Das Bürgergeld hat ein Ablaufdatum: Ab dem 1. Juli 2026 heißt die Leistung für Arbeitsuchende „Grundsicherungsgeld“ – und bringt strengere Regeln, aber keine höheren Regelsätze (Stand: 2026). Das „13. Gesetz zur Änderung des Zweiten Buches Sozialgesetzbuch und anderer Gesetze“ ist beschlossen, im Bundesgesetzblatt verkündet und tritt zum überwiegenden Teil zum 1. Juli 2026 in Kraft. Für rund 5,5 Millionen Leistungsbeziehende stellt sich damit ganz konkret die Frage: Wie viel Geld gibt es künftig, wer ist besonders betroffen – und wo wird jetzt schärfer kontrolliert? Dieser Ratgeber zeigt, was sich bei der neuen Grundsicherung inhaltlich ändert, warum die Regelsätze dennoch auf dem bisherigen Bürgergeld‑Niveau bleiben und wo sich Leistungskürzungen häufen können.
Vom Bürgergeld zum Grundsicherungsgeld: Was das Gesetz regelt
Rechtsgrundlage der Reform ist das „13. Gesetz zur Änderung des Zweiten Buches Sozialgesetzbuch und anderer Gesetze“, mit dem die Grundsicherung für Arbeitsuchende neu geordnet wird. Bundestag und Bundesrat haben das Gesetz im März 2026 verabschiedet; nach Ausfertigung und Verkündung im Bundesgesetzblatt tritt es zum überwiegenden Teil am 1. Juli 2026 in Kraft.
Kernelemente:
- Die bisherige Geldleistung „Bürgergeld“ wird in „Grundsicherungsgeld“ umbenannt.
- Die Leistung bleibt im Zweiten Buch Sozialgesetzbuch (SGB II) verankert, also für erwerbsfähige Leistungsberechtigte zuständig.
- Die Grundstruktur mit Regelbedarf, Kosten der Unterkunft und Mehrbedarfen bleibt erhalten, wird aber in einzelnen Punkten angepasst.
Das Bundesarbeitsministerium betont, Ziel der Reform sei, „das Gleichgewicht zwischen Solidarität und Eigenverantwortung neu auszubalancieren“ und die Grundsicherung „praxisnäher und missbrauchssicherer“ auszugestalten.
Wie viel Geld gibt es ab dem 1. Juli 2026?
Anders als viele erwartet hatten, bringt die Umstellung keine Erhöhung der Regelsätze. Nach übereinstimmenden Berichten von Beratungsportalen und Verbänden bleiben die Beträge der neuen Grundsicherung im Kern auf dem Stand des Bürgergelds 2024 eingefroren.
Betanet fasst den Stand so zusammen: „Das Bürgergeld bleibt 2026 vorerst auf dem Stand von 2024, die Regelsätze werden nicht erhöht. Alleinstehende bekommen z. B. 563 Euro im Monat plus Miete und Heizung.“ Diese Regelsätze gelten – vorbehaltlich einer späteren regulären Fortschreibung – auch im Rahmen der neuen Grundsicherung weiter.
Typische Regelsätze (Grundsicherungsgeld, Stand 2024/2026, ohne Unterkunft):
- Alleinstehende/Alleinerziehende: 563 Euro
- Volljährige Partner in Bedarfsgemeinschaft: 506 Euro
- Jugendliche von 14–17 Jahren: 471 Euro
- Kinder von 6–13 Jahren: 390 Euro
- Kinder bis 5 Jahre: 357 Euro
Hinzu kommen weiterhin die Kosten der Unterkunft und Heizung, soweit sie als angemessen gelten, sowie ggf. Mehrbedarfe (z. B. für Alleinerziehende, Schwangerschaft, Behinderung).
Was sich inhaltlich ändert: Strengere Pflichten, schärfere Sanktionen
Auch wenn die Regelsätze weitgehend unverändert bleiben, dreht die Reform an mehreren Stellschrauben, die sich im Geldbeutel bemerkbar machen können:
- Vermittlungsvorrang und Arbeitsverpflichtung:
Die Grundsicherung betont wieder stärker das Prinzip „Fordern und Fördern“. Erwerbsfähige Leistungsberechtigte sollen grundsätzlich jede zumutbare Arbeit annehmen, auch wenn sie nicht der Qualifikation entspricht. - Arbeitsverweigerer‑Regelung / Totalsanktionen:
Wer wiederholt zumutbare Angebote ablehnt oder Termine schwänzt, muss mit deutlich schärferen Sanktionen rechnen – bis hin zu befristeten Totalsanktionen, bei denen das Grundsicherungsgeld zeitweise vollständig entfallen kann. - Strengere Vermögensprüfung:
Erleichterungen der Bürgergeld‑Karenzzeit (höhere Schonvermögen, weniger Wohnungswechsel) werden wieder zurückgeführt; Vermögen wird früher und strenger geprüft. - Leistungsmissbrauch bekämpfen:
Jobcenter erhalten erweiterte Befugnisse bei Datenabgleichen und Überprüfungen, um unberechtigte Leistungsbezüge schneller zu erkennen. - Gerade die Sanktionen können faktisch zu einem „Null-Euro-Schutz“ führen, wenn bei wiederholter Pflichtverletzung das Geld zeitweise vollständig ausgesetzt wird.
Wichtigste Fakten zur neuen Grundsicherung ab Juli 2026
Was Sie als Leistungsbeziehende jetzt tun sollten
- Bescheide ab Juli genau prüfen: Ihre bisherigen Bürgergeld‑Bescheide werden auf Grundsicherung umgestellt; kontrollieren Sie genau, ob Regelbedarf, Unterkunftskosten und Mehrbedarfe korrekt übernommen wurden.
- Mitwirkungspflichten ernst nehmen: Melden Sie Veränderungen bei Einkommen, Wohnsituation oder Bedarf rechtzeitig und nehmen Sie Termine wahr – so vermeiden Sie Sanktionen, die bis zum völligen Wegfall der Leistung führen können.
- Vermögensunterlagen bereithalten: Rechnen Sie mit genauerer Prüfung von Kontoständen, Lebensversicherungen und sonstigem Vermögen; halten Sie Nachweise sortiert vor.
- Beratung nutzen: Bei Kürzungen oder Unklarheiten können Sozialberatungsstellen, Wohlfahrtsverbände oder Fachanwälte für Sozialrecht helfen, Widerspruch oder Klage rechtzeitig einzulegen.
