Kindergeld 2027: 267 Euro im Entwurf, Antrag für erste Kinder bleibt nötig

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Acht Euro mehr pro Kind und Monat sieht der Regierungsentwurf zur Einkommensteuerreform für das Kindergeld 2027 vor, von 259 auf 267 Euro. Für Familien, die bei Miete, Strom und Lebensmitteln knapp rechnen, ist das spürbar. Beschlossen ist die Erhöhung noch nicht. Zugleich ändert sich, wie Neugeborene überhaupt zu ihrem Kindergeld kommen.

Kindergeld 2027: Wo das Gesetzgebungsverfahren steht

Die Erhöhung steht im Einkommensteuerreformgesetz 2027. Das Bundeskabinett hat den Entwurf am 2. September 2026 beschlossen. Der Bundestag hat ihn am 8. Oktober in erster Lesung beraten und an den Finanzausschuss überwiesen. Der Bundesrat nahm am 16. Oktober Stellung. Seine Änderungswünsche betrafen vor allem die Regeln für steuerfreie Sonn- und Feiertagszuschläge.

Als nächster Schritt steht die öffentliche Anhörung im Finanzausschuss am 4. November 2026 an. Danach folgen die zweite und dritte Lesung im Bundestag und der zweite Durchgang im Bundesrat. Erst wenn das Gesetz verkündet ist, steht der neue Betrag rechtlich fest.

VerfahrensschrittDatumStatus
Kabinettsbeschluss2. September 2026erledigt
Erste Lesung im Bundestag8. Oktober 2026erledigt
Stellungnahme des Bundesrates16. Oktober 2026erledigt
Anhörung im Finanzausschuss4. November 2026angesetzt
2./3. Lesung, Bundesrat, Verkündungnoch kein Terminoffen

Stand: 27. Oktober 2026

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Was die geplanten Beträge für Familien ausmachen

Seit Januar 2026 zahlen die Familienkassen 259 Euro je Kind. Nach dem Entwurf sollen es 2027 genau 267 Euro sein, 2028 dann 272 Euro. Der Betrag ist für jedes Kind gleich, unabhängig von der Geschwisterzahl.

Kinder mit Anspruch20262027 (Entwurf)2028 (Entwurf)
1 Kind259 Euro267 Euro272 Euro
2 Kinder518 Euro534 Euro544 Euro
4 Kinder1.036 Euro1.068 Euro1.088 Euro

Eine Familie mit vier Kindern hätte 2027 also 32 Euro mehr im Monat, aufs Jahr gerechnet 384 Euro. Parallel sollen die steuerlichen Freibeträge für Kinder von 9.756 auf 10.056 Euro steigen. Das Finanzamt prüft bei der Steuererklärung von sich aus, ob Kindergeld oder Freibetrag günstiger ist. Bei höheren Einkommen bringt der Freibetrag mehr.

Wer heute schon Kindergeld bezieht, braucht für den höheren Betrag keinen neuen Antrag. Die Familienkasse würde die Zahlung umstellen, sobald das Gesetz gilt.

Kindergeld ohne Antrag startet zuerst bei Geschwisterkindern

Weiter ist ein zweites Vorhaben. Das antragslose Kindergeld hat der Bundestag am 9. Juli beschlossen, der Bundesrat stimmte am 25. September zu. Nach den Angaben der Bundesregierung kommt die Umstellung 2027 in zwei Stufen.

Ab dem Frühjahr 2027 sollen zunächst Familien profitieren, die bereits Kindergeld beziehen und ein weiteres Kind bekommen. Deren Daten liegen der Familienkasse schon vor. Die Geburt meldet das Standesamt, das Bundeszentralamt für Steuern vergibt die Steuer-ID des Babys und übermittelt sie an die Familienkasse.

Erstgeborene sollen erst Ende 2027 folgen. Dann gelten drei Bedingungen: Mindestens ein Elternteil wohnt mit dem Kind in Deutschland, von diesem Elternteil ist eine IBAN bekannt, und mindestens ein Elternteil arbeitet im Inland. Wo Daten fehlen oder Zweifel am Anspruch bestehen, bleibt es beim bisherigen Verfahren.

Wann der klassische Antrag weiterhin gebraucht wird

Für Paare, deren erstes Kind im Frühjahr oder Sommer 2027 zur Welt kommt, ändert sich zunächst wenig. Für sie bleibt der Antrag der Weg zum Geld, und dabei zählt das Tempo: Die Familienkasse zahlt rückwirkend höchstens sechs Monate. Geht der Antrag erst im elften Lebensmonat ein, fehlen die ersten vier Monate. Bei 267 Euro sind das 1.068 Euro.

Auch Pflege- und Adoptivfamilien sowie Eltern volljähriger Kinder in Ausbildung oder Studium werden weiterhin Nachweise einreichen müssen. Die Automatik erkennt eine Geburt, aber keinen Ausbildungsvertrag.

Bei Geschwisterkindern hängt die automatische Zahlung an der hinterlegten Bankverbindung. Ein geschlossenes Konto oder eine veraltete Adresse bei der Familienkasse bremst das neue Verfahren aus. Änderungen müssen direkt dort gemeldet werden, eine Meldung beim Einwohnermeldeamt reicht nicht.

Familien mit Jobcenter-Leistungen haben am Monatsende nicht mehr

Für Haushalte, die ergänzende Leistungen vom Jobcenter beziehen, verpufft die Erhöhung meist. Kindergeld zählt dort als Einkommen des Kindes, soweit es für dessen Lebensunterhalt gebraucht wird. Ein Beispiel: Eine Mutter mit drei Kindern erhielte 2027 statt 777 Euro dann 801 Euro Kindergeld, also 24 Euro mehr. Bleibt alles andere gleich, kürzt das Jobcenter seine Leistung um dieselben 24 Euro. Auf dem Konto landet dieselbe Summe wie vorher.

Fragen und Antworten zum Kindergeld 2027

Wann wird das Kindergeld 2027 erstmals mit 267 Euro ausgezahlt?

Wenn das Gesetz rechtzeitig verabschiedet wird, gilt der neue Betrag ab Januar 2027. Der genaue Zahltag richtet sich nach der Endziffer der Kindergeldnummer. Bis dahin bleibt es bei 259 Euro.

Wer bekommt das Kindergeld für ein Geschwisterkind ohne Antrag?

Nach dem neuen Verfahren erhält es grundsätzlich der Elternteil, der schon für die älteren Geschwister Kindergeld bezieht. Soll eine andere berechtigte Person das Geld bekommen, muss das mit der Familienkasse geklärt werden.

Wie hoch ist der Kinderfreibetrag 2027?

Nach dem Entwurf steigen die Freibeträge für Kinder insgesamt auf 10.056 Euro pro Jahr, 2028 auf 10.236 Euro. Die Freibeträge wirken nur bei der Einkommensteuer und werden nicht ausgezahlt.

Was gilt beim Kindergeld 2027 für volljährige Kinder?

Für Kinder über 18 gibt es Kindergeld nur unter Voraussetzungen, etwa während einer Ausbildung oder eines Studiums, längstens bis zum 25. Geburtstag. Die Erhöhung gilt auch für sie. Die nötigen Bescheinigungen fordert die Familienkasse weiterhin an.

Einschätzung der Redaktion

Acht Euro mehr pro Kind sind kein großer Wurf, aber ein verlässlicher Ausgleich für steigende Preise im Familienalltag. Für wichtiger halten wir die zweite Reform. Ein Kindergeld, das nach der Geburt von selbst kommt, nimmt jungen Eltern Arbeit in einer anstrengenden Zeit ab. Dass ausgerechnet Erstgeborene bis Ende 2027 warten müssen, ist schwer zu vermitteln, denn gerade diese Eltern kennen das Verfahren noch nicht. Unbefriedigend bleibt die Lage für Familien im Leistungsbezug. Für sie ändert die Erhöhung auf dem Kontoauszug nichts. Wer Kinderarmut ernsthaft angehen will, wird an dieser Stelle eine Lösung finden müssen.

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