Bis 2029 könnten in Deutschland 723.000 Fachkräfte fehlen – fast doppelt so viele wie noch 2025. Das zeigt eine aktuelle Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft. Besonders betroffen sind Verkauf, Kinderbetreuung und Handwerk – während zeitgleich die Regeln für Jobsuchende in der Grundsicherung strenger werden.
Wo die Lücke am größten wird
Das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) hat die Entwicklung des Arbeitsmarkts in rund 1.300 Berufen bis zum Jahr 2029 fortgeschrieben. Grundlage sind Daten bis Ende 2024. Das Ergebnis: Im Jahr 2025 fehlten bundesweit knapp 370.000 Fachkräfte. Bis 2029 könnte sich diese Lücke auf rund 723.000 nahezu verdoppeln – ein Anstieg von etwa 47 Prozent.
Am stärksten betroffen ist der Einzelhandel. Bei Verkäuferinnen und Verkäufern rechnet das IW mit rund 39.100 unbesetzten Stellen im Jahr 2029, bei derzeit etwa 870.000 Beschäftigten in dieser Berufsgruppe. Auch soziale Berufe geraten zunehmend unter Druck.
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👉 Jetzt als bevorzugte Quelle bei Google News speichern (⭐️ klicken)| Berufsgruppe | Fehlende Fachkräfte bis 2029 |
|---|---|
| Verkäuferinnen und Verkäufer | rund 39.100 |
| Kinderbetreuung und -erziehung | rund 29.900 |
| Sozialarbeit und -pädagogik | rund 23.600 |
| Bauplanung und -überwachung | rund 15.000 |
| Kraftfahrzeugtechnik | rund 15.900 |
| Elektrische Betriebstechnik | rund 13.800 |
| Mechatronik | rund 13.600 |
Besonders bemerkenswert: Ausbildungsberufe sind überproportional betroffen. Gerade in Berufen, die für den industriellen Strukturwandel gebraucht werden, etwa in der Kraftfahrzeugtechnik oder Mechatronik, wird qualifiziertes Personal knapp – zu einer Zeit, in der ganze Branchen gleichzeitig umgebaut werden.
Warum sich der Mangel bis 2029 verschärft
Der zentrale Treiber ist demografisch: Die geburtenstarken Jahrgänge der Babyboomer scheiden in den kommenden Jahren aus dem Erwerbsleben aus. Gleichzeitig rücken schwächer besetzte jüngere Jahrgänge nach. Die Studie geht davon aus, dass sich dieser Effekt allein durch inländisches Potenzial kaum auffangen lässt.
Hinzu kommt ein Rückgang der Zuwanderung, der die Entwicklung nach Einschätzung der Studienautoren zusätzlich beschleunigt. Der aktuelle Geburtenrückgang sowie die zusätzliche Arbeitskräftenachfrage durch das milliardenschwere Sondervermögen für Infrastruktur sind in der Modellrechnung noch nicht berücksichtigt – die tatsächliche Lücke könnte also größer ausfallen als in der Prognose angenommen.
Was die Entwicklung für Jobsuchende bedeutet
Der Fachkräftemangel bleibt nicht ohne Folgen für die Arbeitsmarktpolitik. Zum 1. Juli 2026 wurde das bisherige Bürgergeld in die „Grundsicherung für Arbeitsuchende“ überführt. Damit gilt seither wieder der sogenannte Vermittlungsvorrang: Eine passende Arbeitsstelle geht in der Regel vor einer Weiterbildung. Ziel der Reform ist laut Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Menschen schneller und dauerhaft in Beschäftigung zu bringen – ausdrücklich auch vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels.
Kritiker warnen dagegen, dass eine schnelle Vermittlung ohne Qualifizierung gerade in den Berufen, in denen die Lücke am größten ist, keine nachhaltige Lösung sei. Befürworter der Reform verweisen darauf, dass ungenutzte Potenziale, etwa bei Teilzeitkräften, die ihre Arbeitszeit aufstocken möchten, oder bei älteren Beschäftigten, gezielter erschlossen werden sollen. Beide Debatten zeigen: Die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt und die Regeln in der Grundsicherung sind inzwischen eng miteinander verknüpft.
Häufige Fragen zum Fachkräftemangel bis 2029
Wie kommt die Zahl von 723.000 fehlenden Fachkräften zustande?
Das Institut der deutschen Wirtschaft hat Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt zwischen 2018 und 2024 in rund 1.300 Einzelberufen ausgewertet und diesen Trend rechnerisch bis 2029 fortgeschrieben. Die Zahl beschreibt somit eine Prognose auf Basis bisheriger Entwicklungen, keine feste Vorhersage.
Welche Berufe sind am stärksten betroffen?
Die größte absolute Lücke wird im Einzelhandel bei Verkäuferinnen und Verkäufern erwartet, gefolgt von der Kinderbetreuung sowie der Sozialarbeit und -pädagogik. Auch technische Ausbildungsberufe wie Kraftfahrzeugtechnik, Elektrotechnik und Mechatronik sind stark betroffen.
Was hat der Fachkräftemangel mit der Grundsicherung zu tun?
Seit der Reform zum 1. Juli 2026 gilt in der Grundsicherung für Arbeitsuchende, dem früheren Bürgergeld, wieder der Vermittlungsvorrang. Politisch wird damit auch das Ziel verfolgt, offene Stellen angesichts des Fachkräftemangels schneller zu besetzen.
Kann der Fachkräftemangel noch abgewendet werden?
Nach Einschätzung der Studienautoren ist eine schnelle Entspannung unwahrscheinlich. Der demografische Wandel lässt sich mit inländischem Potenzial kaum vollständig ausgleichen, und auch die Zuwanderung wird absehbar nicht ausreichen, um die Lücke vollständig zu schließen.
