienfonds. Diese Sammelanlage beginnt etwa ein Jahr nach dem sechsten Geburtstag.

Ihre Meinung ist gefragt:

Sollte der Staat das Geld der Frühstartrente für alle Kinder selbst anlegen, statt Eltern die Wahl des Depots zu überlassen?

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Nach dem 18. Geburtstag lässt sich das Kapital in einen eigenen Altersvorsorgevertrag übertragen. Wer in der Bundesbank-Lösung war, hat dafür bis zum 35. Geburtstag Zeit. Ausgezahlt wird das Kapital laut Gesetzentwurf grundsätzlich nicht vor dem 65. Lebensjahr.

Wie sicher die Frühstartrente ist: Kostenregeln ja, Garantie nein

Das Gesetz enthält mehrere Schutzregeln. Im Standarddepot dürfen die jährlichen Gesamtkosten höchstens ein Prozent betragen. Bis zur Volljährigkeit sind Abschluss- und Vertriebskosten ausgeschlossen. Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg hatte diese Vorgaben bereits im Referentenentwurf als Schutz für minderjährige Sparer begrüßt.

Einen festen Endbetrag gibt es nicht. Das Geld steckt überwiegend in Aktien, und deren Kurse schwanken. Die vom Bundesfinanzministerium genannten rund 53.000 Euro bis zum 65. Geburtstag beruhen auf einer angenommenen Rendite von 7 Prozent pro Jahr. Läuft der Markt schwächer, bleibt weniger übrig.

Auch die Kosten verändern das Ergebnis spürbar. Eine Beispielrechnung der Redaktion mit 6 Prozent Bruttorendite zeigt den Abstand zwischen einem günstigen Depot und einem Depot am gesetzlichen Kostenlimit.

AlterDepot mit 0,2 % KostenDepot mit 1,0 % KostenUnterschied
18 Jahre2.063 Euro1.961 Euro102 Euro
35 Jahre5.380 Euro4.496 Euro884 Euro
67 Jahre32.685 Euro21.421 Euro11.264 Euro

Annahmen: 10 Euro monatlich vom 6. bis zum 18. Geburtstag, danach keine weiteren Einzahlungen, 6 Prozent Rendite pro Jahr vor Kosten, nominal, vor Steuern und ohne Inflation. Bei späteren Auszahlungen fällt nach Angaben der Verbraucherzentralen in voller Höhe Einkommensteuer an.

Kritik an der Frühstartrente: Übergang in den Markt ungeregelt

Der Verbraucherzentrale Bundesverband hält die Idee für gut, das Gesetz aber für unfertig. Kinder in der Bundesbank-Anlage hätten jahrelang keinen Einblick in ihr Guthaben. Den Wechsel aus der Sammelanlage in private Verträge überlasse der Gesetzgeber nach Worten von vzbv-Finanzmarktexpertin Dorothea Mohn „komplett dem Markt und Vertrieb“.

Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg warnt vor einer neuen Verkaufswelle, die an die Verantwortung der Eltern appelliert. Finanzhäuser werben bereits mit Steuervorteilen für Zuzahlungen von bis zu 6.840 Euro im Jahr. Die Verbraucherzentralen halten dagegen, dass Kinder eigene Freibeträge haben und ein gewöhnliches Junior-Depot oft ebenfalls steuerfrei bleibt, dabei aber flexibler ist. Aus der Opposition kam der Vorwurf eines Zweiklassensystems, weil wohlhabende Eltern deutlich mehr aufstocken können.

Neutrale Beratung zur Frühstartrente: Verbraucherzentralen und Rentenversicherung

Anbieterunabhängig informieren die Verbraucherzentralen, die keine Finanzprodukte verkaufen. Sie haben einen Überblick zur Frühstartrente veröffentlicht. Im November 2026 laufen dort mehrere kostenfreie Online-Vorträge zur Reform der privaten Altersvorsorge, etwa am 11., 18. und 19. November. Einzelberatung bieten die Verbraucherzentralen der Länder über ihr Beratungsportal an. Nach ihrer Einschätzung besteht für Eltern derzeit kein Handlungsdruck, weil das Gesetz erst in Kraft treten muss.

Die Deutsche Rentenversicherung hat einen Fragenkatalog zur Frühstartrente zusammengestellt und betreibt ein kostenloses Servicetelefon unter 0800 1000 4800. Depots vertreibt die Rentenversicherung nicht. Beim Bankberater sieht die Lage anders aus: Für das Standarddepot selbst fallen bis zum 18. Geburtstag keine Vertriebskosten an, an höheren Depotständen durch Zuzahlungen und an anderen Kinderprodukten verdienen Anbieter aber mit.

Häufige Fragen zur Frühstartrente

Wer bekommt die Frühstartrente ab 2027?

Anspruch haben Kinder ab dem Geburtsjahrgang 2020 mit Wohnsitz in Deutschland und steuerlicher Identifikationsnummer. Gezahlt wird vom sechsten bis zum 18. Geburtstag. Die Zentrale Zulagenstelle für Altersvermögen prüft die Voraussetzungen.

Was passiert mit der Frühstartrente, wenn Eltern kein Depot eröffnen?

Dann legt die Deutsche Bundesbank das Geld gesammelt für den Jahrgang an, die Förderung geht nicht verloren. Nach dem 18. Geburtstag kann das Guthaben bis zum 35. Geburtstag in einen eigenen Altersvorsorgevertrag übertragen werden. Wie junge Erwachsene rechtzeitig davon erfahren, war im Entwurf nicht abschließend geregelt.

Ab wann kann über das Geld aus der Frühstartrente verfügt werden?

Das Kapital ist für die Altersvorsorge gebunden. Eine Auszahlung ist grundsätzlich nicht vor dem 65. Lebensjahr vorgesehen. Die Rentenzahlung beginnt nach Angaben der Verbraucherzentralen zwischen dem 65. und dem 70. Lebensjahr.

Wie viel dürfen Eltern und Großeltern zusätzlich einzahlen?

Private Zuzahlungen sind bis 6.840 Euro pro Kalenderjahr erlaubt. Eine staatliche Förderung gibt es dafür nicht. Das Geld unterliegt denselben Bindungen wie der staatliche Zuschuss, während ein gewöhnliches Kinderdepot frei verfügbar bleibt.

Einschätzung der Redaktion

Aus Sicht der Redaktion ist die Frühstartrente richtig angelegt. Sie bedenkt jedes Kind unabhängig vom Einkommen der Eltern und begrenzt die Kosten bis zur Volljährigkeit. Die Schwachstelle liegt beim Übergang mit 18. Wer dann aus der Bundesbank-Anlage in einen privaten Vertrag wechselt, trifft auf einen Markt, der von Provisionen lebt. Gerade Familien mit wenig Geld und wenig Finanzwissen brauchen in diesem Moment Rat, der nichts verkaufen will. Einzelne Online-Vorträge reichen dafür nicht. Der Bund sollte das Gesetz mit einer dauerhaft finanzierten, unabhängigen Beratung verbinden. Sonst übernimmt am Ende der Vertrieb die Finanzbildung, die sich der Staat vorgenommen hat.

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